Bargfeld

arno 2

Foto: Elfie Voita

Er kann sich ja nicht mehr dagegen wehren, dass Menschen durch seinen Garten laufen, sein Haus betreten und schließlich sogar in seinem Arbeitszimmer stehen. Gemocht hätte er es nicht, ach was, er hätte es schlicht nicht zugelassen. Aber er kann es nicht mehr verhindern, er liegt draußen im Garten unter einem Findling, gemeinsam mit seiner Frau Alice. ARNO SCHMIDT. Anders dürfte man diesen Namen gar nicht schreiben. Jedes Mal, wenn ich eines seiner Bücher lese, wieder lese, erwischt er mich. Diese Sprache, dieser Humor, auch diese Haltung, letztlich aber doch die Sprache: Was für Sätze, was für Wörter. Ein Künstler, der sich seiner Kunst sehr wohl bewusst war. Und dessen Kunst doch fast schon vergessen ist. Nicht bei uns Alten, jedenfalls nicht bei denen, die ich kenne. Dafür sorge ich schon. Die Jungen hingegen? Vorwerfen kann man es ihnen nicht. Es ist nicht ihre Zeit, Weiterlesen

Stürenburg

Mechthild Großmann

 

Mechthild Großmann, Bild: Daniel Sadrowski

Mit Manfred Voita nach Nottbeck
Wir fahren zu einer Arno-Schmidt-Lesung.
Auf flachem Land.
Dort ragen die Wörter so.
Rainer Strobelt

 

Haus Nottbeck, das Museum für Westfälische Literatur, bietet zur Zeit die Sonderausstellung ‚Ich kann doch denken, was ich will!!!‘, die sich Arno Schmidt und Hans Wollschläger widmet, also gleich zwei großen Unbekannten. Die Arno-Schmidt-Stiftung, Bargfeld, fördert die Ausstellung und auch das Begleitprogramm. Irgendwer muss sich ja darum kümmern, dass Schmidt nicht vergessen wird, ich kann schließlich nicht alles alleine machen!

Nachdem ich die Eröffnungsveranstaltung mit Bernd Rauschenbach und Joachim Kersten verpasst hatte, nein, wir haben sie nicht gemeinsam verpasst, sondern ich habe die Veranstaltung verpasst, in der Rauschenbach und Kersten rezitierten, und Rainer Strobelt mich gefragt hatte, ob ich Lust auf die Lesung in Nottebeck hätte, stellte ich fest, dass genau das der Fall war.

Wie schon gesagt. Stürenburg. Das ist nicht die gewohnt expressionistische Sprache Schmidts, das sind nicht seine wütenden Attacken auf die Adenauer-Republik, das ist auch nicht sein avantgardistischer Umgang mit den Möglichkeiten der deutschen Sprache. Es sind kurze Texte. Vermessungsrat a.D. Friedrich Stürenburg, Mitte Siebzig, erzählt seinen Gästen kleine Anekdoten. Unspektakulär. Haus Nottbeck hat sich aber Mühe gegeben und Mechthild Großmann verpflichtet, die alle als Staatsanwältin aus dem Tatort Münster kennen. Wie das so ist mit dem Fernsehen, jeder kennt sie in dieser Rolle, eine Karriere außerhalb des Mediums wird kaum wahrgenommen.

Der Saal ist gut gefüllt, diesmal ist es der große Saal, nicht das Gartenhaus wie bei Jägersberg. Das liegt wohl eher an Frau Großmann als an den Herren Schmidt und Stürenburg, soll mir aber Recht sein. Walter Gödden, der wissenschaftliche Leiter des Hauses, im Hauptberuf Universitätsprofessor und Chef der Literaturkommission für Westfalen, nennt Schmidt einen der bedeutendsten deutschen Nachkriegsschriftsteller. Das musste auch mal gesagt werden, aber ich verkneife mir frenetischen Beifall. Frau Großmann beginnt zu lesen und es ist sofort klar, dass sie nicht nur eine markante Stimme besitzt, sondern eben auch, was heißt hier auch, Schauspielerin ist. Die Texte leben. Stürenburg wird lebendig und auch Hagemann, das Faktotum, kommt norddeutsch daher. Das Publikum ist amüsiert. Auch ich entdecke die Stürenburg-Geschichten neu für mich, habe extra darauf verzichtet, zuhause noch einmal in meine Ausgabe zu schauen. Natürlich gibt es Weiterlesen