Eine Nummer kleiner

Inzwischen habe ich mich auf allerlei Seiten umgesehen und festgestellt, dass viele Schreibende einen Roman verfassen möchten.

Warum muss es denn immer gleich ein Roman sein?

Dagegen ist zunächst mal ja auch überhaupt nichts zu sagen. Eine eigenständige Veröffentlichung ist eine tolle Sache, die Spiegel-Bestsellerliste, der deutsche Literaturpreis oder eine lobende Erwähnung bei Denis Scheck: Ich will das alles auch, am liebsten sofort.

Mir geht es allerdings so, dass ich Texte mit einer Länge von zehn oder auch zwanzig Normseiten gerade mal bewältigen kann – also die Figuren zusammenhalten, die Geschichte vorwärts bringen und am Ende mit einem Knalleffekt und heiler Haut wieder aus der Nummer raus komme. Natürlich missgönne ich jedem seinen Erfolg und würde schon gern ein allgemeines Schreibverbot verhängen, damit die Nachfrage nach meinen Texten dramatisch ansteigt, doch auch bei mir ist es so, dass ich ganz hervorragende Anfänge für Geschichten in meinen digitalen Schubladen aufbewahre. Ein weißes Blatt kann Angst machen – aber ein guter Anfang ist auch nicht mehr als ein guter Anfang.

Schreiben ist vielleicht eine Kunst aber ganz sicher auch ein Handwerk, da sollten wir nicht gleich mit einem Meisterstück beginnen wollen.

Puh… jetzt ist es raus. Nun die frohe Botschaft: Es ist auch viel leichter, eine Kurzgeschichte in einer Anthologie zu veröffentlichen. Schaut euch im Netz um, es werden ständig Texte gesucht und nichts ist geiler, als sich das erste Mal gedruckt zu sehen (doch, da war noch …*)
*bitte selbst ergänzen

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Leipzig. Zwei

Der Sonntag. Ich habe einen Plan. Ein Plänchen. Gut, am Vorabend waren meine Vorhaben grandios gescheitert, aber, um es mit dem Alt-Bundestrainer Helmut Schön zu sagen: So schnell lasse ich den Hochmut nicht sinken.

Wie sich das für ein langfristiges Konzept gehört, schaue ich im Bus noch mal in das Veranstaltungsverzeichnis und finde gleich zwei Programmpunkte. Also nach einer kurzen Orientierung in den Hallen zunächst einmal zu Michael Fehr.

Die Lesung hat noch nicht begonnen, noch diskutiert die ägyptische Autorin Mai Khaled mit ihrem Publikum, allerdings nicht ihren Roman, sondern die aktuelle politische Lage in Ägypten. Dann kommt Michael Fehr und liest aus seinem Roman Simeliberg. Fehr ist Schweizer, stark sehbehindert und liest deshalb nicht wirklich vor, sondern hört den Text über Kopfhörer und spricht ihn dann. Beim Bachmann-Preis in Klagenfurt hat er das ähnlich gemacht und die Jury sehr beeindruckt. Uns beeindruckt er auch. Fehr kommt aus der Spoken-Word-Szene und schreibt seine Texte offenbar ganz bewusst für den Vortrag.

Wir lassen uns Zeit, springen nicht auf, um rechtzeitig bei Denis Scheck zu sein. Wie sich dann zeigt, hätte es wohl auch nichts genutzt. Denis Scheck, der mit „Druckfrisch“ ein unterhaltsames und kluges Literaturmagazin im Fernsehen präsentiert, stellt seine Buchempfehlungen vor und alle wollen ihn hören und sehen. Er sieht so aus wie im Fernsehen und klingt auch so, was weder für noch gegen ihn spricht. Es gibt Monitore, auf denen man ihn gut sehen kann. So gut, als wäre man zuhause geblieben.

Nach Fehr und Scheck – klingt übrigens wie eine Zeitschrift für Produkttests heißen könnte: FairCheck oder, weniger freundlich, ein möglicher Dudeneintrag für eine danebengegangene Buchkritik: vercheckt, schlimmer noch, voll vercheckt – stehen jetzt die Verlage auf dem Programm, die in ihren Anthologien auch meine Kurzgeschichten veröffentlicht haben.

Keine schlechte Quote, von fünf Verlagen sind drei in Leipzig vertreten.

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Torsten Low (Bild: Elfie Voita)

Ein Port mit Torsten Low, einmal drücken bei Ingrid Pointecker vom Ohneohren Verlag

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Ingrid Pointecker (Bild: Elfie Voita)

und ein Plausch mit Marion Schneider am Stand des Größenwahn Verlags

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Marion Schneider (Bild: Elfie Voita)

und das Gefühl, auf der Buchmesse jetzt auch ein wenig zuhause zu sein.

Mein Plan? Genau wie wir irgendwann erledigt.