Grundlose Freude

Grundlose Freude

„Ik werk in een kringloopwinkel en zie ertegenop om over het dragen van een mondkapje in discussie te moeten met asociale klanten die we helaas soms hebben.“

„Ich arbeite in einem Sparsamkeitsladen und freue mich darauf, mit asozialen Kunden eine Mundkappe zu tragen, die wir leider manchmal haben. Was soll man tun?“

Diese beiden kleinen Texte fand ich zu meiner großen Freude bei Facebook. Es wird sehr schön deutlich, was eine automatische Übersetzung so leisten kann und was nicht.

Der untere Text besteht aus zwei makellosen deutschen Sätzen. Der zweite erschließt sich augenblicklich, auch wenn er mit „Was soll ich tun?“ angemessener übersetzt wäre. Der einleitende Satz hat es aber in sich. „Ich arbeite in einem Sparsamkeitsladen“ ist schon recht frei übersetzt, der Kreislaufladen hätte nähergelegen. Gepasst hätte halbwegs Secondhand-Laden, wobei die Kringloop-Läden in den Niederlanden die Waren nicht in Kommission nehmen. Alle abgegebenen Gegenstände werden nicht an den Kringloop verkauft, sondern verschenkt. Dafür werden die Sachen preiswert wieder abgegeben. Im Laden arbeiten oft Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt kaum Chancen haben. Die Kundschaft besteht keineswegs nur aus Menschen, die auf Billigware angewiesen sind, denn im Kringloop finden sich oft echte Schnäppchen.

Okay, ich habe etwas weit ausgeholt. Sparsamkeitsladen beschreibt die Idee, wenn ich es mir recht überlege, doch nicht so schlecht, weil die Idee dieser Läden auch darin besteht, die Verschwendung von Rohstoffen zu vermindern, also Ressourcen zu sparen.

Gut, den Sparsamkeitsladen kann man zwar nicht durchgehen lassen, die Übersetzung ist aber nicht völlig sinnentstellend. Dass sich die Person, die den Text verfasste, darauf freut, mit asozialen Kunden eine Mundkappe zu tragen, die man dort leider manchmal hat, ist hingegen grob daneben. Leider hat man dort nicht manchmal Mundkappen, sondern gelegentlich leider asoziale Kunden. Und man freut sich erst recht nicht darauf, mit diesen asozialen Kunden eine Mundkappe zu tragen. Wie muss ich mir das vorstellen? Tandemmundkappen?

In der Übersetzung ist etwas ganz unter den Tisch gefallen und zudem ein völlig neuer Sinn entstanden. Im Original hat jemand keine Lust, mit asozialen Kunden, die man dort leider manchmal hat, über die Mundkappen zu diskutieren. Ein kleiner, aber nicht unerheblicher Unterschied zur automatischen Übersetzung.

22 Gedanken zu “Grundlose Freude

  1. Ist es nicht schon asozial, andere als asozial zu betiteln. Und ist man automatisch asozial, wenn mal darauf angewiesen ist, dort zu kaufen? Gibt es nicht auch in Boutiquen “ asoziales“ Verhalten? Ich darf mitreden. Ich habe mein Leben lang im Einzelhandel gearbeitetUnd weiss, das weder Grld noch Intelligenz aus einem Menschen einen Menschen macht. Aber ja, die Übersetzungen lassen zu wünschen übrig.

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    • Menschen sind jederzeit fähig und leider oft auch Willens, ihren Frust an ihrer Umgebung auszulassen und Verkaufspersonal kriegt das häufiger ab. Busfahrer oder Rettungssanitäter trifft es auch zunehmend. Das lässt sich auch nicht einfach verbieten, da werden wird wohl mal als Gesellschaften – denn es ist ja kein niederländisches oder deutsches Phänomen – nach den Ursachen schauen müssen.

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  2. Ich erinnere mich an die frühen Zeiten von „Babelfisch“. Wenn man sich schibbelig lachen wollte, musste man dort nur ein Textlein eingeben. Was besonders gut kam, waren die übersetzten Eigennamen. – Google Translate z.B. ist meiner Erfahrung nach inzwischen so gut, dass es fast unheimlich ist und für die Zukunft der Übersetzer fürchten lässt – von literarisch hochwertigen Texten mal abgesehen. Wenn ich beruflich etwas übersetzen musste, habe ich mehr als einmal mir Arbeit erspart, indem ich einen Text bei Google eingegeben und dann nur noch überarbeitet habe.

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    • Die Richtung Deutsch – Englisch scheint besser zu funktionieren. Die Zeiten, in denen maschinelle Übersetzungen grottenschlecht waren, sind zum Glück vorbei. Das Beispiel zeigt aber, dass es nicht schaden kann, das Ergebnis noch einmal zu prüfen und vielleicht eine zweite Übersetzung zu versuchen.

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      • Eine Nachbearbeitung der Übersetzung ist auf jeden Fall empfehlenswert. Ich hätte auch nicht den Nerv, etwas maschinell in eine Sprache übersetzen zu lassen, die ich nicht einigermaßen beherrsche. Früher kamen mir manchmal Gebrauchsanweisungen oder Bedienungsanleitungen in die Finger, die vom Computer übersetzt waren. Es war fast unmöglich, daraus schlau zu werden.

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  3. „Ik werk in een kringloopwinkel….“ hätte ja auch als Kreislaufladen übersetzt sein können.
    Wer in einem Geschäft arbeitet, das gespendete Dinge für wenig Geld an weniger betuchte Menschen verkauft, und diese Menschen als asozial bezeichnet, sollte mal im Lager nachschauen, ob es dort einen gespendeten Spiegel gibt, und lange hineinblicken.
    Oder eine Schild an die Ladentüre hängen:
    „KLANTEN ZIJN HIER VERVELEND!“ (Kunden nerven hier.)
    Hartelijke groeten!

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    • Anzumerken wäre vielleicht, dass die niederländische Verwendung des Wortes asozial nicht ganz der in Deutschland üblichen entspricht. Auch unsoziales Verhalten wird mitgemeint, während asozial im Deutschen ein Schimpfwort ist. Trotzdem hast du natürlich recht. Auch wenn man in dieser Art von Läden ein anderes Publikum haben mag, laut und lästig sind manche Kunden auch in anderen Geschäften und zwar völlig unabhängig von ihrer Kaufkraft.

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  4. Wenn uns das Lachen vergangen sein wird vor lauter Suchen und Seuchen, dann zaubert wenigstens die künstliche Intelligenz uns eines auf die gestressten Bäckchen. Das Leben, gut wie nie, dank KI.

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  5. Ich bin enttäuscht! Ich habe den Text mit Google ins Portugiesische übersetzten lassen, dann Polnische, ins Ungarische, ins Vietnamesische, ins Japanische und zurück ins Deutsche. Und habe gehofft, es würde ein riesiger Unsinn dabei rauskommen. Tat es aber nicht. Das Resultat war passabel. Vor einigen Jahren wäre eine Lachnummer dabei herausgekommen. Jetzt nicht mehr. Schade…

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    • Stimmt. Viele Übersetzungen sind inzwischen richtig gut. Das gilt übrigens auch für die Rechtschreibprüfung, die nur noch selten lustige Alternativen vorschlägt. Aber was soll’s. Dann müssen wir eben selbst blöd sein.

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  6. Eine Schnurre, wie ein Computerprogramm einen Satz sinnentstellend übersetzte, wird
    u.a. auch hier kolportiert, tatsächlich ist die aber schon älter und war etwa auch über ein Essen im Umlauf, zu dem Churchill und Stalin 1945 in Jalta angeblich zusammengesessen wären:
    Churchill, gefragt ob er noch Nachschlag wünsche, erklärte es wäre wegen seines Übergewichts wohl vernünftiger nichts mehr zu essen, ließ sich aber dennoch eine weitere Portion auftischen mit den Worten: »The spirit is willing but the flesh is weak.«[»Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.«] Der Dolmetscher übersetzte das indessen ins Russische als »Der Schnaps ist annehmbar, aber das Schnitzel ist nicht besonders.«

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    • Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die Übersetzungsprogramme die Qualität der Dolmetscher erreicht und übertroffen haben werden. Aber damit Google nicht überall mithört, werden wohl im Gespräch zwischen Putin und Biden oder Merkel und Erdogan immer Dolmetscher anwesend sein. Damit bleibt uns die Hoffnung auf weitere schöne Fehlleistungen.

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  7. Pingback: Used Look – Und sonst so?

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