Weiß nicht

Von Carl Larsson – Åt solsidan, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=447496

Wir wohnen in einem Haus mit einem Flachdach. Ich ahne schon, wie jetzt einige die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: Ein Flachdach? Aber man weiß doch… Ja. Weiß man. Früher oder später gibt das Ärger. Mit jahrzehntelanger Spitzdacherfahrung kann ich sagen, dass es früher oder später immer Ärger gibt.

Wasser marsch: Im Arbeitszimmer standen Eimer, in die es tropfte. Braune Flecken an der Zimmerdecke, die langsam größer wurden. Eine halbeingestürzte Decke im Arbeitszimmer, einem anderen Arbeitszimmer in einem anderen Haus übrigens. Nur eine feuchte Auswahl.

Trotzdem blöd, dass es wieder passierte. Der Dachdecker kam, fand und reparierte die schadhafte Stelle. Im Jahr darauf: Blöd, dass es wieder passierte. Der Dachdecker kam, fand und reparierte die schadhafte Stelle. Wir beschlossen, dass es jetzt gut sei, dass er jetzt das Problem gelöst hätte und wir künftig Ruhe haben würden. An dieser Stelle.

Doch da waren noch die Flecken auf der Wand. Mit einer kleinen Fläche hatte es begonnen, schließlich war ein braun umrandeter Streifen daraus geworden, der von der Decke bis fast zum Fußboden hinab reichte. Mit einer Grundierung überdeckt, zwei Tage gewartet, bis es Weiterlesen

Von den Socken

Von The_Admiralty from Witney, UK – Socks and sandals – mmmm nice look, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=63373044

Als Beitrag zur Bekämpfung der aktuellen Krise habe ich tief gegraben und bin fündig geworden. Geschichtenrecyling ist zudem sich auch im Sinne der Umwelt, denn wo soll all die Energie, all die Kreativität herkommen, die es braucht, um die Menschheit zu bespaßen? Irgendwann ist das doch mal alle und dann? Hier also in einer glanzvollen Wiederaufnahme:

Von den Socken

Er löschte das Licht und zog sich aus. Das Geräusch aus dem Hauswirtschaftsraum hörte er, maß ihm aber keine Bedeutung zu. Häuser machten eben ihre eigenen Geräusche. Er hätte auch beim besten Willen nicht ahnen können, dass sich während seines Urlaubs eine feindlich, extraterrestrische Spezies dort angesiedelt hatte und nun in der Wäschetonne darauf lauerte, ihn zu verschlingen und dann, gestärkt und ausgeruht, den Planeten Haus für Haus zu übernehmen.

Nun stand er im Schlafanzug da, die stinkigen Socken in der Hand. Liegenlassen bis morgen früh ging nicht, das Licht noch mal an machen aber auch nicht: Energiesparlampen mochten es nicht, mal kurz an und gleich wieder aus gemacht zu werden. Also tappste er durch das dunkle Haus, rumpelte kurz gegen die Säule mit dem Telefon und erreichte schließlich den Hauswirtschaftsraum.

Er nahm den Deckel der Wäschetonne ab und sah das weit aufgerissene Maul und die gifttriefenden Fangzähne des Aliens natürlich nicht, viel zu dunkel dafür. So warf er ihm seine Socken direkt ins Maul. Ohne noch einmal zu zucken oder zu zischen verschied das Biest und löste sich auf in einen grünlichen Schleim, der später zu überraschenden Waschergebnissen führen würde.
Seine Socken waren durch die in ihnen konzentrierte Kombination von Geruchsstoffen und Schmutzpartikeln zur weltweit einzigen Waffe gegen die tödliche Bedrohung aus dem All geworden. Noch Jahre später würden Männer, ernsthafte Forscher und hochdekorierte Militärs, in aufopferungsvollen Selbstversuchen daran arbeiten, genau diese Wirkstoffkombination erneut zu kreieren.