Klar, aber diese Woche nicht mehr

Ich habe nichts gegen Handwerker. Ich hätte sogar gern welche. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es Handwerker in der Realität überhaupt gibt, oder ob sie wie der Yeti eine Legende sind. Die gelegentlichen Berichte über das Auftauchen von Handwerkern scheinen mir zumindest ebenso zweifelhaft, wie die Sichtungen des Ungeheuers von Loch Ness. Ich jedenfalls glaube, dass es ein großes Callcenter irgendwo in Fernost gibt, in Indien zum Beispiel, an das alle Anrufe bei vorgeblichen Handwerksunternehmen weitergeleitet werden.  Von den Schlüsseldiensten wissen wir ja, dass die Anrufe per Weiterschaltung immer an einen Betrieb weitergeleitet werden, der am denkbar entferntesten Ort ansässig ist.

Ich weiß, dieses Beispiel scheint meiner Grundannahme, dass es Handwerker überhaupt nicht gibt, zu widersprechen. Aber wer glaubt, dass Schlüsseldienste Handwerker schicken, glaubt auch noch an faire Preise. Stellenangebote jedenfalls fordern lediglich ein gewisses handwerkliches Interesse. Soweit könnte sogar ich dem Anforderungsprofil entsprechen.

Nein, es reicht auch nicht als Existenzbeweis, dass in praktisch jedermanns Umfeld einige Menschen leben, die behaupten, einen handwerklichen Beruf auszuüben. Sobald man sie aber bittet, doch am Wochenende, nach Feierabend oder im Urlaub mal auf ein paar Wochen vorbeizuschauen, schon haben sie angeblich keine Zeit.

Ruft man im Betrieb an, ist ohnehin nur die Frau des Chefs oder der Mann der Chefin erreichbar, zuverlässig jemand, der neben einer mangelhaften Beherrschung der Buchführung auch keinen blassen Schimmer von handwerklichen Tätigkeiten nachweisen kann.

Okay, ich gebe zu, dass ich auch schon Baustellen gesehen habe, auf denen gearbeitet wurde. Ich weiß zwar nicht mehr, wie lange das schon her ist, denn früher war ja bekanntlich alles besser, aber falls meine Annahmen stimmen, dann handelt es sich dabei um polnische Handwerker. In Polen leben nämlich nur Handwerker, nein, nicht verschiedene handwerkliche Berufe: Handwerker, denn im Unterschied zu mir, der ich nichts reparieren, aber viel kaputt machen kann, können Polen alles. Ich weiß nicht, ob das als Vorurteil oder Rassismus durchgeht, es ist aber keineswegs so gemeint. Neben den Polen gibt es auch noch andere Osteuropäer, es lässt sich aber nicht ermitteln, welcher Nationalität die sind, weil sie nicht reden. Was durchaus im Interesse des Auftragnehmers und Auftraggebers liegt. Schon Frederick Winslow Taylor, der Begründer der wissenschaftlichen Betriebsführung, erkannte schließlich, dass jeder Moment, den ein Mitarbeiter innehält um nachzudenken, verschenkte Zeit ist.

Jetzt, nachdem ich mich fast selbst davon überzeugt habe, dass es keine Handwerker gibt, fällt mir doch noch ein Argument ein, dass ihre Existenz zumindest möglich erscheinen lässt: Handwerker könnten in einem Paralleluniversum leben, das zeitversetzt zu dem aller anderen Menschen besteht und das nur wenige Berührungspunkte mit unserer Realität aufweist, Fälligkeitstermine für Rechnungen zum Beispiel oder Parkplätze in der zweiten Reihe. Das würde erklären, dass es eine Redensart wie „pünktlich wie die Maurer“ geben kann, ohne dass je ein Handwerker pünktlich, und damit meine ich am gleich Tag oder wenigstens in der gleichen Woche, okay, selbst mit dem gleichen Monat könnte ich noch gut leben, ohne dass also je ein Handwerker erschienen wäre, wenn man extra freigenommen und alles weggeräumt hat.

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6 Gedanken zu “Klar, aber diese Woche nicht mehr

  1. Wie schön herzhaft man über deine Worte lachen kann. Köstlich geschrieben, fein in Worte gepackt….herrlich. Bis man einen braucht. Einen Handwerker. Nach Feierabend oder im Urlaub. Dann mag man nicht lachen. Dann schreibt man im besten Fall einen amüsanten Text, über den wenigstens andere lachen können.
    Er ist dir gelungen – ich hoffe gleiches für die Terminvereinbarung, habe aber wenig Hoffnung.

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  2. Diese Woche den Hausmeister angerufen, und zwei Stunden später hat er mir den Drehknopf der Heizung getauscht. Darf er das? Nun gut, er ist ja auch Meister und nicht Werker.
    Merke: für Probleme im und am Haus immer zum Hausmeister. Der setzt sich dann mit dem Handwerker, der gerade seinen Winterurlaub auf den Seychellen verbringt, meist erfolglos in Verbindung und repariert schlussendlich selbst ,,, 😉

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  3. Handwerker gibt es nicht, das weiß jedes Kind. Was wiederum existiert, sind polnische Einbrecher, die als Dankeschön für überlassene, längst nutzlose Haushaltsgegenstände ein paar marode Wasserrohre austauschen. So bei mir geschehen. Oder sowas Ähnliches, jedenfalls finde ich seit einiger Zeit ein paar Dinge nicht mehr und gleichzeitig tropft es nicht mehr im Heizkeller. Es müssen die Polen gewesen sein. Nur die Mahnungen von einem „Sanitär“-Fritzen (was ist das, „Sanitär“?) kann ich mir nicht erklären. Was soll ich tun?

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