Weihnachtsbraten

Weil es gerade wieder einmal passt: Ein Text, den ich hier vor vier Jahren vorgestellt habe, für alle, die ihn noch nicht kennen oder wieder vergessen haben.

 

Weihnachtsbraten

Die Schiffssirene heulte noch einmal, jetzt bereits aus großer Entfernung, dann verschwand der festlich erleuchtete Dampfer hinter dem Horizont.

Nach Einbruch der Dunkelheit scharrten sie sich um das Feuer, zusammengekauert, Schutz suchend, nicht vor der Kälte der Nacht, sondern weil da etwas war, das stampfte durch den Busch, zerbrach Zweige, knickte Äste ab, trat nieder, was sich ihm in den Weg stellte, doch die lodernden Flammen ließen die Finsternis, die wie ein dunkles Tuch auf die Insel herabsank, nur noch tiefer wirken.

Waren wirklich erst wenige Stunden vergangen, seit man sie hier ausgesetzt hatte? Auf einem Eiland, weit ab von jeder Zivilisation mit nichts als einem Wohnwagen und einem Dixieklo, der Minimalausstattung für einsamkeitsliebende Ornithologen, die im Sommer im Auftrag einer australischen Universität monatelang hier hausten, um seltenen Vögeln beim Aussterben zuzuschauen.

Die Frauen hatten Feuerholz gesammelt,

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Weihnachtsgeschäft

Ein Konzert in Bielefeld. In der Oetkerhalle. Dr. Oetker war jemand, dem man nicht vorwerfen konnte, sein Geld verpulvert zu haben. Ganz im Gegenteil. Nach seinem Sohn Rudolf wurde die Halle benannt. Also nicht Rudolf-Halle, sondern Rudolf-Oetker-Halle. Es sind nur etwa 50 Kilometer bis Bielefeld, aber wir sind eher selten dort. Münster, dann mit ziemlich großem Abstand Osnabrück, na, wohl eher Enschede, dann Osnabrück, nein, Düsseldorf, dann Osnabrück und dann immer noch nicht Bielefeld. Dabei liegt Bielefeld am Teutoburger Wald, also für unsere Verhältnisse im Gebirge. Die Halle soll eine hervorragende Akustik haben, nicht nur deutschlandweit, sondern weltweit für ihren guten Klang berühmt sein. Es ist ein Gebäude aus den zwanziger Jahren, nach dem Krieg wiederaufgebaut und modernisiert. Wir sind selten in städtischen Theatern oder Konzertsälen, eher mal im Kino oder in im Theater am Wall, einem ehemaliges Kino, das zu einem Veranstaltungsort ausgebaut wurde. Uns beeindrucken also Räumlichkeiten, die eine großbürgerliche Eleganz ausstrahlen.

Das Publikum hat sich entsprechend gekleidet. Nein, einige haben sich so angezogen, als gingen sie zu einer Weihnachtsgala. Nicht dass Weiterlesen

Feuerlichkeiten (1)

Von Alexander Sharp, Illustrator. – The Project Gutenberg., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3206208

Da war nur ein Haus, dieses kleine Haus, gleich neben einer mächtigen schneebedeckten Tanne. Erste Zeilen, Bruchstücke von Liedern und Gedichten fielen mir ein.

„Von drauß vom Walde komm ich her…“.

Es schien Licht in dem Häuschen zu brennen,

„Still erleuchtet jedes Haus…“

Schnee, nun, was konnte der Schnee schon tun? Er rieselte natürlich leise. Doch es blieb nicht bei

„Scheeflöckchen, Weißröckchen“,

denn es begann stärker zu schneien, immer stärker, endlich tobte ein wahrer Schneesturm und das kleine Haus mit den heimelig erleuchteten Fenstern, gerade noch zum Greifen nahe, war kaum noch zu sehen und auch der Weihnachtsmann, der mit seinem Schlitten oben am Himmel seine Bahn zog, verschwand in den wirbelnden weißen Massen. Weiterlesen