Damenprogramm (3)

Foto: Manfred Voita

Nach der Stadtführung, die etwa 135 Minuten gedauert hatte, keine Minute zu viel übrigens, blieb nur wenig Zeit, bis die Führung im Magdeburger Dom begann. Eine Führerin, zwei Besucher, die sich führen ließen. Die zweite männliche Nebenrolle war allerdings neu vergeben worden. Nein, ich verzichte jetzt darauf, die Details des Doms zu beschreiben, obwohl das natürlich leicht komisch wirken muss, wenn ich ausgerechnet zu den Toiletten etwas schreibe.

Die Toiletten sind gut, ich habe in anderen Kirchen schon viel schlechtere gesehen, in vielen sogar keine. Was natürlich nicht heißen soll, dass ich in Kirchen grundsätzlich die Toiletten besuche. Man muss jetzt also nicht wegen des Domklos nach Magdeburg. Bemerkenswert für mich war aber, wie hier zwei Zeiten nebeneinander existieren. Man verlässt den Dom und betritt den Kreuzgang, Mittelalter mit Renovierungsstau, folgt einem Hinweisschild und findet schließlich eine Tür, hinter der man, hinter der ich…nein, ich weiß nicht genau, was ich erwartet habe, man legt da ja vor der Tür keine Rechenschaft über seine Erwartungen ab.

Vermutlich habe ich an zwei Dixi-Klos gedacht, oder eine ausgetretene Treppe, die zu einem schiefen Abtritt führt, der noch manchen Mönchshintern gesehen hat. Stattdessen dies: Die Tür öffnet sich auf Knopfdruck geräuschlos und neben dem mittelalterlichen Kreuzgang, parallel zu ihm, öffnet sich das Jahr 2018. Aufzug, glatte Wände in Betonoptik, eine breite Treppe, alles zweckmäßig und modern. Design. Räume, die dort, wo sie sich befinden, eigentlich überhaupt nicht sein können. Eine Zeitreise auf dem Weg zum Klo. Unglaublich.

Hoffentlich liest das niemand, der sich im Dom die Mühe macht, Touristen mit den architektonischen, kulturellen, historischen und religiösen Schätzen des Doms bekannt zu machen. Und hoffentlich strömen jetzt nicht Horden von Touristen an den Führern und Kunstschätzen vorbei und wollen nur noch das Klo sehen.

Sagen Sie nicht, dass Sie das von mir haben!

8 Gedanken zu “Damenprogramm (3)

  1. Auf dieser „geldfressenden Toilette“ war ich auch Anfang Juni, muss aber gestehen, dass mir der Kreuzgang mit seinen schiefen Säulen und alten Grabplatten doch etwas besser gefiel. Aber ich fand es gut, dass es eine Toilette gab. Ich bin da etwas unsicher, aber ist es nicht der Regelfall, dass es keine (zugänglichen) Toiletten an solchen heiligen Orten gibt?

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