Damenprogramm

Grab Otto I.
Bild: Manfred Voita

Vielleicht sollte ich das Goldene Blatt abonnieren, die sind doch, wenn ich mich nicht täusche, auf Adelsgeschichten spezialisiert. Oder mal einen Termin mit Rolf Seelmann-Eggebert machen. Doch, vielleicht besser mit dem, schon wegen seines Alters. Der kennt möglicherweise noch einige persönlich, von denen die Macher des Goldenen Blattes noch nie gehört haben.

Oh, das war jetzt ein ziemlich dummes Vorurteil. Nur weil jemand Klatsch und Tratsch über europäische Adelshäuser verbreitet, kann er oder sie ja ein rundum gebildeter oder zumindest geschichtskundiger Mensch sein. Was für eine Tiefe die Berichterstattung über Gloria von Thurn und Taxis käme, wenn ein Familienzwist mal eben in Beziehung zur Ermordung Otto Wilhelms durch seinen Bruder Wolf Ernst im Jahre 1617 gesetzt würde. Nein, nicht im Haus der Thurn und Taxis, sondern im dem derer von Schönburg, aus der erwähnte Gloria stammt. 1617 war das noch Mord, nach 1618, also im 30jährigen Krieg, gehörte sowas ja fast zur Folklore. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Magdeburg übrigens von den Truppen der Kaiserlichen unter Tilly gestürmt. Von 30.000 Einwohnern überlebten 400 und weitere 3.000, die sich in den Dom geflüchtet hatten.

Gut, jetzt sind schon vierhundert Jahre in die Vergangenheit geschafft, da sind weitere 600 doch ein Klacks. 973, das Todesjahr Otto I. Otto ruht in Magdeburg. Was für ein Euphemismus. Ruhen. Mittlerweile sollte er ja ausgeruht sein. Otto ist im Magdeburger Dom bestattet worden. Zumindest sein Körper, sein Herz mag für Magdeburg geschlagen haben, es liegt aber nicht dort.

Gut, das Grab Arno Schmidts in Bargfeld hat für mich eine größere Bedeutung und sein Werk ist mir näher, als die politische Leistungen des Kaiser Ottos. Hoffentlich liest das kein Historiker, der mir nachweist, dass ich ohne Otto ein slawisches Reich in den Grenzen von, sagen wir 655 bewohnen würde. Oder 722. Was weiß ich denn. Jedenfalls hat Magdeburg ihm viel zu verdanken. Andererseits hat er die Stadt einfach mal seiner Frau zur Hochzeit geschenkt. Seiner ersten Frau. Also nicht der ersten, mit der er nur ein Kind hatte, sondern der ersten, mit der er auch standesgemäß verheiratet war.

Warum ich so bewandert in Sachen Magdeburg bin? Weil ich die Stadt erwandert, erlaufen habe. Unter kundiger Führung. In Magdeburg wird geführt, egal wie das Wetter ist, egal wie viele Gäste sich vor der Touristeninformation versammelt haben. Zwei Fremde und ein Führer, so engagiert und sachkundig, so voller Liebe zum Detail und voller kleiner Geschichten, der wäre bestimmt auch ganz allein losgezogen! Die Führung ist allerdings, obwohl sie zwei Stunden dauert und bei Kälte und schlechtem Wetter bestimmt auch noch verlängert werden kann, eine großenteils virtuelle Führung. Was das wieder zu bedeuten hat, also das kann ich unmöglich noch in diesen Text quetschen.

6 Gedanken zu “Damenprogramm

  1. Wie schrecklich Tillys Landsknechte in Magdeburg gewütet haben, wusste ich dank einer TV-Dokumentaion, aber das mit Arno Schmidt war mir neu. Kannst du Genaues darüber mitteilen? Im Netz habe ich nichts gefunden. Und bedeutet die Überschrift, dass deine Frau in offizieller Funktion da war und du wie Herr Sauer am Damenprogramm teilnehmen musstest?

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