Auf der rechten Seite schlafen

Ich habe von Alexander Gauland geträumt. Nicht, dass er mir das Du angeboten und ich Alex zu ihm gesagt hätte. So viel Distanz habe ich im Traum gewahrt. Kann man das so sagen? Ich und im Traum? Egal. Wieso passiert mir das? Wieso träume ich von ihm, er aber bestimmt nicht von mir? Von uns träumt er bestimmt, von uns als Deutschland, als Volk, aber von mir?

Man kann sich leider nicht aussuchen, wovon man träumen möchte. Wissenschaftlich ist, soweit ich das verstanden habe, weder klar, warum wir träumen noch wieso wir träumen, was wir träumen. Aber Gauland? Ich weiß sogar noch, was er gesagt hat, weiß aber nicht so recht, ob es zulässig ist, das als Gaulandzitat zu verwenden. „Ich habe schließlich die Demokratie in diesem Land mit aufgebaut.“ Das war eine glatte Lüge! So alt ist der Mann nämlich nicht, obwohl man das denken könnte. Jahrgang 41, zu den Müttern und Vätern der Republik gehört er definitiv nicht, zu den Kindern, okay, und die machen ja oft kaputt, was Mama und Papa aufgebaut haben. Was Weiterlesen

Fremde Worte

Von Carole Raddato from FRANKFURT, Germany – Apollo with lyre, fresco fragment from the vicinity of Augustus house, Palatine Museum, Rome, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30371189

Morgen, 18 Uhr, hatte Benny gesagt, der in solchen Momenten trotz ihrer langen Freundschaft wieder zu Dr. Bernhard Mettkemper wurde, Lektor und Programmchef des Angst & Schrecken-Verlags, bei dem Jan seine bisherigen Bücher veröffentlicht hatte.

Eigentlich war der neue Roman, in dem es um einen Serienkiller ging, der mit dem Herzblut seiner Opfer seine Bestseller schrieb, auf Pergament, das er aus der Haut seiner Opfer herstellte, auch fertig, also fast, nur die Auflösung, die war einfach nicht schlüssig. Die jungfräuliche Tochter des letzten Opfers drang auf der Suche nach ihrer verschwundenen Mutter in das Haus des Mörders ein, fand das blutbeschriebene Pergament in einem von Dämonen gehüteten Tresor und als sie es in die Hand nahm, verflüssigte sich das Blut und ein Bild ihrer Mutter erschien. Dreihundert Seiten lang hatte Jan daran geglaubt, jetzt nicht mehr. Die Art, wie sie die supergesicherte Tür der Villa des geisteskranken Mörders öffnete, hanebüchen. Ein anderer Schluss musste her, einer, der die versteckten Hinweise aufgriff, die Jan sorgfältig konstruiert hatte, einer, der überraschend und zugleich plausibel war.

Ausgerechnet in dieser Situation schlug seine Allergie gegen Kunstblut wieder zu, also gegen Blut, das für künstlerische Zwecke, präziser literarische Zwecke vergossen wurde. Jan brauchte nur auf sein Typoskript zu schauen, schon bekam er Pickel. Also schaute er weg. Ob es Pillen gab gegen literarische Verstopfung? Fünfzehn Minuten später war er schlauer, nein, eigentlich nicht, er hatte keinen Moment lang daran geglaubt, dass es solche Pillen geben könnte. Und wenn, wäre die Lieferzeit vermutlich auch zu lang gewesen.

Die beste Droge, das hatte ihm mal ein Freund gesagt, sei ein klarer Kopf. Nur, wo bekam er jetzt auf die Schnelle einen klaren Kopf her? Also anders: Wenn man sich einer Sache nicht nähern konnte, dann half es doch manchmal, sich von ihr zu entfernen. Okay, meistens nicht, aber wenn man etwas vergessen hatte, dann musste man doch auch nur an etwas anderes denken, damit es einem wieder einfiel. Ob das auch half, wenn man nichts vergessen hatte? Weiterlesen