Mich fragt ja keiner

Im Online-Portal der Süddeutschen Zeitung nehmen verschiedenen Autoren Stellung zu der Frage, was denn nun eigentlich deutsch sei. Heute las ich ‚Wenn das tiefe Glockengeläut erklingt‘ von Martin Mosebach, Büchner-Preisträger und somit in der deutschen Gegenwartsliteratur geadelt. Nein, ich will nicht einsteigen in diese Diskussion – und doch bin ich natürlich sofort dabei. Dabei ist Mosebach interessant, auch interessant, um eigene Positionen zu überprüfen, sich an ihm zu reiben.

Bei Mosebach geht es – wie bei einem Schriftsteller wohl kaum anders zu erwarten – um Sprache. Natürlich auch um den Begriff der Nation, den Nationalismus, um… ach, wer es wissen will, soll es halt selber lesen. Er endet aber – und das war es, was mich überraschte – mit seinem Gefühl von Heimat. Ist das nicht etwas völlig anderes? Ist Heimat nicht für jeden von uns etwas sehr Persönliches, nicht an die Nation oder die Sprache, die Kultur oder die Geschichte Gebundenes? Hat den nur der Deutsche eine Heimat? Weiterlesen

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Im Kino

Wir waren im Kino. In Warendorf. Die Leinwand ist kaum größer als das, was andere Leute inzwischen als Fernsehgerät im Wohnzimmer hängen haben. Einrichtung aus den siebziger Jahren, nein, nicht bei den Leuten mit den Großbildfernsehgeräten. Das Bild ist scharf, der Ton ist gut, gut genug. Kaum ist das Licht aus und die Werbung für die Tribute von Panem, den neuen Bond und die Fortsetzung der Starwars-Reihe durch, sind die Siebziger genauso unbedeutend wie die Gegenwart, denn „Der Staat gegen Fritz Bauer“ packt mich, packt uns ganz unmittelbar. Wer jedoch special effects, Verfolgungsjagden, Kampfszenen und Blut sehen will, ist hier völlig falsch. Ich weiß allerdings nicht, ob die Darsteller sich für die gefährlichsten Szenen des Films doubeln ließen – auf der Leinwand wird nämlich fast ununterbrochen geraucht!

Weder Action noch komödiantische Einlagen stehen auf dem Programm. Obwohl diese Hauptfigur, ganz hervorragend gespielt von Burghart Klaußner, zunächst einmal fast lächerlich antiquiert aussieht. Aber wir sind auch in den frühen sechziger Jahren, in der Adenauerzeit. In der Zeit, in der die Bundesrepublik streng nach vorn sah, weil der Blick zurück zu schmerzhaft war und viele auch gute Gründe hatten, so schnell wie möglich Grass über die Ereignisse und ihren eigenen Anteil daran wachsen zu lassen. Fritz Bauer wird Generalstaatsanwalt in Frankfurt und macht sich auf die Suche nach den untergetauchten NS-Größen. Dabei findet er allerdings kaum Rückhalt bei den staatlichen Institutionen, im Gegenteil, der Bundesnachrichtendienst, durchsetzt mit Altnazis, stellt ihm nach und versucht, ihn möglichst aus dem Amt zu drängen. Und dann ergibt sich die Chance, Adolf Eichmann zu stellen…

Ein fantastischer Film mit einem knarzigen Burghart Klaußner, mit vielen Details, die uns die Nachkriegsjahre vor Augen führen und mit einer Geschichte, an die wir uns erinnern sollten.

Leipzig? Frankfurt? Oelde!

Ich muss jetzt an dieser Stelle mal ein bisschen Reklame machen. Das westfälische Literaturmuseum Haus Nottbeck in Oelde, nicht gerade zentral gelegen, aber im Vergleich zu Frankfurt und Leipzig quasi um die Ecke, ist in diesem Jahr wieder Gastgeber für text & talk.

logo textIch zitiere einfach mal aus der Ankündigung:

„text & talk – Die NRW-Messe für unabhängige Buchverlage wird am Samstag, 12. September 2015, mit einer abendlichen Auftaktveranstaltung eröffnet.

Zur Einstimmung auf die Messe stellt sich die renommierte Berliner „Edition Tiamat“ um 19.30 Uhr als Gastverlag vor. Mit Wiglaf Droste, Ralf Sotscheck und Verlagsgründer Klaus Bittermann stehen drei Meister des schwarz-geschliffenen Humors auf der Bühne. Ganz in der Tradition von Drostes legendärer Satire-Reihe „Nottbeck City Limits“ darf man sich auf einen höchst unterhaltsamen Abend freuen.
Der text & talk Messetag beginnt am Sonntag, den 13. September 2015 um 11 Uhr. Ihr habt die Möglichkeit das spannende Programm von ca. 40 ausstellenden Verlagen kennenzulernen. Weitere Neuerungen im Programm sind eine Literatursprechstunde mit dem Autor Oliver Uschmann und zwei Sonderausstellungen. Gitte Klisa stellt ihre Künstlerbücher aus und die Ausstellung „bibliophil, engagiert, einzigartig“ widmet sich großer westfälischer Literatur in kleinen Verlagen, jenseits des Mainstreams mit kleinen Auflagen und viel Liebe zum Detail.“

Dass klein und fein durchaus zusammengehen, beweist gerade der bei text & talk präsente Verbrecher Verlag, dessen Autorin Anke Stelling mit ihrem Roman „Bodentiefe Fenster“ auf der Longlist des Deutschen Buchpreises steht.

Das Programm kann sich sehen lassen, neben Oliver Uschmann ist auch Erwin Grosche zu Gast, der Fachbereich Design der FH Münster macht was zum Thema Illustration und Bücher können nicht nur von den Ausstellern, sondern auch auf dem gleichzeitig stattfindenden Büchermarkt gekauft werden. Was braucht es denn noch an Argumenten? Eines natürlich: Eintritt frei!

https://www.facebook.com/LiteraturmuseumHausNottbeck