Nach Hause gehen

von Bärwinkel,Klaus [GFDL oder CC BY 3.0 ], vom Wikimedia Commons

Jörn Klare ist nach Hause gegangen. Jedenfalls heißt das Buch so: Nach Hause gehen. Aber der Untertitel „Eine Heimatsuche“ macht klar, worum es geht.

Meine Töchter haben mir das Buch geschenkt, weil Jörn Klare nach Hohenlimburg gegangen ist. In Hohenlimburg bin auch ich geboren worden, es könnte also, so haben wohl meine Töchter gedacht, Übereinstimmungen geben.

Jörn Klare ging als junger Mann nach Berlin. Einundzwanzig war er, wenn ich mich recht erinnere. Meine Eltern haben die Möbel und mich eingepackt und sind von Hohenlimburg nach Hagen umgezogen. Ein Umzug, der heute so nicht mehr möglich wäre, weil Hohenlimburg inzwischen ein Stadtteil von Hagen ist. Aber in Wirklichkeit war es der Umzug aus einer kleinen Dachwohnung in einen Neubau, ein Mehrfamilienhaus, in dem mein Vater eine Werkswohnung bekam.

Jörn Klare denkt auf seiner Wanderung von Ost nach West über Heimat nach. Viele Gespräche, die er unterwegs führt, kreisen um dieses Thema. Vielleicht stimmt es, dass die Heimat, die man verlassen musste, aus der man flüchten musste, unersetzlich wird, zu einer Heimat, die man an keinem anderen Ort der Welt finden kann, wie Klare es von einem Mönch hört. Vielleicht kann man sich auch Heimat schaffen, indem man sich einlässt auf den Ort und die Menschen, Verantwortung übernimmt und aus dem Wohnort eben mehr macht als nur einen Wohnort.

Der Geruch der Lenne, ja, da bin ich bei Klare, löst heimatliche Gefühle aus. Seltsamerweise auch in Altena, wo ich sie zuletzt roch und wo ich nun wirklich nicht zuhause bin. Dafür ist mir Hohenlimburg fremd und seit 1967 bin ich gerade einmal dort gewesen. Es gibt dort nichts und niemand, den ich besuchen müsste. Nicht einmal ein Grab.

Auch wenn man nicht in Hohenlimburg geboren wurde, nicht in Berlin lebt und nicht einmal den Plan hat, an den Ort der eigenen Geburt zu wandern, ist „Nach Hause gehen“ ein lesenswertes Buch.  Es ist unspektakulär, geprägt vom gemächlichen Tempo der Wanderung. Es ist ein nachdenklicher Text, einer, derdazu einlädt, mitzudenken, eigene Antworten zu finden. „Ich bin dann mal wieder da“, nein, das wäre der falsche Titel und falls es mich mal packen sollte, wandere ich auch lieber nach Hohenlimburg als nach Santiago de Compostela. Schon weil der Weg viel kürzer ist.

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9 Gedanken zu “Nach Hause gehen

  1. Pingback: Heimat. Heimat? |

  2. Als ich noch in Aachen lebte, mochte ich es nicht als meine Heimat anerkennen, obwohl ich mit 22 schon hingezogen bin und 25 Jahre dort gelebt habe, also länger als im Dorf meiner Kindheit und Jugend. Inzwischen bekomme ich schon Heimatgefühle, wenn ich den Rhein überquere. Mein jetziger Wohnort Linden Mitte ist quasi adoptierte Heimat. Vermutlich würde ich erst Heimweh bekommen, wenn ich da wegziehen würde. Wie denkst du denn über Hagen; lieber Manfred? Ist das deine Heimat oder dein jetziger Wohnort?

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    • Hagen wäre vielleicht Heimat, hätte ich dort noch ein paar Jahre verbracht, aber mit 14 ging es nach Leer. Hohenlimburg ist eigentlich nicht mehr als mein Geburtsort, ich interessiere mich nicht für die Geschichte oder Gegenwart der Stadt. Leer ist die Stadt meiner Jugend. Das prägt, aber es ist mehr eine Zeit, eine Summe von Erfahrungen und Freunden, so eine Art Zeitkapsel, da kommt nichts mehr hinzu. Trotzdem bleibt da eine nicht hinterfragbare Zuneigung zu der Stadt. In Warendorf wohne und lebe ich. Das Wort Heimat würde mir dazu nicht einfallen, aber es könnte sein, dass es mir genau wie dir gehen würde und das Heimweh käme, wenn ich hier mal wegginge.

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