Tür und Tor (2)

Sir William Fettes Douglas The Alchemist 19th cent.

„Und?  Was ist? Wollen Sie jetzt die Miete erhöhen, weil wir einen Raum mehr bewohnen, als Sie gedacht haben? Vergessen Sies. Wir haben einen gültigen Mietvertrag.“

„Miete? Nein, es geht mir nicht ums Geld. Es ist nur so, dass Sie leider einen nicht-permanenten Raum mit gemietet haben.“

„Einen was? Einen nicht-permanenten Raum? Was soll denn das bitte sein? Wollen Sie uns auf den Arm nehmen?“

In den Arm nehmen, dachte Krämer und warf einen schnellen Blick auf Julia.

„Ich hätte es Ihnen vielleicht sagen sollen, aber vor Ihnen und vor mir und eigentlich schon, bevor dieses Haus gebaut wurde, hat hier Leonhard Mercator gelebt, ein bedeutender, na, ich sollte wohl besser sagen ein berüchtigter Alchemist. Das habe ich recherchiert, nachdem es zu… äh… Vorfällen gekommen ist. Mercator soll unter eigenartigen Umständen im Tapetenzimmer gestorben sein, sicher ist das keineswegs. In den Kirchenbüchern gibt es keine Aufzeichnungen über sein Sterbedatum und nicht mal Wikipedia weiß näheres. Damals wurde das Tapetenzimmer mit all seinen Möbeln verschlossen. Spätere Mieter stellten dann Schränke vor die Tür und irgendwann war da keine Tür mehr. Der Raum wurde vergessen.“

„Aber das ist völlig ausgeschlossen. Ein so schöner Raum, hell und großzügig. Und selbstverständlich hat er eine Tür.“ war es jetzt an Julia, Krämer zu widersprechen.

Nach wenigen Schritten standen sie vor der Tür… also an der Stelle, an der sich die Tür nach Ansicht der Hoffmanns befinden sollte.

„Haben Sie sich mal Gedanken darüber gemacht, wo dieses Zimmer liegt? Architektonisch meine ich?“

Die Hoffmanns sahen einander an, zeigten dann nach links.

„Genau. Es hat hier in den vergangenen Jahrhunderten viele Bauarbeiten gegeben. Auch eine historische Altstadt wird ja nicht einfach so aus dem Mittelalter in die Gegenwart gebeamt. Die Nachbarhäuser rechts und links sind spätere Bauten, die nach Stadtbränden entstanden sind. Links steht Nr. 25. Das Tapetenzimmer würde in dieses Haus hineinragen, wäre es denn ein realer Raum.“

Die Hoffmanns wurden auf einmal sehr still.

„Und was bedeutet das für uns?“

„Ihre Möbel sind weg.“

„Das ist jetzt aber mal eine Neuigkeit.“ Julia konnte offenbar noch Energiereserven aktivieren.

„Und wo, bitteschön, sollen sie jetzt sein?“ fügte Daniel hinzu.

„Wieder im Tapetenzimmer. Das leider aktuell und vermutlich für lange Zeit nicht mehr zugänglich ist.“

„Das waren schwere Eichenmöbel. Ein Schrank, für den wir vier Leute gebraucht haben. Und die hat dieser Kater…“

„Mercator, Leonhard Mercator“

„Kater, Kator, mir doch egal. Dieser Mensch soll die alleine zurückgeschoben haben? Wollen Sie uns das sagen?“

Fortsetzung folgt

2 Gedanken zu “Tür und Tor (2)

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