Friedenstauben? Vergriffen!

Wie geht es weiter? Die Kommentatoren teilen uns mit, nach den Anschlägen von Paris habe sich die Welt verändert, so wie sie uns das auch schon nach den Angriffen auf das World Trade Center 2001 gesagt haben. Es gibt immer ein ‚vorher‘ und ein ’nachher‘. Was sich tatsächlich ändert, das wissen wir in ein paar Monaten, vielleicht erst in ein paar Jahren, in der Rückschau. Aber was wollen wir ändern? Was muss sich ändern? Sind wir zu liberal, zu weltoffen, zu großzügig?

Die Werte der Französischen Revolution werden jetzt zu europäischen Leitbildern ausgerufen, die es zu verteidigen gilt – und dazu seien auch Einschränkungen unserer Freiheit notwendig. Gut: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Haben wir sie verwirklicht? Manche Probleme, die der reiche Westen mit dem armen Süden hat, gäbe es dann nicht. Pegida gäbe es dann nicht. Brüderlich teilen gehört nicht gerade zu unseren Stärken. Und Gleichheit heißt nicht, dass uns alles gleich ist, gleichgültig.

Bevor wir den Krieg ausrufen, lasst uns die Werte verwirklichen, die wir verteidigen wollen, die es zu verteidigen lohnt. Den Krieg kann man ausrufen, Frieden muss man schaffen.

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Aussteiger

Sieben Uhr elf stand auf dem Fahrplan, immer noch. Wie jeden Tag. Ich blickte auf die Bahnhofsuhr, dann kontrollierte ich sicherheitshalber noch einmal meine Funkarmbanduhr: Verspätung!
„Bitte steigen Sie ein. Die Türen schließen automatisch. Ihr Zug fährt jetzt ab.“
Überall Koffer. Kinder, die ihr Bestes taten, um verloren zu gehen, um sogleich die glückliche Wiedervereinigung mit den fast schon verzweifelten Eltern genießen zu können. Paare, die sich für Tage, Wochen oder Monate trennten.

Die obersten Stufen nahm ich im Sprint, erreichte im letzten Moment den Waggon, in dessen Tür der Schaffner stand und das Abfahrtsignal gab und fand mich gleich darauf auf einem der letzten freien Plätze. Sieben Uhr dreizehn, langsam setzte sich der Bahnsteig in Bewegung und glitt mit zunehmender Geschwindigkeit vor dem Fenster vorbei.

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