Kopflos

von Friedrich Schiller [Public domain], via Wikimedia Commons

Machen Sie sich keinen Kopf. Was für ein gedankenloser Ausspruch! Hätte man sich doch einen machen können, aber nein, keiner hat sich einen Kopf gemacht. Es musste, na, es sollte schon der richtige sein und den brauchte man sich ja nicht extra zu machen, der war ja da. War er vermutlich auch, selbst das lässt sich nicht mehr überprüfen.

Weil man alles eingeebnet hat, nachdem man dachte, man habe den richtigen Kopf und als dann klar war, dass es doch der falsche war, da war es eben zu spät. Alles platt gemacht. Typisch natürlich, dass es um Schillers Schädel ging, nicht Goethes, der wusste immer den Kopf oben zu halten und der war auch so gut vernetzt, so nah an den Mächtigen und Zahlungskräftigen, dass es keine Unklarheiten über seine letzte Ruhestätte geben konnte. Die Fürstengruft.

Und weil es Goethe war und ist, der dort ruht, ist es längst die Gruft des Dichterfürsten, in der neben ihm auch noch ein paar Adelige stehen dürfen. Schiller hingegen, nein, er wurde nicht verscharrt, so war das auch wieder nicht, aber der Mann, der als der erste freie Schriftsteller Deutschlands gilt, der nicht nur frei in dem Sinne war, dass er kein Gehalt bezog, sondern Weiterlesen

Zeit für Zeitler

Foto: Elfie Voita

Foto: Elfie Voita

Ich hatte doch nicht etwa schon erwähnt, dass wir in Berlin waren? Dass wir auf Friedhöfen waren? Dass wir auf dem Georgenfriedhof waren? Na Gott sei Dank, ich dachte schon, ich werde vergesslich. Mit der Vergesslichkeit der Menschen hat offenbar auch die Familie Zeitler gerechnet, die ein bemerkenswertes Grabmal hinterlassen hat. Es erinnerte mich ein wenig an die modernen Formel-1-Rennwagen. Natürlich nicht, weil es so schnell ist, ganz im Gegenteil, Gräber sind ja generell entschleunigt. Aber die Rennwagen – die übrigens, ich habe das nachgesehen, Boliden genannt werden, sind meist wie auch die Fahrer übersät mit Werbung. Wo auch immer Platz ist – seltsamerweise bisher nicht auf dem Visier des Fahrers – wird ein Aufnäher, Aufkleber oder was auch immer angebracht. So ähnlich ist das mit diesem Grabmal. Da hatte mal jemand etwas mitzuteilen!

Schon das Motto dieses Grabes, denn es ist eher ein Motto, weniger eine Grabinschrift, ist etwas… ungewöhnlich: Selig sind die Todten, sie ruhen von ihrer Arbeit. Mal abgesehen von der Schreibweise, ich hatte mir immer mehr vom Tod versprochen: Belohnung für die guten Taten, gut, auch etwas Fegefeuer und so,  Jungfrauen, Musik, und sei es auch nur ein ständiges „Halleluja! Luhja! Luhja, sog i! ‚zeefix Halleluja! Luhja!“ 

Richtig detailbesessen wird es dann auf der vom Betrachter aus gesehen linken Seite des Mausoleums. Da rechnet uns jemand vor, dass es nicht einfach und nicht billig ist, hier auf diesem Friedhof von der Arbeit zu ruhen. Immerhin bekommen wir auf diese Weise nicht nur einen guten Eindruck von den wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse des gerade entstehenden deutschen Kaiserreichs, sondern wir wissen auch ziemlich zügig, wie jemand getickt haben muss, der uns Nachgeborenen nicht einen besinnlichen Text, sondern ein Bautagebuch hinterlassen hat.

Also, bevor ich meinen Angehörigen so einen Stress mache, verzichte ich lieber gleich ganz auf das Sterben.