Mir doch Latte

Von Andrea014 – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=59556364

Eine unserer Töchter ist umgezogen. Bei dieser Gelegenheit wollte – oder sollte? – sie einen großen Lattenrost statt der bisherigen zwei kleinen Lattenroste für ihr Bett bekommen. Okay, da wir ohnehin mit dem Anhänger zu ihr fuhren, ließ sich der Lattenrost – der große – gut transportieren. Bis wir ihn in die Hände von Umzugshelfern gaben, denen es gelang, die Latten, die, wie ich gerade feststelle, Leisten heißen… äh, Unterbrechung: Ich habe gerade gegoogelt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich den Lattenrost googeln könnte. Falsch, hätte ich das nicht gedacht, hätte ich es auch nicht versucht. Der Lattenrost heißt mit Hausnamen eigentlich Bettenrost, was nichts damit zu tun, dass, wer rastet oder ruht, rostet. Wikipedia sei Dank, durfte ich mich gerade an den Drahtrost oder auch Sprungfederrahmen erinnern. Sowas hatten meine Eltern mal.

Und da ist natürlich die Nähe zum Grillrost viel größer, denn der heutige Lattenrost eignet sich kaum als „tragfähiges horizontales Gitter, beispielsweise über oder unter einem Feuer“ . Wie Doppeldeutig ein Wortes sein kann, zeigt sich auch hier, denn im Allthochdeutschen, wer wüsste das nicht, steht rōst für den Grill, die Pfanne und den Scheiterhaufen, während das germanische raustaż eine „Vorrichtung zum Bräunen von Fleisch“ bezeichnet haben soll – was Grill und Scheiterhaufen in eine unangenehme Nähe rückt. Ende der Unterbrechung: Den Umzugshelfern, denen ich ansonsten übrigens sehr dankbar bin, gelang es also, die Leisten aus den Loslagern, so heißen die Kunststoffhalterungen auf den Latten des Rostes, zu schütteln. Des Lattenrostes, der evolutionär dem Sprungfederrahmen deutlich überlegen scheint.

Gut, das alles wollte ich überhaupt nicht erwähnt haben. Es ist nur die Vorgeschichte, die dazu führte, dass in dem Bett, das bisher den großen Lattenrost barg, zwei kleine Lattenroste eingelegt werden sollten, die aber nach einem Mittelsteg verlangten. Wieder ein Fachbegriff, den ich mir erfolgreich ersuchmaschint – ha, ich bin ohne Google ausgekommen, nein, doch nicht – habe. Also besorgten wir einen Mittelsteg im Mittelstegfachgeschäft, wo man uns fürsorglich darauf hinwies, dass solche Mittelstege durch ein zusätzliches Stück Holz stabilisiert werden sollten, so dass aus einem langen Mittelsteg und einem kurzen Stück Holz eine sehr seltsames T entsteht. Okay. Gekauft, samt Befestigungsmaterial, also Halterungen, die am Kopf- und Fußteil des Bettes festzumachen waren. Eine Nacht darüber geschlafen. Nein, nicht über dem Zeugs, das war ja noch nicht fertig, sondern bevor wir das Wagnis in Angriff nahmen.

Ich schlief gut, wachte nur etwas ängstlich auf. Bis es soweit war, also nach der Sendung mit der Maus, konnte ich mich nicht recht konzentrieren und schwitzte schon mal vorsorglich. Dann ausgemessen, also nicht ich, sowas überlasse ich meiner Frau, die zwar nicht so gut sieht, aber deutlich bessere Messwerte erzielt. Gebohrt und geschraubt. Darüber nachgedacht, wie der Mittelsteg einzusetzen sei, damit wir das Hölzchen auf die richtige Seite schrauben. Das Hölzchen aufgeschraubt. Den Mittelsteg eingesetzt. Passt.

Nur der Bettkasten, der geht jetzt nicht mehr rein.

 

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3 Gedanken zu “Mir doch Latte

  1. Sprungfedernrahmen haben doch bei gewissen Aktivitäten immer so verdächtig gequietscht, weshalb unsere Eltern und Großeltern in der Hinsicht zurückhaltener waren. Bei dir ein neues Wort gelernt: Mittelsteg. Den habe ich auch im Bett. Einmal, als ich von einer Aachenreise zurückkam und mich froh in mein vertrautes Bett gelegt habe, begann es unterm Bett zu knistern, dann zu knarren und obwohl ich vor Schreck stocksteif lag, ging das Knarren in ein hässliches Knarzen über, in das Geräusch von brechendem Holz. Dann eine Sekunde des stillen Verharrens, und indem ich schon erleichtert aufatmete, brach das Bett ein. Die Matratze sackte unter mir nach unten und blieb dann in der Schwebe. Ich machte Licht, stand auf und betrachtete den Schaden. Dazu musste ich das Bettzeug ausräumen und die Matratze hochstellen. Die von dir genannten T-Stützen waren abgebrochen. Wenn du sowieso noch nicht fertig bist mit Tischlern: Besser sind zwei Stützen.

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