Damenprogramm (3)

Foto: Manfred Voita

Nach der Stadtführung, die etwa 135 Minuten gedauert hatte, keine Minute zu viel übrigens, blieb nur wenig Zeit, bis die Führung im Magdeburger Dom begann. Eine Führerin, zwei Besucher, die sich führen ließen. Die zweite männliche Nebenrolle war allerdings neu vergeben worden. Nein, ich verzichte jetzt darauf, die Details des Doms zu beschreiben, obwohl das natürlich leicht komisch wirken muss, wenn ich ausgerechnet zu den Toiletten etwas schreibe.

Die Toiletten sind gut, ich habe in anderen Kirchen schon viel schlechtere gesehen, in vielen sogar keine. Was natürlich nicht heißen soll, dass ich in Kirchen grundsätzlich die Toiletten besuche. Man muss jetzt also nicht wegen des Domklos nach Magdeburg. Bemerkenswert für mich war aber, wie hier zwei Zeiten nebeneinander existieren. Man verlässt den Dom und betritt Weiterlesen

Münster

Es mag am Herbst liegen, dass mir das Thema Friedhöfe ständig wieder in den Sinn kommt. Nein, es liegt nicht daran, dass ich mich intensiv mit den Themen Leben und Tod auseinander setzen würde. Wozu? Ich lebe – und sterben werde ich auch. Gibt es dazu mehr zu sagen? Na klar, es wird zum Beispiel erzählt, dass die Münsteraner nicht unbedingt in den Himmel, aber auf jeden Fall auf den Zentralfriedhof wollen. Wobei der Weg vom Zentralfriedhof in den Himmel vermutlich nicht sehr weit ist, denn der Friedhof liegt an der Himmelreichallee. Außerdem liegt er in der Nähe des Aasees, der im letzten Münster-Tatort zu besichtigen war, was jetzt aber nicht gegen den See verwendet werden sollte.

Am Aasee lässt es sich gut und teuer wohnen, das Gelände wurde schon zum schönsten Park Deutschlands und zum schönsten Park Europas gekürt. Warum ich das erzählen muss? Wo ich doch nicht mal mehr in Münster wohne? Weil uns immer wieder mal das Heimweh packt – dabei bin ich nicht mal in Münster geboren.

Es gibt auch ganz viele Gründe, nicht nach Münster zu ziehen, einer davon ist die fortschreitende Gentrifizierung. Am alten Kanalhafen, ein ehemals ziemlich schmuddeliges und verlassenes Stück Stadt, ist ein Kreativkai entstanden, mit Theater, Hotjazzclub, Kneipen… und nicht zu vergessen: Wasser. So weit, so gut. Oder doch nicht? Die neue Nutzung verändert natürlich die Mietsituation. Billiger Wohnraum verschwindet und schicke neue Häuser entstehen. Aber es hat was. Und so geht das weiter. Mietshäuser, die in den fünfziger Jahren mit öffentlichen Mitteln gefördert wurden, werden nach und nach in Eigentumswohnungen umgewandelt und wer nicht so gut verdient, findet sich an den Stadtrand gedrängt.

So, genügend kritische Anmerkungen gemacht, jetzt darf ich auch etwas schwärmen. Der Prinzipalmarkt, der, wie große Teile der Innenstadt, im Krieg fast vollständig zerstört wurde, wird auch als gute Stube Westfalens bezeichnet. Kopfsteinpflaster, die Lambertikirche mit den Käfigen der Wiedertäufer, Giebelhäuser und das historische Rathaus, in dem 1648 der westfälische Frieden geschlossen wurde: Jovel!

Dom und Bäume

Prinzipalmarkt Ecke Lamberti

DomFotos: Elfie Voita

Freiheit für das Panorama

Hugo Wstinc – die Niederländer lesen das W in diesem Fall als zwei aufeinander folgende Us und sprechen ihn also Hugo Uustinc. Nein, so sprechen sie ihn nicht, sondern – weil aus dem u im Niederländischen ein ü wird: Hügo Üüstinc. Das g wird natürlich auch nicht als g gesprochen, es klingt eher wie das ch in acht. Nun wissen wir, wie er sich spricht. Pardon, er – Hugo Wstinc – spricht sich schon lange nicht mehr, denn er starb am 06.09.1404. Damit ist er hinreichend lange tot, wir können also ohne Beileidsbekundungen weiter machen.

Geboren wurde er einigen Quellen zufolge vor 1349. All das ist noch kein hinreichender Grund, ihn hier vorzustellen. Wobei: Brauche ich irgendeinen Grund, um hier Text zu produzieren? Reicht nicht die Tatsache, dass mir danach ist? Egal, ich habe jedenfalls ein Motiv, nämlich das auf meinem Blog. Noch einmal und diesmal zum Mitdenken: Ich verwende einen sogenannten Avatar:

dom 3

Und hierbei handelt es sich um das (von Elfie Voita gemachte) Foto einer Skulptur aus dem Pandhof, dem Innenhof des Doms zu Utrecht. Es zeigt den schreibenden Kanoniker – eben jenen Hugo Wstinc. Schön und gut. Muss man das jetzt wissen?

Wichtig ist die Diskussion, die gerade darum geführt wird, ob in Zukunft solche Bilder noch frei verwendet werden dürfen. Im Europaparlament geht es nämlich um genau diese Frage. Zunächst steht da die gewerbliche Verwendung von Fotos an, auf denen Gebäude oder Skulpturen zu sehen sind, an denen jemand Rechte besitzt.

Aber woher soll ich denn wissen, ob jemand noch Recht an der Skulptur des schreibenden Kanonikers hält? Und woher weiß ich, ob ich dadurch, dass ich einen Blog betreibe, vielleicht schon jemandem die Rechte eingeräumt habe, mit den von mir hochgeladenen Bildern zu tun, was immer er mag? WordPress zum Beispiel bietet mir eine kostenlose Möglichkeit, diesen Blog zu betreiben. Von der Werbung, die sie auf meinem Blog platzieren, wird sich das nicht finanzieren lassen. Also aufgepasst, möglicherweise geht uns da unbemerkt ein wichtiges Recht verloren. Mehr dazu: https://juliareda.eu/2015/06/panoramafreiheit-in-gefahr/

Nachtrag: Das Europa-Parlament hat mit großer Mehrheit beschlossen, dass die Panoramfreiheit weiterhin gilt, d. h. bis auf einige Länder, die besondere Einschränkungen kennen, bleibt alles unverändert.