Ein Gutschein für Tante Emma

Thomas photography, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Common

Armin Laschet hat uns alle dazu aufgerufen, Gutscheine örtlicher Unternehmen zu verschenken, statt bei großen Konzernen zu kaufen, die in Europa keine Steuern zahlen. Dazu sind ein paar Anmerkungen notwendig. Die erste, ganz spontane: Hallo, sind wir das, wir Konsumenten, die dafür verantwortlich sind, dass Amazon, denn auf Amazon zielt Herr Laschet ja, keine oder kaum Steuern zahlt? Ich hatte bis gerade noch gedacht, dass das eine Aufgabe der Politik sei. Schauen wir doch mal, ah ja, da war doch was: Frankreich erhebt eine Digitalsteuer. Komisch, wieso nur Frankreich?

Weil Deutschland, also Frau Merkel, zwar Herrn Macron versprochen hat, die Besteuerung der Internetgiganten anzugehen, also auf der europäischen Ebene eine gemeinsame Lösung zu finden, dann aber wurde Herr Scholz losgeschickt, um auf genau dieser europäischen Ebene diese Lösung zu verhindern. Der übliche Weg.  

Deutschland hat nämlich kein so großes Interesses an dieser Steuer, weil die Amerikaner möglicherweise verärgert waren und dann mit Steuern auf unsere Exporte reagieren könnten. Exporte. Wenn es etwas gibt, das uns heilig ist, dann unser Export. Damit verdienen wir Geld. Also nicht wir, schon die deutsche Wirtschaft und zwar richtig. Da kann der Einzelhandel nicht mithalten. Zumal der ja eher den Import ankurbelt, Zeugs, das in China hergestellt wird, wie Handys, Kameras, Spielekonsolen. Oh, betreibt der Kandidat um den Vorsitz der Union etwa Exportförderung für China?

Also noch mal: Man kann, wenn man will, eine europäische Lösung finden. Will man aber nicht. Dann macht das Frankreich eben allein. Als nächstes beklagt man, dass Amazon keine Steuern zahlt und ruft zum Boykott auf.

Ob ein Boykottaufruf rechtlich zulässig ist, wäre zu prüfen, mir aber in diesem Falle egal. Ich denke, dass Amazon das schon selbst prüfen wird. Der Aufruf, nicht im Netz zu kaufen, träfe allerdings auch viele einheimische Unternehmen, die ihre Produkte eben nicht mehr nur stationär, sondern über Onlineshops oder direkte über Amazon vertreiben. Ob Herr Laschet das mitbedacht hat? Und wo überhaupt bekomme ich meine Gutscheine, wenn die Läden ab morgen dicht sind? Online vielleicht? Oder alle noch heute? Ach nein, die basteln wir selbst, schön am PC mit Cliparts und lustigen Schriftarten, kostet auch nichts und bis die Läden wieder öffnen dürfen, sind die Dinger auch längst vergessen. So machen wir anderen eine Freude, schonen unser Budget und wischen bei der Gelegenheit gleich auch China noch einen aus.

7 Gedanken zu “Ein Gutschein für Tante Emma

  1. Man muss aber dazu sagen, dass Frankreich die Digitalsteuer zwar beschlossen hat, sie aber tatsächlich bis auf Weiteres nicht erhebt. Und Großbritannien, wo man eine solche Steuer tatsächlich erhaben hat, schafft sie gerade wieder ab. –
    Dass Amazon keine Steuern in Deutschland zahlt, ist eine immer wiederaufgewärmte Legende. Tatsächlich hat das Unternehmen 2019 1,4 Milliarden Euro an Lohnsteuer und Mehrwertsteuer abgeführt, dazu viele Millionen Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer. Die gezahlten Beträge zu den Sozialversicherungen dürfen auch nicht vergessen werden.
    Ich habe eine Zeitlang als Mini-Händler Bücher über Amazon verkauft und mich immer geärgert, wie viel an Steuern von meinem Mini-Gewinn Amazon abgeführt hat …

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    • Ja. Es wird allerdings kritisiert, dass Amazon nicht transparent darlegt, welchen Anteil die SV-Beiträge ausmachen, die ja auch mindestens zur Hälfte von den Beschäftigten gezahlt werden. Dass Amazon wenig Steuern zahlt, weil es auch in Deutschland stark expandiert, kann man nicht als verwerflich bezeichnen, eher schon die weltweite Steuerkonkurrenz, die wenigen nützt.

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      • Ja transparent ist das ganze nicht. Und schon die kleinen Steuerabrechnungen, die mir Amazon in meiner Zeit als MiniMini-Händler geschickt hat, waren vielleicht für Berater im internationalen Steuerrecht verständlich, für mich aber überhaupt nicht …

        Gefällt 1 Person

  2. Habe schon vor Jahr und Tag mein Amazon-Konto gekündigt – nicht weil ich als Kunde unzufrieden war (im Gegenteil), auch nicht wegen der (undurchschaubaren) Steuern, sondern um (Mücke sticht Elefant) denen mal zu zeigen, dass sie so mit ihren Mitarbeitern nicht umgehen können. Vor mir bekommt also niemand einen Amazon-Gutschein.

    Gefällt 3 Personen

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