Anfassen verboten

Von Cent9 – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26354898

Wieder einmal greife ich auf einen älteren Text zurück, der unbeachtet und vergessen in den Tiefen des Netzes schlummerte. Also, Fanfaren, Tusch und was sonst noch dazu gehört:

Anfassen verboten

Natürlich ist unser Haushalt perfekt organisiert. Finden wir. Oder eigentlich ich. Weiterlesen

Enschede, Wilmink & Textilgeschichte

Komisch, wie nah und wie fern eine Stadt einem doch sein kann. Nah, weil Enschede, das ist die niederländische Stadt, um die es hier geht, gerade einmal 100 Kilometer von Warendorf entfernt liegt. Fern, weil ich, obwohl wir so oft dort waren, so wenig über diese Stadt weiß. Naja, jetzt weiß ich natürlich gerade mal wieder etwas mehr, weil wir, wie so oft, ein paar Stunden dort verbracht haben.

Enschede, von Willem Brakman als  ‚het onlieflijke stadje‘ (die unliebliche Stadt) bezeichnet, ist nicht schön, keine dieser putzigen niederländischen Städte, die eine kuschelige Mischung aus siebzehntem Jahrhundert und Coffeeshop zu sein scheinen. Weiterlesen

Verstimmt

Und noch einmal ein Beitrag aus dem Jahr 2015. Da gerade wieder Wahlen anstehen, hat er vielleicht noch ein wenig Aktualität.

Von CDU – Diese Datei wurde Wikimedia Commons freundlicherweise von der Konrad-Adenauer-Stiftung im Rahmen eines Kooperationsprojektes zur Verfügung gestellt.Deutsch | English | français | македонски | русский | +/−, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30246831

 

Die ganz große Koalition – bestehend aus allen im Bundestag vertretenen Parteien und auch denen, an die wir uns gerade noch erinnern können – lauschte ins Land hinein: Und hörte nichts. Wo waren sie geblieben, die Stimmen derer, die sonst so bereitwillig gewählt hatten, was ihnen als alternativlos angeboten, vielleicht sogar angedroht worden war?

Da blickten die Volksvertreter kurz von ihren wohlgefüllten Futtertrögen auf und fragten sich, was… nein, nicht was das zu bedeuten hätte, sondern was man dagegen tun könne. Dem Generalsekretär der christlichsten aller Parteien erschien die Zurückhaltung der Wählerschaft als ein Vertrauensbeweis, als ein Zeichen dafür, dass man alles ganz genau so haben wolle, wie es sowieso bleiben würde. Weiterlesen

Von Hunden lernen

Conrad von Soest [Public domain], via Wikimedia Commons

Wie klug die Welt doch eingerichtet ist und wie schön die einzelnen Ereignisse, Menschen und Tiere miteinander wirken, um die seltsamsten Erkenntnisse hervorzubringen.

Gestern saß ich am Tisch und sprach mit meiner Frau, als ich, ich weiß nicht warum, meine Brille abnahm und vor mir auf den Tisch legte. Sogleich spürte ich, dass da etwas in meinem Auge, genauer in meinem Augenwinkel saß, etwas, das dort nicht hingehörte. Behutsam strich ich mit dem Zeigefinger über die besagte Stelle und fand sogleich einen unförmig großen Brocken, den ich leicht entfernen konnte und vor mir auf den Tisch fallen ließ. Ein Stück Kunststoff und Metall. Ein Pad, wie ich inzwischen weiß, von denen zwei dafür sorgen, dass die Brille ordentlich sitzt und nicht zu sehr auf die Nase drückt.

Folglich musste ich zum Optiker, kam aber nicht gleich an dran, Weiterlesen

Ey, Dix!

von Frank Vincentz (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Was brachte den Sachsen Otto Dix nach Düsseldorf? Offenbar war er in Dresden wirtschaftlich nicht sehr erfolgreich, Conrad Felixmüller, ein Malerkollegen aus Dresden, vermittelt ihm den Kontakt zur  Düsseldorfer Avantgarde-Gruppe Junges Rheinland – und empfiehlt ihn bei Johanna Ey. Und wenn ich auch über Otto Dix schreiben will, ich muss von Johanna Ey erzählen.

Mitte Vierzig ist sie, geschieden, 12 Kinder hat sie zur Welt gebracht, von denen 8 gestorben sind – und nun nimmt sie ihr Leben in die Hand. Weiterlesen

Otto Dix

By Leoni1234 [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

„Der böse Blick“, eine Otto-Dix-Ausstellung, ist noch bis zum 28.05. im K20 in Düsseldorf zu sehen.

Es ist durchaus interessant zu wissen, was diese Ausstellung nicht ist und was Otto Dix nicht war. Beides war mir nicht so klar, wie ich es hier gern behauptet hätte.

Erstens ist es keine Gesamtschau seines Werks, gut, das wäre auch eine sehr große Veranstaltung geworden. Gezeigt werden Arbeiten aus  seiner Düsseldorfer Zeit, die vom Herbst 1922 bis zum November 1925 währte. Das ist ein Ausschnitt seines Werks, aber dieser Ausschnitt ist faszinierend genug, groß genug, um Stunden mit diesen Bildern zu verbringen.

Zweitens, und das war für mich überraschender und ich hätte es besser wissen können, ist Dix kein Pazifist gewesen oder geworden, seine Bilder, soweit sie den Krieg thematisieren, sind keine Antikriegsbilder, sondern es sind Bilder vom Krieg, so, wie sie nur ein Kriegsteilnehmer schaffen konnte. Weiterlesen

Manche zählen, andere werden gezählt

Und wieder ein kleiner Text aus dem Jahr 2015, also aus der Anfangsphase meiner Versuche, die Welt in meine Schublade schauen zu lassen.

Philipp von Württemberg [Public domain], via Wikimedia Commons

Manche zählen, andere werden gezählt

Nachdem die Nachrichtenredaktionen endlich konsequent den Lehrsatz „Hund beißt Mann ist keine Nachricht“ umgesetzt hatten und folglich Stellungnahmen wie „Der stellvertretende Vorsitzende der Regierungspartei begrüßte die Rede der Kanzlerin….“ oder „Der Oppositionsführer kritisierte die Rede der Kanzlerin als…“ einfach entfielen, kam es zu Zusammenrottungen von Politikern, die randalierend durch die Berliner Innenstadt zogen.

Die Veranstalter schätzten die Zahl der Teilnehmer auf einige Millionen, die Polizei auf rund 500. Wahrscheinlich lässt sich die Differenz durch die Idee der repräsentativen Demokratie erklären, die sich in den Politikerköpfen besonders verfestigt hat.