Wasserfest (2)

von Dr. Botke (Dr. Botke, 1931) [Public domain], via Wikimedia Commons

Teil 1

Fortsetzung

„Keine Chance, die neuen Ergebnisse stehen schon im Internet, auf unserer eigenen Homepage. Die Jungs vom Labor waren einfach zu schnell.“ Koldings Gesichtsfarbe legte nahe, dass die Bakterien bei ihm schon wüteten.

„Vielleicht merkt’s ja keiner.“ versuchte der Journalist zu trösten.

„Und wir infizieren die gesamte Festgesellschaft einschließlich Minister am Festbrunnen. Schönen Dank für den guten Rat.“

„Und was ist mit der B-Probe?“

Fehn, die rechte Hand des Geschäftsführers, mischte sich ein. „Der Herr Journalist: immer gut für einen wohlklingenden völlig haltlose Tipp. B-Probe! Wir buchen einfach Erik Zabel, der unter Tränen gesteht, dass er an allem schuld ist, alles ist vergeben und vergessen. Mann, das hier ist ein Wasserwerk und nicht die Tour de France!“

Janssen war nicht beleidigt. Das mit Erik Zabel klang doch eigentlich ganz plausibel. Das wäre schon was fürs Fernsehen. Die Niedersachsen-Rundschau auf NDR III.

Kolding versuchte nicht mal ein Lächeln. Weiterlesen

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Heute auf dem Kreuzweg

Graham Crumb/Imagicity.com [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Ich lass sie zappeln.

Sollen sie doch denken, ich hätte es vergessen.

Oder hätte was Besseres vor. Mein Altpapier nach Formaten sortieren. Die Seiten meines Collegeblocks vorsorglich mit Lochverstärkungsringen ausstatten. Die Stacheln unserer Kakteen mit Schutzhäubchen versehen.

Aber dann, kurz vor achtzehn Uhr, wenn sie sich schon freuen, dass ich nicht da war, dann komme ich, gebe meine Stimme ab und entscheide die Wahl.

Wasserfest (1)

Teil 1

Von Ralf Lotys (Sicherlich), CC-BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39184831

„Wozu braucht ein Land, in dem schwarzweiße Kühe Schwarzbunte genannt werden, überhaupt Farbfernsehen?“ fragte sich der freiberufliche Journalist Habbo Janssen, während er seinen Buckelvolvo die schmale Allee entlang in Richtung Georgenholz lenkte. Händels Wassermusik plätscherte leise aus den Lautsprechern. Links erhob sich der Deich, rechts gaben die Bäume immer wieder den Blick auf eine Landschaft frei, die begründeten Zweifel daran wecken mochte, dass die Erde eine Kugel ist. Hier jedenfalls war sie so flach wie die meisten Ostfriesenwitze, so flach, dass sogar die Umgangssprache als Platt bezeichnet wurde.

Der Hammrich, wie die endlose Weidefläche genannte wurde, glänzte in sattem Grün. Träge drehten sich die Flügel einer Windmühle weit hinten am Horizont. Nur der leichte Regen störte das perfekte Touristenidyll. Weiterlesen

Ein Subkontinent als Filmstar

Mittwochabend. Kino in Warendorf. Der Film läuft schon seit einer Woche. Vermutlich hat man im kleinen Kino schon nicht mehr geglaubt, dass noch jemand den Film sehen will. Wir sind zunächst allein in dem Saal, in dem vorn neben der Leinwand ein großer alter Projektor steht. Ja, die gute alte Zeit, in der noch die Wochenschau vor dem Hauptfilm die Funktion einer Nachrichtensendung übernahm, weil es sonst keine bewegten Bilder zu sehen gab. Wochenschaubilder sind auch Teil des Hauptfilms: Der Stern von Indien. Die guten alten Zeiten waren nicht nur bei uns nicht gut, sie waren es auch in Indien nicht. Wieder bin ich überrascht von meiner eigenen Ahnungslosigkeit. Klar, Indien war mal britische Kolonie. Gandhi, Nehru… ja, erkenne ich an der Kleidung.

Der Film beginnt mit einem Satz: Die Sieger schreiben die Geschichte. Die Regisseurin Gurinder Chadha hat sich ganz offensichtlich das Ziel gesetzt, diese Geschichtsschreibung, in dem Fall die britische Lesart der indisch-pakistanischen Geschichte, zu ergänzen, zu korrigieren. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich hier erzähle, dass am Ende des Films zwei Staaten entstanden sind: Indien und Pakistan.

Wie dramatisch diese Teilung abläuft, welche Folgen das für Millionen von Menschen hat, das zeigt der Film sehr eindrucksvoll, ohne zu einem Kriegsfilm, einem Katastrophenfilm zu werden. Wochenschaubilder aus dem Jahre 1947, schwarzweiß, zeigen die Zerstörungen und Weiterlesen

LINDNER FIRST, INHALTE SECOND

DIGITAL FIRST, BEDENKEN SECOND

las ich auf einem FDP-Wahlplakat. Da geht doch mehr, das ist doch ausbaufähig. Wie wäre es denn mit:

MACHEN FIRST, ÜBERLEGEN SECOND

SAUFEN FIRST, FAHREN SECOND

QUATSCHEN FIRST, DENKEN SECOND

AMERICA FIRST… ach nee, das war Donald Trump.

 

Ach so, meine Begeisterung geht nicht so weit, dass ich Christian Lindners traurige Augen – weiß er schon mehr über den Wahlausgang? – auf meinen Seiten ertragen kann.

Eifeltour (2)

Großes Schlitzohr
– eigenes Foto –

1910 war die Bahnstrecke zwischen Daun und Bernkastel-Kues fertig, 2001 wurde sie stillgelegt. Überall im Land geschieht so etwas und seit ein paar Jahren werden alte Bahntrassen für den Radverkehr umgebaut. Es fährt sich gut auf diesen Wegen, gerade der Maare-Mosel-Radweg hat einige Attraktionen zu bieten: mehrere Tunnel, einer davon weit über 500 Meter lang, Viadukte und eine abwechslungsreiche Landschaft. Wenige Anstiege, sanfte Abfahrten, auch sportlich nicht ambitionierte Fahrer kommen hier gut zurecht.

Vulkaneifel heißt die Gegend, durch die wir fahren. Elftausend Jahre ist es her, dass es hier zu Vulkanausbrüchen kam, geologisch betrachtet also gerade eben. Der Vulkanismus in der Eifel gehört keineswegs der Vergangenheit an, auch größere Ausbrüche sind durchaus möglich. Wir wollen uns natürlich eines der Maare ansehen. „800 m“ steht auf dem Hinweisschild. So lernen wir, dass 800 Meter nur eine sehr grobe Schätzung sind, die tatsächliche Entfernung kann auch schon mal ein paar Kilometer betragen, wenn man nicht den gesperrten Weg über ein Flugplatzgelände nehmen möchte. In der Folge lassen wir uns auf keine Wege mehr ein, bei denen Weiterlesen

Möglicherweise sieben, diese aber nicht

Foto: Manfred Voita

 

 

Wann treffen wir drei wieder zusamm?

Um die siebente Stund‘, am Brückendamm.

Am Mittelpfeiler.

Ich lösche die Flamm.

Ich mit

Ich komme vom Norden her.

Und ich vom Süden.

Und ich vom Meer.

Hei, das gibt einen Ringelreihn,

Und die Brücke muß in den Grund hinein.

Und der Zug, der in die Brücke tritt

Um die siebente Stund’?

Ei, der muß mit.

Muß mit

Tand, Tand

Ist das Gebilde von Menschenhand!

Auszug aus Theodor Fontane: Die Brück’ am Tay