Ganz nah

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Nur wenige Mitreisende sind noch auf dem Schelterdeck, es ist kühl geworden. Spät am Abend auf der Ostsee. Stille. Nicht einmal die Dieselmotoren der Diana stören, ergänzen das Bild sogar um die Dimension der Entfernung, um das Unterwegssein.

So ähnlich war das – nur schöner.

Teil 5

Teil 3

Vorbereitung ist alles

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Vor einer Reise liege ich manchmal nachts schlaflos im Bett. Manchmal minutenlang. Das heißt bei mir etwas, denn im Regelfall schlafe ich schon, bevor mein Kopf das Kopfkissen berührt. Der Flug nach Stockholm, welche Linie war das noch? Chickenwings?

Und die Kabine an Bord der Diana, klein, das weiß ich wohl. Für meine Größe auch ein wenig kurz.

Sauberkeit? Gab es da nicht eine Passage auf der Homepage der Reederei, in der es sinngemäß hieß: „Bedenken Sie, bevor Sie sich beim Personal beschweren, dass die Diana 1931 in Betrieb genommen wurde und dass die Fußnägel, die  Sie im Teppich gefunden haben, möglicherweise von einem schwedischen König oder einem berühmten Literaten stammen könnten.“

Gut, vielleicht habe ich mir das auch nur eingebildet, wer weiß denn schon, was einem so vor dem Einschlafen durch den dummen Schädel schwirrt?

Ein Schiff aus dem Jahr 1931, da ist alles anders, knapper, enger, auch die Bäder. Ha. Bäder. Vermutlich gibt es eine Gemeinschaftsbürste, die an Deck hängt, von sechs bis neun als Zahnbürste zu verwenden, dann wird sie in der Küche als Gemüsebürste und anschließend als Spülbürste benötigt, nach der Mittagspause steht sie zur allgemeinen Verfügung für Haare und Rücken und zwischen Mitternacht und sechs Uhr für die Schuhpflege. Aber bitte nur schwarze Schuhcreme verwenden. Jede andere Verwendung ist mit dem Kapitän abzusprechen.

Muss ich noch darauf hinweisen, dass mit das Erste, das mir an Bord ins Auge fiel, eine an einem Band aufgehängte Bürste war?

Ach übrigens: Ich habe mich gefragt, was in einer Pizzeria, die sich Pandora nennt, wohl auf den Teller kommt. Von einem Anruf würde ich jedenfalls abraten, die Pizza wäre in jedem Fall bei der Anlieferung kalt.

Teil 1

Teil 3

Langsam – aber viel zu schnell!

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Wie erzähle ich von einer Reise? Die Eindrücke sind noch so frisch, alles ist noch so nah, dass ich nicht weiß, wo anfangen und wo aufhören. Erzählen heißt auswählen, manches beschreiben, anderes weglassen, wo doch das Erlebnis unteilbar und nur so, mit all seinen Elementen, vollständig war. Nichts war unwichtig, nicht die Farbe des Wassers, nicht die Wärme der Luft, die Schreie der Möwen, das Grün der Wiesen oder das Knattern der schwedischen Fahne im Wind. Doch um erzählen zu können, trete ich zurück, brauche ich Abstand, sortiere und schaffe Ordnung und verändere damit dauerhaft meine eigenen Erinnerungen an die Reise.

Fakten… nein, später vielleicht, es geht um eine ganz besondere Stimmung, die sich viel schwerer ausdrücken lässt, die wenig mit Knoten, Kilometern oder Bruttoregistertonnen zu tun hat. Drei Reisen seien es eigentlich, auf die wir uns begäben, sagte der Kapitän der Diana, eine geografische, die in von Stockholm nach Göteborg führe, eine historische, denn die Diana sei 1931 gebaut worden und die Kreuzfahrt, ich scheue mich fast, die Reise so zu nennen, werde mit dem Tempo und im Stil des neunzehnten Jahrhunderts absolviert. Schließlich sei es aber auch eine innere Reise und das war natürlich der Punkt, an dem meine Spottlust und Skepsis zuschnappten wie der Hofhund des Nachbarn.

Der uniformierte Schwede würde uns doch den Götakanal nicht zum Jakobsweg machen wollen? Und schon fragte ich mich, ob es möglicherweise die Reise der Speisen durch den Verdauungstrakt sei, die er mit der inneren Reise gemeint haben könnte.

Götakanal und Diana! Ja, die Freunde des schwedischen Krimis erinnern sich: Der erste Band aus der Reihe der Kommissar-Beck-Romane von May Sjöwall und Per Wahlöö hieß „Die Tote im Götakanal“ und spielte auf der Diana. Muss ich wohl demnächst mal wieder lesen. Sjöwall/Wahlöö gelten übrigens als diejenigen, die den Schwedenkrimi auf dem europäischen Büchermarkt etablierten.

Teil 2