17 Uhr

Bis gestern gab ich mich noch der Illusion hin, dass sich keiner für mich interessiert. Ja, offen gestanden bedauerte ich das sogar. Nicht, dass ich gleich rich and famous hätte sein wollen. Ich bin ja bescheiden, reich zu sein hätte mir schon genügt, bis Kevin Kühnert mir und allen anderen Reichen oder zumindest potenziell Reichen, und das sind wir ja wohl alle, den Spaß am realen oder wenigstens virtuellen Reichtum vergällte. Aber ein wenig Ruhm, gut, wenigstens Aufmerksamkeit, wünschte ich mir schon. Heimlich. Damit ist es aus. Mit der Heimlichkeit. Also jetzt nicht, weil ich das gerade hier herausposaune. Ich weiß schon, welche Reichweite ich mit meinen Beiträgen erziele. Was also ist geschehen?

Ich war auf dem Heimweg, hatte ein paar Stunden gearbeitet und dann den Zug genommen. Übervoll. Nicht ich, der Zug. Unterwegs mit vielen anderen, die auch irgendwo hin wollten. Komisch, das überhaupt noch irgendwer da ist, wenn überhaupt alle immer gerade irgendwo hin wollen. Aber egal. Ich denke so vor mich hin, was manchmal hinderlich ist, wenn man ein Hörbuch hört, weil man eventuell nicht mehr weiß, ob es die eigenen Gedanken sind, die man da gerade denkt oder ob man Weiterlesen

Und Du nicht!

„Herrschaften… wenn ich dann mal um Ihre Aufmerksamkeit bitten darf? Das Fotomaterial für die neuen Kampagnen ist rein gekommen. Die ersten beiden Bilder liegen Ihnen vor?“

„Schon wieder zu wenig Kopien? Dann appelliere ich eben an Ihr hoch entwickeltes – zumindest aber hoch bezahltes – Vorstellungsvermögen! Das größere Bild zeigt eine uns freundlich zugewandte Dame… mmh… unbestimmten Alters, Sie wissen schon, Zielgruppe Geldanlage, sitzt auf einer Parkbank vor einer Wasserburg. Gräfte rechts, bisschen Natur links und mittig.

Das kleinere… da sitzt ein Rasta-Mann, ziemlich fertig, Bob Marley für Arme. An einen Baum gelehnt und in eine Decke gehüllt. Pappe unterm Popo. Kippe im Anschlag. Links im Bild noch ein PKW-Scheinwerfer. Tristesse. – Fragen, Herrschaften? Ideen?“

„Die Deutsche Bank Kampagne?

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