Ich glaub, ich steh im Wald

Ich glaub, ich steh im Wald

Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre steigt weiter und das ist keine gute Nachricht. Was könnte man denn da tun? Den Ausstoß von CO2 verringern? Na ich weiß nicht, da müsste man doch entweder über unseren Konsum nachdenken und nicht nur nachdenken oder aber die CO2-Produzenten müssten ihren Ausstoß verringern, was technischen Veränderungen, also Investitionen, erforderlich macht. Das wäre allerdings wirklich lästig.

Es gibt aber einen Weg, der viel besser ist. Diejenigen, die viel CO2 an die Umwelt abgeben, verrechnen das mit denen, die wenig CO2 abgeben. Das nennt man Emissionshandel. Im Ergebnis ist natürlich nicht weniger CO2 in der Atmosphäre, es ist nur Geld von A zu B geflossen. Die Idee des Emissionshandels besteht darin, dass die zu handelnden Zertifikate, also Verschmutzungsrechte, verknappt und damit immer teurer werden, so dass irgendwann die Veränderung der Technik günstiger ist als der Preis der Verschmutzung.

Jetzt kenne ich unsere Wirtschaft nicht erst seit gestern und kann schon mal zuverlässig voraussagen, dass, wenn es soweit kommen sollte, der Zusammenbruch der Güteversorgung, mindestens Hunger und vielleicht sogar keine neuen Autos mehr drohten, wenn nicht sofort der Staat mit Subventionen einspringen oder aber Ausnahmegenehmigungen erteilen würde. Beim Strom machen wir längst ähnliches. Die großen Verbraucher bekommen Rabatte, letztlich mit dem Erfolg, dass sie Strom eben nicht einsparen müssen.

Nun aber zum Anlass dieses Textes. Während ich meinen Koch-, Putz- und sonstigen Aufgaben nachkomme, die dafür sorgen, dass meine Tage nicht nutzlos vergehen, höre ich gern mal Radio. Deutschlandfunk. WDR5, textlastiges Zeugs halt. Und da höre ich, dass Unternehmen, ich weiß nicht mal welche, große eben, dafür zahlen, dass der Wald in Indonesien nicht abgeholzt wird (in einem der Texte, die ich gerade dazu las, wird als Beispiel ein Zementwerk in Erwitte genannt, dass für den Wald im Amazonas zahlt). Nun wissen wir, dass Wälder und Moore wichtige CO2-Speicher sind und haben auch schon davon gehört, dass es Institutionen gibt, die zum Ausgleich für die durch den Luftverkehr entstehenden Belastungen Bäume pflanzen. Flugreise steigert CO2-Ausstoß. Baum speichert CO2. Wenn das konsequent gemacht würde, stiege zumindest nicht die Konzentration in der Atmosphäre.

Die Wälder in Indonesien sind aber schon da. Die speichern schon. Die Industrie zahlt bzw. kauft sich Verschmutzungsrechte und dafür pustet sie CO2 in die Luft, während der Wald schon da ist und jetzt nicht mehr CO2 speichert, als er das schon bisher tat. Im Ergebnis wird also wohl mehr CO2 in der Atmosphäre angereichert. Gezahlt wird dafür, dass die Wälder nicht abgeholzt oder nicht abgefackelt werden. Da geht doch was. Alle vorhandenen CO2-Speicher sind gefährdet, mehr oder weniger. Also können wir dafür zahlen, dass sie erhalten werden und dafür CO2 ausstoßen. Gezahlt wird für die Minderung der Entwaldung. Das Konzept dafür heißt REDD bzw. REDD+ und lässt sich im Netz leicht finden. Emissionsminderungen im Süden, allgemeiner: in den weniger entwickelten und waldreicheren Ländern, können in den reichen und schmutzigen Staaten angerechnet werden.

Es rettet die  Welt nicht, es rettet die indigenen Völker nicht, die den Wald nutzen. Aber es hilft den Unternehmen, die mit gutem Gewissen weiterhin CO2 abgeben können. Sie haben bezahlt und irgendwo bleiben Bäume stehen. Bezahlt wird nicht für eine tatsächliche Verminderung des CO2-Ausstoßes bzw. eine größere Speicherung, sondern dafür, dass Wald nicht vernichtet wird. Wir werden immer besser darin, die Welt zu retten, indem wir einfach Geldströme umleiten. Es wird nichts sauberer, aber wenigstens hat irgendwer daran verdient.

6 Gedanken zu “Ich glaub, ich steh im Wald

  1. Lieber Manfred, mit wenigen Worten hast du einen Sachverhalt schlüssig und sehr gut nachvollziehbar dargestellt. Nur auf den ersten Blick handelt es sich hier um eine gute Tat. Wahrscheinlich sogar nur bei einem ersten sehr flüchtigen Blick. Dein Text zeigt sehr gut, woran es bei dieser ganzen Systematik krankt.

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