Hin und weg

Von Autor unbekannt – Archiv Horst Alsleben, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=74898435

Noch einmal ein Griff ins Archiv. In eine ganz dunkle Ecke: Hin und weg

Eine ganz indiskrete Frage: Haben Sie in letzter Zeit einmal versucht, in Ihrer Heimatstadt eine Leiche zu entsorgen? Keine Angst, wir wollen Ihnen nichts anhängen, sondern etwas abnehmen. Aufgrund Ihres Vorstrafenregisters, Ihrer bekannten Neigung zur Gewalttätigkeit und Ihrer negativen Schufa-Auskunft gehören Sie zu dem exklusiven Empfängerkreis dieses Schreibens. Machen wir uns nichts vor, nach einer erfolgreichen kriminellen Karriere möchten auch Sie Ihr Geld – oder wessen Geld auch immer – genießen können und dann bleibt ja auch immer noch genug Zeit, um über Moral nachzudenken, ein paar Euro in den Klingelbeutel zu stecken und bürgerlich zu wählen. Diese rosige Zukunft ist es, die Sie im Auge behalten sollten, wenn es um die lästigen Details der Gegenwart geht.

Mord halten wir persönlich für eine der sozial weniger wünschenswerten Verhaltensweisen. Andererseits können wir nicht ignorieren, dass wir es mit einer florierenden Branche zu tun haben, einer Branche, die Gewalt nicht als Selbstzweck betrachtet, sondern nur als manchmal unumgängliches Mittel zum Zweck. Und dann? Längst bieten Finanzdienstleister ihre Dienste bei der Geldwäsche, Anwälte sorgen für die juristische Rückendeckung – aber was hilft das alles, wenn das bedauernswerte Opfer nicht rechtzeitig weggeschafft wird? Die vermisst gemeldete und später für tot erklärte Erbtante bei Gunter von Hagens als anonyme Körperspende vor die Tür zu stellen, um sie später bei Körperwelten scheibchenweise ausgestellt wieder zu finden, ist ein unschönes Erlebnis.

Hier empfehlen wir uns als diskreter Partner für alle geplanten Todesfälle. In Kooperation mit der renommierten Künstlerin Christel Lechner – die ihrerseits von dieser Partnerschaft allerdings nichts weiß – haben wir einen einzigartigen Weg gefunden, Problemleichen angemessen aus dem Weg zu räumen.

Sicher haben Sie davon gelesen, dass es auch in Ihrer Stadt zu besonderen Vorkommnissen im Zusammenhang mit der Ausstellung Alltagsmenschen gekommen ist. Die lebensgroßen Betonskulpturen werden beschädigt, verschwinden, tauchen wieder auf und werden versetzt. All das ist kein Zufall. Unsere Außendienstmitarbeiter sorgen dafür, dass in der Bevölkerung eine Gewöhnung an diese Vorgänge eintritt, so dass im Ernstfall niemand Anstoß daran nimmt, dass eine der Figuren einige Stunden abwesend ist und anschließend mit ein paar frischen Betonspuren wieder auftaucht. Sie aber werden diese Figuren ab heute mit anderen Augen sehen, denn hinter manch einem fröhlichen Betonkopf verbirgt sich ein trauriges Schicksal.

Rufen Sie uns einfach an und holen Sie sich Ihr persönliches Angebot. Und bedenken Sie: Mit den Alltagsmenschen kommt der teure Verstorbene sogar noch ein wenig in der Welt herum! Für Großkunden und Selbstanlieferer gewähren wir selbstverständlich Rabatte.

4 Gedanken zu “Hin und weg

  1. Endlich! Ein innovatives Startupunternehmen nimmt uns die drängdste Sorge, vor allem, seit die Kühltruhe ausgefallen ist. Macht es Probleme, wenn wir unser Opfer schon geviertelt und portioniert haben?

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