Antwerpen (1)

Foto: Elfie Voita

Bis zur Autobahn ist es nicht so weit, dann ein Stück durch Deutschland, ein längeres Stück durch die Niederlande, ein bisschen durch Belgien, runter von der Autobahn, im Kreisverkehr die zweite Ausfahrt, etwas seltsam ausgeschildert, aber da ist er schon: der P+R-Parkplatz vor Antwerpen. Es ist genau ein Stellplatz frei.

Mit Koffer und Taschen zur Tramstation gleich in der Nähe. Die Straßenbahn, ein ziemlich altes Modell, wartet schon oder noch, bis wir eingestiegen sind. Tickets gibt es beim Fahrer und los. Durch ziemlich langweilige Vororte, die ein bisschen runter sind, wie sich das für langweilige Vororte gehört. Dann steigt der Fahrer aus, ein langes Werkzeug in der Hand, das wir als eine Art Schraubenschlüssel identifizieren. Er stellt etwas um, nehmen wir jedenfalls an, dann steigt er wieder ein und wir fahren nicht weiter geradeaus, er hat also wohl eine Weiche manuell bedient, es geht jetzt hinab in den Untergrund. Aus unserer Straßenbahn ist eine U-Bahn geworden. Dunkelheit, die Bahn quietscht und kreischt in den Kurven, der Tunnel sieht aus wie ein Stollen, der notdürftig in den Berg gehauen wurde, Bergleute sind allerdings keine zu sehen. Beleuchtete Haltestellen, manche sind wegen Bauarbeiten stillgelegt. Dann geht es wieder hoch ans Tageslicht.

Langsam sollten wir doch am Bahnhof sein. Eine sehr breite Straße, wenig Verkehr. Ab und zu öffnen sich Ausblicke auf prächtige Bauten, auf große Brunnen, dann eine Haltestelle, die ich auf der Liste der Haltestellen wiederfinde. Kurz vor der Endstation. Gleich sind wir einmal von Ost nach Süd durch die Stadt gefahren. Wir steigen schnell aus und orientieren uns neu. Offenbar sind wir am Bahnhof vorbeigefahren, ohne es zu bemerken. Wir laufen zurück.

Belgien, Südliche Niederlande, Flandern, Vlaanderen. Dieses weiche Niederländisch, das wir nicht gut verstehen, das mehr gesungen wird, einen ganz anderen Tonfall hat. Unser Hotel liegt im Bahnhofsviertel, das auch zugleich das Diamantenviertel ist. Wo in anderen Städten Spielhallen, Bars, Dönerbuden, billige Kneipen und Fixerstuben um die Aufmerksamkeit des geneigten Reisenden buhlen, werden hier Schmuckstücke zu stolzen Preisen gehandelt. Total freundliches Personal im Hotel. Ab in die Stadt. Ein paar Minuten, dann sind wir in der Fußgängerzone. Die Ladenketten, die man überall findet, aber über den Schaufenstern Pracht aus dem vergangenen Jahrhundert. Ab und zu durchbrochen von einem Neubau, der sich nicht einfügt in das eindrucksvolle Gesamtbild.

Wir kommen auf den Groote Markt, das mittelalterliche Zentrum der Stadt. Wunderschön. Rundum. In einem dieser Häuser ist die Touristeninformation. Super freundliche Menschen. Gut, wir kommen aus dem Münsterland, aus Westfalen, da neigt man nicht dazu, mit Fremden ins Gespräch zu kommen, man blafft sie höchstens an, wenn sie unmotiviert auf dem Radweg stehen. Hier halten Radfahrer an und lassen uns den Vortritt. Menschen entschuldigen sich ständig oder zeigen andere Formen von Höflichkeit, auch da, wo man nicht dafür bezahlt. Was ist denn hier los?

 

8 Gedanken zu “Antwerpen (1)

  1. Der Reisebericht wirkt abenteuerlich, aber authentisch. In Belgien ist nicht alles so rausgeputzt wie in Holland. Mich erstaunt allerdings, dass du das weiche Niederländisch, das in Flandern gesprochen wird, nicht gut verstehst. Freilich gibt es dort Dialekte, die mich auch verzweifeln lassen. Doch nachdem ich viele Jahre den flämischen Sender Studio Brussel gehört habe, kann ich mich mit dem harten Niederländisch der Holländer kaum noch anfreunden.

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  2. „Es geht jetzt hinab in den Untergrund.“ Ein Satz, den mein Philosophielehrer auch beherrschte samt Smiley, um seine Antike fluffig zu machen. Gut natürlich die Radfahrer Antwerpens, wohl nicht so rowdyhaft wie in MS-Süd. Denke schon jetzt, Antwerpen könnte meine Traumstadt werden . . .

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