Schon schön

Foto: Manfred Voita

Sechs Tage in Mecklenburg-Vorpommern. Norden, aber auch Osten. Zur polnischen Grenze ist es nicht mehr sehr weit. Ostsee und Bodden. Strand und Wald. Backsteingotik. Weltkulturerbe.

Schöne Städte, die im Laufe der Zeit immer schöner geworden sind. Bildhübsche Badeorte bieten, was bildhübsche Badeorte eben bieten sollen. Fischland, Darß, Zingst. Die berühmten bunten Türen, Räucherfisch, der manchmal aus der Region stammt. Wismar und Stralsund haben sich herausgeputzt. Mittelalterliche Stadtbilder locken Touristen aus der ganzen Welt.

Ab und zu steht da noch eines dieser grauen Häuser, übrig geblieben aus einer Zeit, in der dieses Grau landestypisch war. Es gibt immer weniger von ihnen, die Geschichte, die erzählt werden soll, ist die ruhmreicher Hansestädte und großer Schlachten des dreißigjährigen Krieges.

Die Geschichte der DDR ist für den Touristen kaum noch ablesbar, für den ausländischen Gast wohl gänzlich unkenntlich gemacht. Ein adliges Fräuleinstift in Barth, eine prächtige schlossähnliche Anlage, wird von einer Senioreneinrichtung genutzt, die sich auch heute noch Volkssolidarität nennt. Straßen heißen nach Bebel und Thälmann, aber wer kennt noch diese Namen? Klar, die Einheimischen.

Etwas außerhalb, da, wo die Touristen nicht strömen, sondern höchstens plätschern, wird ebenfalls poliert. Dorfkirchen werden mit den Mitteln der Stiftung Denkmalschutz gerettet, auch wenn sie oft genug eben nur noch genau das sind: Denkmal.

Aber die kleinen Städte, so blank und frisch gestrichen sie auch sein mögen, wirken wie Kulissen, in denen gerade nicht gedreht wird. Leere Ladenlokale, Billigketten, Paketshops. DDR-Softeis. Platz ist da, es scheint die Kundschaft zu fehlen. Oder einfach nur die Kaufkraft. Hinterland. Die sozialistische Republik ist gescheitert, der Kapitalismus hat kurz vorbeigeschaut und kein rechtes Interesse entwickelt. Immerhin kehren die Wölfe zurück.

Advertisements

3 Gedanken zu “Schon schön

  1. Genau solche Eindrücke und Empfindungen habe ich auch, wenn ich „da oben“ Urlaub machte. Wunderschön der Darß mit den bunten Türen, Hühnegöttern und den rotbraunen Segeln der Zesboote am Bodden, die Wasserkunst in Wismar und die weiten Sonnenblumenfelder. Hübsch herausgeputzte Häuschen, ländlich und weit die Landschaft unterbrochen hier und da von einem Baumarkt auf der Wiese, aber immer noch die schmutziggelbgraubraun verputzten Häuser aus der DDR-Zeit. Erschreckend Prora auf Rügen aus einer andern Zeit, edel aber Binz, verträumt die Kreidefelsen, für immer festgehalten von C.D. Friedrich. Verwitterte Hausbeschriftung von Arbeiterheimen, Konsumanstalten, HO-Läden. Ein wenig ist „Ostzone“ noch wahrnehmbar.
    Einfach schön ist es dort, in Mecklenburg Vorpommern.

    Gefällt 2 Personen

Das Absenden eines Kommentars gilt als Einverständnis dafür, dass Name, E-Mail- und IP-Adresse gespeichert und verarbeitet werden. Jetzt aber los:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.