John Edward Williams: Stoner

Francis Quadrangle mit Jesse Hall im Hintergrund

John Edward Willams Großeltern waren arme Kleinbauern, er studierte nach dem zweiten Weltkrieg englische Literatur, promovierte und unterrichtete an der Universität von Missouri. Williams Roman Stoner erschien 1965 und schilderte das Leben des William Stoners. Sohn armer Kleinbauern, der vor dem ersten Weltkrieg englische Literatur studierte und anschließend Professor an der Universität von Missouri wurde.

Soviel zu biografischen Bezügen in der Literatur. Jeder, der selbst schreibt, weiß, dass ihm das eigene Leben und Erleben immer wieder in die Texte gerät, ja, dass es eigentlich kein anderes Schreiben gibt. Nicht immer sind diese Bezüge allerdings so deutlich. Gut, die literarische Figur William Stoner ist nicht identisch mit John Edward Williams. Wie weit die Ähnlichkeiten gingen, kann wohl auch nur beurteilen, wer Williams kannte. Die Ähnlichkeit spielt für uns Leser allerdings weniger eine Rolle, die interessiert vielleicht den Literaturwissenschaftler, je nachdem, welche Theorie da gerade vorherrscht.

Der Roman ging nach seiner Veröffentlichung unter, erreichte kaum Leser, obwohl seine literarische Qualität in Fachkreisen schnell bemerkt wurde.  Erst die Neuausgabe im Jahre 2006, fast vierzig Jahre nach der Erstveröffentlichung, machte das Buch zu einem Erfolg.

Was erzählt Williams uns da eigentlich? Ein Mann hat ein literarisches Erweckungserlebnis und wird zum Lehrer. Ein weitgehend unspektakuläres, ruhiges Leben an einer Universität, Machtkämpfe, persönliches Glück und Unglück.

Alles ganz unspektakulär, aber alles ganz nah dran an diesem Mann, der mit einer großen Ruhe, fast möchte man sagen Naivität, sein Schicksal annimmt und nur manchmal, zu seiner eigenen Überraschung, so scheint es fast, dagegen rebelliert. Ein Jahrhundertwerk und makellos, so die Kritik nach der Wiederveröffentlichung.

Ich will mich nicht in die Reihe der Marketingstrategen einfügen, die Bücher verkaufen müssen, mir reicht es, dass ich das Hörbuch gern bis zum Ende gehört habe, was sicher auch an Burghart Klaußner lag, der den Text zum Klingen brachte.

Im Kino

Wir waren im Kino. In Warendorf. Die Leinwand ist kaum größer als das, was andere Leute inzwischen als Fernsehgerät im Wohnzimmer hängen haben. Einrichtung aus den siebziger Jahren, nein, nicht bei den Leuten mit den Großbildfernsehgeräten. Das Bild ist scharf, der Ton ist gut, gut genug. Kaum ist das Licht aus und die Werbung für die Tribute von Panem, den neuen Bond und die Fortsetzung der Starwars-Reihe durch, sind die Siebziger genauso unbedeutend wie die Gegenwart, denn „Der Staat gegen Fritz Bauer“ packt mich, packt uns ganz unmittelbar. Wer jedoch special effects, Verfolgungsjagden, Kampfszenen und Blut sehen will, ist hier völlig falsch. Ich weiß allerdings nicht, ob die Darsteller sich für die gefährlichsten Szenen des Films doubeln ließen – auf der Leinwand wird nämlich fast ununterbrochen geraucht!

Weder Action noch komödiantische Einlagen stehen auf dem Programm. Obwohl diese Hauptfigur, ganz hervorragend gespielt von Burghart Klaußner, zunächst einmal fast lächerlich antiquiert aussieht. Aber wir sind auch in den frühen sechziger Jahren, in der Adenauerzeit. In der Zeit, in der die Bundesrepublik streng nach vorn sah, weil der Blick zurück zu schmerzhaft war und viele auch gute Gründe hatten, so schnell wie möglich Grass über die Ereignisse und ihren eigenen Anteil daran wachsen zu lassen. Fritz Bauer wird Generalstaatsanwalt in Frankfurt und macht sich auf die Suche nach den untergetauchten NS-Größen. Dabei findet er allerdings kaum Rückhalt bei den staatlichen Institutionen, im Gegenteil, der Bundesnachrichtendienst, durchsetzt mit Altnazis, stellt ihm nach und versucht, ihn möglichst aus dem Amt zu drängen. Und dann ergibt sich die Chance, Adolf Eichmann zu stellen…

Ein fantastischer Film mit einem knarzigen Burghart Klaußner, mit vielen Details, die uns die Nachkriegsjahre vor Augen führen und mit einer Geschichte, an die wir uns erinnern sollten.