Kartentrick

Die Silvestervorstellung im Theater war wie immer ausverkauft und Gisbert Spieß besaß zwei Eintrittskarten. Er kaufte jedes Jahr zwei Karten im Vorverkauf, voller Hoffnung auf einen gemeinsamen Theaterbesuch. Aber es gab niemanden, den er hätte fragen wollen. Gut, wenn Gisbert ehrlich war – und zu wem, wenn nicht zu sich selber, sollte er denn ehrlich sein – hatte es immer jemanden gegeben, den… die er hätte fragen wollen, aber es ging dann eben nicht. Es lag nicht daran, dass er sich vor Frauen fürchtete, es war das Leben, das ihm Angst machte… und natürlich die Frauen. Und so hatte er die Karten alljährlich wieder an der Abendkasse abgegeben.

Die Wände zwischen den Büros waren dünn, so dünn, dass er jedes Wort hören konnte, dass nebenan gesprochen wurde. Fast hätte Gisbert das vergessen, weil das Nachbarbüro so lange leer gestanden hatte. Dann hatte Frau Eisler dort ihren Arbeitsplatz zugewiesen bekommen. Gisbert Spieß hatte ihre Stimme gehört und war hin und weg gewesen… er hatte sich Hals über Kopf… hm… wie hieß eigentlich das akustische Äquivalent zum Vergucken? Verhören doch wohl kaum, oder?

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