Auf der rechten Seite schlafen

Ich habe von Alexander Gauland geträumt. Nicht, dass er mir das Du angeboten und ich Alex zu ihm gesagt hätte. So viel Distanz habe ich im Traum gewahrt. Kann man das so sagen? Ich und im Traum? Egal. Wieso passiert mir das? Wieso träume ich von ihm, er aber bestimmt nicht von mir? Von uns träumt er bestimmt, von uns als Deutschland, als Volk, aber von mir?

Man kann sich leider nicht aussuchen, wovon man träumen möchte. Wissenschaftlich ist, soweit ich das verstanden habe, weder klar, warum wir träumen noch wieso wir träumen, was wir träumen. Aber Gauland? Ich weiß sogar noch, was er gesagt hat, weiß aber nicht so recht, ob es zulässig ist, das als Gaulandzitat zu verwenden. „Ich habe schließlich die Demokratie in diesem Land mit aufgebaut.“ Das war eine glatte Lüge! So alt ist der Mann nämlich nicht, obwohl man das denken könnte. Jahrgang 41, zu den Müttern und Vätern der Republik gehört er definitiv nicht, zu den Kindern, okay, und die machen ja oft kaputt, was Mama und Papa aufgebaut haben. Was ich ihm nicht unterstellen möchte, er hat sicher die besten Absichten. Was wiederum nicht weiterhilft, weil das vermutlich auch für Donald Trump gilt.

Ich habe aber nicht von Trump geträumt, sondern von Gauland. Vor dem Einschlafen hatte ich noch eine Ibuprophet genommen. In der Antike tat man das auch, wenn man sich von den Göttern eine Antwort auf eine existentielle Frage erhoffte. Man schlief dann im Tempel, nachdem man die vorgeschriebenen Zeremonien durchgeführt hatte. Also eine Ibuprophet nahm, oder was die Griechen als Äquivalent verwendet haben mögen. Meine Frage war, ich weiß das noch, weil es meine regelmäßige nächtliche Frage ist, wie ich aus einem Text wieder rauskomme, den ich leichtfertig begonnen habe, ohne darüber nachzudenken, dass ich einen Schluss brauche. Das Gauland die Demokratie in diesem Land mitaufgebaut hat, nein, das kann unmöglich die Antwort sein. Obwohl Gauland ja für viele die Antwort auf alles ist. Oder, jetzt, da ich mir das Gemälde von James Marshall noch mal ansehe, gibt es doch eine Botschaft? Wechsele die Seiten, finde den rechten Weg und alle Türen stehen dir offen.

9 Gedanken zu “Auf der rechten Seite schlafen

  1. Nach Jules bereits der zweite Traum, den ich auf der Heimfahrt lese.
    Kein recht schöner Traum. Zum Glück auch kein ganz rechter, aber anstrengend alleine schon, weil man sich nicht von Herrn Gauland träumen möchte. Lesen eigentlich auch nicht. In diesem Fall, aber doch.

    Gefällt 2 Personen

  2. Wenn ich´s mir recht überlege, würde Alexander Gauland – der Intimus und Biograph Helmut Kohls (gelesen!) – wirklich eher eine Demokratie aufbauen bzw. aufgebaut haben als eine richtige Diktatur, denn gerade durch dämliche liberale Demokratien kommen ja Faschismen glatt zur Macht. Gegen eine gute antibürgerliche antikapitalistische Diktatur wäre das nicht möglich. Schon mein akademischer Lehrer hat in den frühen 80er Jahren gesagt: Über den aufgeklärten Absolutismus ist noch keine Herrschaftsform hinausgekommen. Und da schließe ich mich heute endlich auch an!

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