Papa

Ephraim Moses Lilien / Public domain

Ist das Verlieren eine Augenblickssache, etwas, das in einem Moment passiert, oder ist es auch ein Prozess, der andauert und dessen Ergebnis nicht darin besteht, nicht immer darin bestehen muss, das etwas gänzlich weg ist, sondern das da noch ein wenig, ein kleiner Rest, übrig bleibt, einer, der den Verlust markiert?

Erinnerungen, die wie Live-Fotos wirken, die nicht nur den Augenblick festhalten, in dem der Auslöser gedrückt wurde, sondern 1,5 Sekunden davor und danach. So erinnere ich mich an meinen Vater Franz Willibald Voita. Eine Reihe, nicht viele, dieser kurzen Sequenzen. Eine Art Fotoalbum, dessen einzelne Bilder vertraut sind, die aber auch längst an Farbe verloren haben und zwischen denen keine Beziehungen bestehen, die keine Geschichte miteinander verbindet und die ich auch nicht Weiterlesen

Winter ohje

Ich lehne Dinge nicht einfach so ab, nur weil ich sie eben… äh.. ablehne. Doch, das tue ich auch, jetzt noch rasch ein Argument dafür suchen… Willensfreiheit? Ja, genau. Die sollte doch auch die Freiheit beinhalten, etwas nicht zu wollen. Einfach so nicht zu wollen. Ohne lange Rechtfertigungen. Ohne das nervige „Probier doch mal, du kannst doch sonst überhaupt nicht beurteilen ob…“. Nee. Will ich nicht. Abgelehnt. Winter lehne ich nicht auf diese Art ab, nicht so wie Brathähnchen oder Mario Barth. Leicht angewidert. Nein, Winter habe ich ausprobiert. Nein danke, für mich bitte nicht.

Dabei mag ich Schnee, mochte ihn schon immer. Eis allerdings lieber in einem Schälchen mit Schokoladensauce und einem langstieligen Löffel serviert. Eine geschlossene Schneedecke und munteres Flockengestöber verderben mir die Freude keineswegs, solange die Tür schön geschlossen bleibt und niemand auf die Idee kommt, einen Schneemann zu bauen. Dabei ist das Bauen von Schneemännern die einzige Wintersportart, die ich nicht rundheraus ablehne – und ausgerechnet die wird nicht im Fernsehen übertragen. Drei Kugeln und etwas Deko… ach ja, wie auf meinem Schälchen, nur eben etwas größer.

Erinnert sich jemand? Unglaubliche Schneemengen. Weiterlesen

Das letterdook der Everdiena Bielefeld

Foto: Manfred Voita

Manche Familien besitzen Ländereien, Fabriken, Häuser, Aktien, Goldbarren, Schmuck, Gemälde und vererben das alles natürlich an ihre Nachkommen. Wir besitzen ein Letterdook. Man kann es schön finden, man muss nicht. Es ist aber inzwischen gleich mehrfach Teil der Familiengeschichte meiner Frau, also ist es, falls es nicht schön sein sollte, immerhin ein Gegenstand, über den man sich unterhält und das seit mittlerweile 117 Jahren.

Im Jahre 1901 wurde das Letterdook von Everdiena Bielefeld, der Großmutter meiner Frau, in Heesterkante gestickt.  Everdiena Bielefeld wurde am 11.03.1887 geboren, war also 14 Jahre alt, als sie das Tuch anfertigte.

Das Tuch erzählt uns etwas über ihre Familie, die Familie erzählt uns aber noch mehr über das Tuch.

Everdiena, die ich nicht mehr kennenlernen durfte, sie starb ein Jahr, bevor ich meiner Frau begegnete, hatte frühzeitig beschlossen, das Tuch ihrer Enkelin, eben meiner Frau, zu hinterlassen. Everdiena Bielefeld war eine schmale kleine Frau, die einer stattlichen Zahl Kinder das Leben schenkte, ein hartes, von ihrem strengen calvinistischen Glauben geprägtes Weiterlesen