Besuchszeit

«Was sich erhebt, das will auch wieder enden,
was sich erlebt – wer weiß denn das genau,
die Kette schließt, man schweigt in diesen Wänden
und dort die Weite, hoch und dunkelblau.»
Gottfried Benn: Blaue Stunde

Wann sind wir endlich da?
„…Möchtest du noch einen Keks?“
„…sehe ich mittelfristig in einer Führungsposition, wenn…
„…Kannst du nicht mal still sitzen?“
„So nicht, sag ich ihm… oder hätte ich ihm sagen sollen.

Satzfetzen. Ich schaute aus dem Fenster, wieder mal, war des Sehens längst überdrüssig für diesen Tag, mochte nicht mal mehr lesen.
Die Sonne war fast schon hinter den Hügeln verschwunden, ein eigenartiges Licht lag über der Landschaft, ließ einen Baum, ein Haus wie im Scheinwerferlicht hervortreten und tauchte im gleichen Augenblick ein ganzes Dorf in trostloses Grau. Schmale Wölkchen lagen über den Hügeln, zartrosa und tief dunkelblau…

Mag sein, dass ich einen Moment eingenickt war, jedenfalls war urplötzlich diese Stimme da, leiser als die anderen, so schien es mir und doch drang sie zu mir durch.
„Sonst weiß niemand davon. Es ist…“, er sprach noch etwas leiser, „eine Art Geheimnis.“
Ich sah zu ihm hinüber, unauffällig, unbemerkt, wie ich meinte.
„Nur meine Mutter und eine sehr gute Freundin, eine Schamanin. Und jetzt natürlich Sie. Frauen haben wohl einen besser ausgeprägten Sinn für die verborgenen Realitäten, für die dunkleren Seiten

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