Prag (3)

Foto: Elfie Voita

Foto: Elfie Voita

12.000 Grabsteine, so erzählte man uns, gäbe es auf dem alten jüdischen Friedhof in Prag, 100.000 Menschen seien dort aber begraben, mindestens. Nein, es ist nicht unheimlich dort, nicht, wenn man Friedhöfe nicht grundsätzlich für unheimliche Orte hält.

Egon Erwin Kisch, der rasende Reporter, auch einer der fast vergessenen Großen, einer, der in Prag, aber auch in Berlin, Paris und ja, eigentlich in der ganzen Welt zuhause war, der, der einen Blick hinter die lange verschlossene Tür des Dachbodens der Altneusynagoge in Prag warf und feststellte, dass, falls der Golem dort „begraben“ sei, er inzwischen untrennbar mit der Synagoge verbunden, Teil des Gebäudes geworden sei, dieser Egon gab sich den zweiten Vornamen Erwin selbst. Warum es gerade Erwin sein musste, weiß ich nicht, ich habe aber auch keine Einwände gegen Erwin, schließlich habe ich einen Onkel, der ebenfalls Erwin heißt.

Egon Erwin Kisch war Jude, vielleicht lange Zeit so Jude, wie er Tscheche war, oder Österreicher. Der Nationalsozialismus „machte“ ihn zum Juden, ihn, der eigentlich Kommunist war, Weltbürger, Literat, investigativer Journalist und eben „rasender Reporter“.

Egon Erwin Kisch erzählt jedenfalls in einem seiner Texte vom alten jüdischen Friedhof in Prag, dem, auf dem auch der Rabbi Löw begraben ist und von den Steinen, die von Besuchern auf die Grabsteine gelegt werden. Natürlich habe ich mich auch schon gefragt, warum auf jüdische Gräber Steine kommen, aber so heftig war meine Neugier auch wieder nicht, dass ich mich schlau gemacht hätte. Ist man aber in Prag und geht man über diesen Friedhof, Weiterlesen

Prag (2)

Da schraube ich gerade an meinem Text herum, recherchiere und vertiefe mich mit zunehmender Begeisterung in mein Thema, in Windungen und Seitenwege. Wie schade, in alten Bibliotheken oder Museumarchiven kann man noch auf Werke stoßen, die als verschollen galten, die niemand mehr kennt oder die einfach verkannt wurden. Im Netz… jeder kann finden, was ich finde, lesen was ich lese, schlimmer noch, es hat ja jemand erst vor Tagen, Wochen oder Monaten ins Netz gestellt, sicher aber nicht vor 500 Jahren. Egal. Es ist wie ein Wasserfall, ich stelle mich drunter und es hört einfach nicht auf, da kommen Texte, Bilder, andere Quellen und mehr und mehr.

Ach so, ich habe noch nicht gesagt, was mich da gerade umtreibt? Umtreiben ist übrigens genau das richtige Wort. In Prag der frühen Neuzeit, obwohl es für Prag möglicherweise auch noch das späte Mittelalter war, trieb sich, so die Legende, der Golem herum. Ein aus Lehm geschaffenes Wesen, dem Atem eingehaucht wurde und das, einen Zettel mit dem Schem, dem Namen Gottes, unter der Zunge, auszog, zu tun, was man ihm befahl. Wir kennen übrigens sogar das genaue Datum, an dem der Golem an den Start ging, es war der 17. März 1580. So ein Datum mach die Sache Weiterlesen