Abwarten und Tee trinken

Von Albert Anker – Urprung unbekannt, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1180495

Gerade war ich einkaufen. Toilettenpapier war alle. Um 10:00 Uhr. Plötzlich leuchtete mir das sogar ein: Deutschland hat Schiss. Zu Recht, nehme ich an, wenn man China, Italien, Spanien und… ach, wohl den Rest der Welt sieht. Wir ziehen den Kopf ein und hoffen. Ob es uns gut tut, nur noch Corona zu hören, zu sehen, zu lesen und zu besprechen? Klar, noch immer gibt es Menschen, die alles für übertrieben oder gar für Geschäftemacherei halten. Wessen Geschäfte könnten das wohl sein? Was jetzt gebunkert wird, wird später nicht gekauft. Da profitiert der Handel nicht. Der Rest der Wirtschaft leidet. Die Pharmaindustrie würde ja gern verdienen, hat aber nichts im Angebot. Klar, irgendwann vielleicht. In ein paar Monaten, in einem Jahr, hat ein Unternehmen einen Impfstoff oder ein Medikament und verdient sich eine goldene Nase. Darüber rege ich mich dann später mal auf. Da ich gerade schon bei der goldenen Nase bin: Wo ist eigentlich die FDP? Habe ich es überhört, oder kam da kein „Das regelt der Markt“ oder gar der Vorschlag, einfach weiterzumachen, weil wir ja ein erstrangiger Forschungs- und Technologiestandort sind und eine Lösung finden werden, bevor es schwierig wird? Auch in schwierigen Zeiten wird man ja wohl noch über die FDP spotten dürfen, oder?

Dummerweise braucht die FDP das nicht einmal zu sagen. Ein Teil der Menschen hat diese Haltung längst verinnerlicht. Wenn ich anfänglich schrieb, Deutschland habe Schiss, dann stimmt das nur für eine recht große Gruppe, eine andere sieht das Problem, kann aber nicht raus aus ihren Verhaltensmustern. Ich habe beschrieben, dass es uns auch so ging, als wir eine Reise antraten, von der wir wussten, dass niemand mehr zum Vergnügen reisen sollte.

Wenn die Angst zu groß wird, wird die Wohnung zu klein. Gemeinsam sind wir stärker. In diesem Fall allerdings stärker gefährdet. Also bleibe ich jetzt schön hier, am Rechner, im Garten, in der Küche oder mit einem Buch in der Hand auf der Couch. Ja, auch mit der Zeitung, dem Radio und TV. Aber nicht nur mit Corona.

12 Gedanken zu “Abwarten und Tee trinken

  1. Übrigens, gestern habe ich einen FDP-Politiker gehört. Er hat meine Erwartung voll erfüllt. Er forderte für die Banken dringend Hilfen vom Staat. Laufen die Geschäfte gut, erhält die FDP-Klientel gute Dividenden. Läuft es schlecht, sollen Friseurin, Verkäuferin und Postfrau die Banken retten. Ja, in schwierigen Zeiten müssen wir genau hinschauen. Ich wünsche mir sogar, dass wir die Lehren aus der Krise nicht gleich wieder mit dem Anpfiff des ersten Bundesligaspiels vergessen. Danke für deinen Post und Grüße

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    • Ob wir lernen? Schön wär es ja, aber ich bin da nicht sehr optimistisch. Es gibt ja jetzt schon Forderungen, dass nach dem Ende der Coronakrise die Wirtschaft Vorrang vor allen Fragen des Klimaschutzes haben müsse.

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  2. Wir haben aber keine Gefühl mehr für die Risiken des Lebens. Rundum versichert und daran gewöhnt, dass Konsum unser wichtigster Lebensinhalt ist, erleben wir die Krise wie ein Fernsehdrama, dessen positiver Ausgang feststeht.

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