Juist (2)

Foto: Manfred Voita

Neunzig Minuten dauert es, bis die Fähre von Norddeich aus den Anleger erreicht. Juist. Pferdekutschen stehen bereit, um die Ankömmlinge aufzunehmen. Wir haben es nicht weit, sagt das Handy. Also ziehen wir unsere Koffer. Damit sind wir nicht allein. Mein erster Eindruck der Insel: Laut! Aber das legt sich schnell wieder. Noch ein paar Kutschen, hier und da ein verirrter Tourist, dann ist wieder Ruhe.

Mit Straßennamen ist man zurückhaltend, nein, falsch, nur mit der Beschilderung. Schön, dass das Handy funktioniert, so ist unsere Unterkunft schnell gefunden. Der Ort ist, wie die Insel, nicht groß aber lang. Vom Hafen aus sind es gerade ein paar hundert Meter bis zu dem Haus, in dem wir eine Ferienwohnung gemietet haben.

Was sofort auffällt: Die Straßen, nicht alle, aber viele Seitenstraßen, sind nicht befestigt und entsprechend sehen sie aus. Wie umgepflügt, aufgewühlt von den täglich passierenden Pferdewagen, mit denen hier die Waren angeliefert werden, das Baumaterial oder auch der Müll abgeholt wird. Pferde prägen die Insel. Sieht man sie nicht, dann hört man bestimmt irgendwo die klappernden Hufe oder riecht ihre Hinterlassenschaften auf der Straße. Gut, bleiben wir beim Sound. Wind, die See und Hufgeklapper. Seevögel habe ich vergessen. Manchmal eine Fahrradklingel.

Vorsaison. Die Mitarbeiter*innen, viele offenbar aus Polen, sind freundlich bis sehr freundlich, haben noch die Zeit für einen Satz außerhalb der Geschäftsordnung.

Ein großes Hotel hockt auf einer hohen Düne, sieht teuer und ein wenig langweilig aus. Einmal steht sogar ein Auto vor der Tür. Ein Auto!  Wir sind wirklich erstaunt. Wie schnell man sich daran gewöhnt, dass es keine Autos gibt.

Auch am Flugplatz warten Kutschen auf Fahrgäste. Kleine, zweimotorige Maschinen starten und landen. Von der Terrasse eines Restaurants lässt sich das Treiben beobachten. Pizza und Bier. Eine große Pizza, aber der italienische Chef verspricht uns, dass wir in drei Stunden wieder hungrig sind. Eine kleine Insel eben, da ist es schon wichtig, dass man pünktlich zu den Mahlzeiten wieder Appetit hat.

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10 Gedanken zu “Juist (2)

  1. Dieses edle alte Strandhotel stand viele Jahre um 1990 und danach leer und verfiel immer mehr. Es war ein reiner Schandfleck. Der Treppenaufgang war komplett versandet, die Fassade und das Innenleben desolat. Ich habe es von Jahr zu Jahr dahingammeln sehen.
    Davon ist heute nichts mehr zu sehen.

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  2. Hallo, wenn Du auf Deiner atemberaubend schönen aber einsamen Insel Lesestoff suchst, wirst Du bei mir fündig. Fortsetzungsroman „Reise ins Verderben“
    Viele Grüße
    Kon

    Alias NOKBEW™

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      • Seit 1990 fahren wir jedes Jahr öfters auf die ostfriesischen autofreien Inseln, meist früh im Jahr und spät im Herbst, wenn es dort stiller ist und die Strandkörbe ihren Winterschlaf halten. Nach Spiekeroog und Juist ist Langeoog
        zu „unserer“ Insel geworden. Und es ist so, wie Manfred es beschreibt: es gibt nur Pferdewagen, Elektrokarren und Fahrräder. Das einzige sichtbare Auto ist ein Rettungswagen an seinem festen Standplatz.
        Und man würde sich die Augen reiben, würde dort ein PKW gesichtet.
        Als vor wenigen Jahren ein Tatort auf Langeoog gedreht wurde, standen große Anhänger der Filmtechnik und des Caterings nahe beim Hafen, die mit Elektrokarren gezogen wurden. Die Schauspieler radelten zu den Drehorten.
        Ich liebe diese Besonderheit des Autofreien.

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  3. „Neunzig Minuten dauert es“: ja, jaja, zu Herbergers Zeiten! Heute, in der modernen, effizienten Gesellschaft immer::: die Nachspielzeit. Pferde, Seevögel und Fahrradklingeln stören jedoch die Konzentration der Inselkicker. Sie sind zu keinem Torschuß mehr bereit. „Pizza und Bier“ schreien sie, und irgendwie haben sie damit auch schön, wahr und gut.

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