An allen Enden: Emden

Foto: Elfie Voita

Emden ist eine Hafenstadt. Fertig.

So, wie auch Hamburg eine Hafenstadt ist.

Das sind Informationen, die man im Lexikon nachschlagen kann, wenn man denn noch eins hat, aber Wikipedia weiß das auch, und Wikipedia muss ich nicht erst finden, um anschließend darin zu suchen.

Außerdem: Warum sollte ich Emden im Lexikon nachschlagen? Ich habe da mal gelebt. Als die Stadt noch rau und schmuddelig war.

Das sagt sich leicht, wenn man nur noch ab und zu als Tourist durch die Stadt geht und zu wenig, eigentlich nichts von dem weiß, was in der Stadt abgeht. Das auch noch im Sommer, wenn der Ratsdelft, wie der Hafen vor dem Rathaus heißt, wie gemalt aussieht. Viel Blau, etwas Weiß, ein paar Möwen und Fischbrötchen. Ein Museumshafen, mit Schiffen, die zu besichtigen sind, manche davon auch zu Restaurants umgebaut. Der richtige Hafen liegt ein paar Kilometer vor der Stadt. Weniger idyllisch.

Inzwischen hat sich sogar Emden feingemacht. Ist für den Tourismus herausgeputzt. Das ist bestimmt gut oder schlecht.

Foto: Manfred Voita

Meine, unsere ehemalige Stammkneipe ist zu einem Geschäft für maritimes Gedöns umgebaut worden. Lange Nächte waren das, die am frühen Abend begannen und später irgendwo endeten. Hafenstadt eben, keine Sperrstunde. Große Gläser Hannen Alt. Keine Werbung. Das gab es da eben. Ich hätte auch jedes andere Alt getrunken. Vermutlich.

In meiner Erinnerung war nie Sommer in der Stadt. Immer Herbst oder Winter. Kann nicht stimmen, gleicht sich aber mit den Kindheitserinnerung aus, die mir ewigen Sommer vorgaukeln. Ich mag Ostfriesland bei Regen und Wind. Hejo, spann den Wagen an, denn der Wind treibt Regen übers Land…

Nachts, manchmal auch erst am frühen Morgen, ein paar Kilometer zu Fuß bis nach Emden-Borssum, Nachbarn grüßen mit einem spöttischen Guten Morgen, Nachbarn, die sonst den ganzen Tag über ihr Moin schmettern. Hochhaus, WG im ich weiß nicht mehr wievielten Stockwerk. Keine Gardinen, die helle Sonne bringt trotzdem nichts an den Tag. Augen zu und durch.

Bernie Brösel und Harry Hirsch, ja, ich weiß, die hießen nicht wirklich so, aber das waren eben ihre Namen. Nie im Appelboom, aber im Big Bird, der Diskothek, die natürlich noch nicht Disko war und noch längst kein Club, die aber so aussah. Sessel, Sofas, gute Musik. Oder was ich damals für gute Musik hielt. Und was mir wahrscheinlich immer noch gefallen würde, wüsste ich noch, was damals lief.

Wenig Geld, Seminare, Steuerlehre, Kostenrechnung. Wissenschaftstheorie. Kaum noch Spuren jener Jahre. Bei mir schon, in Emden nicht. Sogar die Hochbunker sehen freundlicher aus. Nur das alte Hertiekaufhaus, in dem ich mein erstes Buch von Arno Schmidt kaufte, Brand’s Haide übrigens, steht leer.

Siehste, hätte Arno wohl gesagt. Typisch.

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5 Gedanken zu “An allen Enden: Emden

  1. Emden. Als Ostfrieslandliebhaber waren wir auch einige Male dort. Zugegeben, Liebe auf den ersten Blick war es zunächst nicht, doch bei den wiederholten Besuchen fanden wir immer mehr Gefallen an dieser Stad, weil wir auch die nahe Umgebung (Kesselschleuse) neugierig betrachteten. Und vor einigen Jahren haben wir Emden als Ziel für ein Familientreffen aus allen Richtungen des Landes ausgeguckt und im Alt-Emder Bürgerhaus gewohnt. War schön. 🙂

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