Bettgeschichten

Von Autor unbekannt – Selbst fotografiert, Caroline Léna Becker, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=29281170

Ich schätze diese Schlafphasen, die eigentlich keine richtigen sind…

Später: Wie das so ist, wenn ich einfach so etwas erzählen will, kommt mir meine Ahnungslosigkeit in die Quere und fordert sofortige Maßnahmen, um vor anderen nicht als der Depp dazustehen, der ich nun mal bin. Früher, als mir das Internet noch nicht zur Verfügung stand, griff ich in solchen Fällen zu meinem zwanzigbändigen Lexikon, dem Stolz meiner frühen Jahre, und blätterte, blieb irgendwo hängen, las einen Artikel über ein Land, von dem ich noch nie gehört, oder eine Krankheit, von der ich wünschte, nie gehört zu haben, vergaß, was ich wollte und ging zufrieden meinen Alltagsgeschäften nach.

Jetzt muss ich mit dem Wissen, dass sich ein paar Anschläge entfernt jenseits meines Monitors türmt, leben, kann es nicht ignorieren, bin aber selten willens, mich angemessen damit auseinanderzusetzen. Es bleibt also bei einer schnellen oberflächlichen Erkundung, die, vergliche man sie mit einem Universitätsstudium, etwa dem Öffnen der Tür zur Hörsaal entspräche. Das nur, um meine gerade erworbenen Kenntnisse richtig einzuordnen.

Später: Ich habe es ausprobiert, hat aber nicht geklappt. Vielleicht, weil ich den Text nicht richtig gelesen habe. Weder von Anfang an noch bis zum Schluss. Zwischendrin war auch ein Link, dem ich folgen musste, sodass ich eigentlich nicht mal richtig weiß, worum es ging.

Schlafphasen also. Wie die meisten Menschen erinnere ich mich nur selten an meine Träume und wenn, dann sind es Träume, die es gerade noch ins Bett geschafft haben, bevor ich aufstehen wollte, die also fast schon mit einem Bein auf dem Boden des Schlafzimmers, zumindest aber auf dem Boden der Tatsachen geträumt wurden. Träume, die wie eine Seifenblase im Raum stehen, zerplatzen und spurlos verschwinden. Meistens. Wenn sie nicht an irgendeinem Häkchen des Bewusstseins hängen bleiben, wie der Fetzen einer Hose am Stacheldraht. Hypnopomp hat Frederic W. H. Myers diese Träume genannt, die vielleicht sogar noch das Klingeln des Weckers integrieren und den Duft des Kaffees.

Von so einem Traum wollte ich erzählen, als mir wie schon gesagt das Internet in die Quere kam. Wenn ich so weiter mache, vergesse ich noch ganz, was das für ein Traum war, aber ich kann ja nicht vom Aufwachen schreiben und das Einschlafen vernachlässigen, denn auch da gibt es einen spannenden Bewusstseinszustand, die Hypnagogie.

Man kennt das, noch sind das Denken klar und die Füße kalt. Oft beschäftigt mich dann ein Problem aus einem Text, an dem ich gerade schreibe oder den ich schreiben will und manchmal ist dann plötzlich eine Idee da, wie hochgespült und ich denke noch, ja, so geht das und das werde ich gleich morgen früh aufschreiben. Meistens erinnere ich mich am anderen Morgen noch daran, dass ich etwas aufschreiben wollte, aber an mehr auch nicht. Doch weiter. In diese Phase, in der das bewusste Denken schon abbremst und gleich die Gedankenautobahn verlassen wird, tauchen unsortierte Eindrücke auf. Halluzinationen, die in einem Moment noch als seltsame Wahrnehmung erlebt werden, im nächsten schon ohne Zuschauer stattfinden.

Einmal also ist die Kontrolle noch da, zuckt das Bein oder der Arm und man fragt sich, was man sich da gerade für einen Scheiß zusammendenkt, während man doch über einen Dialog oder den Vornamen eines früheren Kollegen nachdachte, im nächsten Moment rutscht man in eine tiefere Schlafphase und vergisst sich und die  Welt. Es sei denn, man beherrscht die Techniken des Klarträumens, die es ermöglichen sollen, den Körper einschlafen zu lassen und bei vollem Bewusstsein zu träumen, den eigenen Träumen also zuzuschauen wie einem Film, den man sich nicht ausgesucht hat. Gestern Abend habe ich das selbstverständlich gleich mal ausprobiert, den ganzen Film aber leider verschlafen.

So, endlich ist es soweit: Mein hypnopomper Traum also, vorgestern, bevor das Frühstück rief.

Ich, erzähltechnisch bevorzuge ich in Träumen immer diese Perspektive, beschäftigte mich mit Schuppen, diesem weißen Zeugs, dass dunkle Anzüge erst richtig dunkel aussehen lässt und die sich als Gesprächsthema auf der Geburtstagsfeier des Chefs überhaupt nicht eignen, selbst dann, wenn – aber ich will das nicht vertiefen. In meinem Traum gab es nämlich einen Fachterminus für diese abgestorbenen Kopfhautteilchen und während ich darüber schreibe, beginnt mein Kopf auch schon zu jucken.

Manen hießen sie und als ich dann aufwachte, war ich fest davon überzeugt, dass das ein eingeführter Begriff sei. Während andere also nächtens Sex und Geld im Kopf haben, habe ich den Kopf voller Schuppen und erwache mit fake news, mit einem zusammengeträumten Fachwort, das ich bestimmt demnächst beim Frisör, von dem ich sicher auch bald mal träumen werde, ganz unbeabsichtigt fallen lasse.

Manen sind, das habe ich natürlich auch geprüft, römische Toten- oder Umweltgeister, die sich beschwichtigen lassen, indem man ihnen eine Ziege opfert. Ob das allerdings auch gegen Schuppen hilft, wage ich zu bezweifeln.

2 Gedanken zu “Bettgeschichten

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