Am offenen Herzen

Puh, gerade noch mal gut gegangen. Als mutiger Einzelkämpfer stelle ich mich ja seit den späten achtziger Jahren der Marktmacht des amerikanischen Giganten Apple entgegen. Schöne Geräte, klar. Übersichtliche Displays. Bemerkenswert schnell.

Aber, wie gesagt, amerikanischer Gigant, mach ich nicht mit, da bin ich lieber bei einer kleinen Softwareschmiede geblieben, praktisch ein Garagenbetrieb, hab ich bereits auf meinem ersten PC genutzt, damals noch mit Disketten. Floppy Disk. Das waren noch Zeiten. Ich weiß nicht, ob sich noch jemand an den Namen des Unternehmens erinnert, ist ja alles lange her. Microsoft? Oh, doch?

Na, jedenfalls haben die, wohltätig und menschenfreundlich wie sie sind, zu ihrem Betriebssystem Windows 10 gerade mal wieder ein Update rausgehauen. Verschenkt! Na, Apple? Da guckst du aber, nicht?

Man zittert ja immer ein bisschen, wenn man die Kontrolle über ein Gerät

aus der Hand gibt, obwohl man sie ja nie hatte. Wer weiß schon, was der Rechner so alles tut und macht, während ich hier nur schreibe. Egal, Windows datet sich up. Nicht über ein Dating-Portal, nicht, dass er da heimlich mit Apple…? Jedenfalls lädt er runter, installiert, startet neu, installiert, startet neu.

Ich könnte ihn ja allein lassen, kann ja ohnehin nichts tun. Aber man traut ja solchen Prozessen nicht. Irgendwann ist jedenfalls alles fertig. Startet neu. Keine Probleme. Erleichterung. Ich habe die Änderungen, die mir Windows großzügig erklären wollte, gleich übersprungen, weiß also nicht, wozu das alles gut war. Werde ich googlen müssen. Ich kann wieder schreiben. Oder rechnen.

Bis diese Meldung kommt. Die hindert mich nicht am Schreiben, ist aber mit einem Signalton verbunden. Systemmeldung. Laufwerk E. Kein Speicherplatz. Und ein Hinweis, wo und wie ich da was löschen könnte.

Geht aber nicht. Da kann man nichts löschen.

Also lebe ich mit dem nervigen Ton, der jetzt allerdings in kurzen Abständen erklingt. Das geht so nicht weiter. Ich google. Finde eine Lösung. Traue ihr nicht. Oder traue mir nicht. Sowas mit Eingabeaufforderung und Laufwerksbuchstabe und DiskPart. Unangenehm. Das erinnert doch sehr daran, dass es nicht nur diese glatte Windowsoberfläche gibt, sondern dass da im Keller gearbeitet wird. Programmiersprache. Bits und Bytes werden hin und hergeschoben.

Nichts, was sich mit der Maus erledigen ließe. Praktisch am Straßenrand anhalten, Motorhaube auf und gucken. Bis dahin geht es noch, ab da weicht meine Kompetenz der Panik. DOS konnte ich mal. Also ein paar Befehle, so viel, wie man brauchte, um Anfänger zu beeindrucken. Aber darum geht es jetzt nicht. Laufwerk E und die Systemmeldung stören ganz gewaltig.

Ich muss also ran, drucke mir die Anleitung aus. Leider winzig. 8 Punkt Schrift oder so. Trotzdem, hat ohnehin viel Schwarz verbraucht, also weiter. Schritt für Schritt arbeite ich mich durch die Anleitung. Also es sind drei Schritte. Das Programm suchen. Das Verzeichnis anzeigen lassen. Den Laufwerksbuchstaben ändern.

DISKPART: Remove letter=e

„Der Laufwerksbuchstabe oder der Bereitstellungspunkt wurde erfolgreich entfernt.“

Und jetzt? Die Anleitung endet hier. Hilfe. Ich stecke fest im Windows-System. Auf der Befehlsebene. Wieso habe ich den blöden screenshot vorher nicht zu Ende gelesen? Enter vielleicht?

DISKPART:

Äh, ja. Da war was. Damals bei DOS. Vor 30 Jahren. Das müsste ich doch noch wissen. ESC funktioniert auch nicht. Es muss schon Text sein. Ein Befehl… EXIT. JA!

Raus. Ich bin raus. Der Rechner läuft noch, keine Warnmeldungen mehr. Vermutlich brodelt es jetzt irgendwo im System, aber ich habe Ruhe. Und ich höre die MAC-Gemeinde schon murmeln: AN APPLE A DAY…“

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14 Gedanken zu “Am offenen Herzen

  1. „Ab da weicht meine Kompetenz der Panik“ – könnte mein Motto als blanker User der Digitalisierung meiner Lebenswelt sein. Hilferufe immer an den Sohn (22) und den Nachbarn (27). Obwohl auch ich schon in den End80ern mit Floppys & Disketten ungelenk hantiert habe. Ahnung trotzdem null. EXIT wäre ein Ausweg, aber schön isses schon mit den Bits und den Kids, den digitalgeborenen. – Insofern: Empathische Grüße!

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  2. Wenn gar nichts mehr geht, kann man immer noch einen Kaltstart versuchen: So lange den Ein-/Ausschalter am Gerät drücken, bis es abschmiert, dann neu starten. Wenn es dann trotzdem nicht normal hochfahren will, im sogenannten abgesicherten Modus (oder wie das heißt) starten und den Computer auf einen früheren Zustand zurücksetzen. Das hat mir schon ein paarmal den Ar…m gerettet. Appel hat sowas nicht, soviel ich weiß. Aber auch bei Microsoft wird das bißchen Motorhaubenguckerei, das uns bis jetzt noch vergönnt ist, immer mehr verschwinden, befürchte ich.

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  3. Du weckst alte Erinnerungen: 1985 war Pascal-Programmieren der neuste Schrei für Studienanfänger (obligatorische Vorlesung auf Englisch bei einem Amerikaner). Und wo haben wir das angewendet: Auf den erstes Apple-Kisten 🙂
    Heute baue ich auf Diversifizierung: Deine Artikel lese ich mit dem Apfel, und meine Texte schreibe ich mit dem kleinen Weichen.

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    • Ich hab mit Basic angefangen, später ein bisschen Pascal und etwas C++. Das war gut, um die Logik zu verstehen, die hinter all dem steht. Es hat auch Spaß gemacht, damit zu spielen, kleine Programme zu erstellen und zu testen. So weiß man es erst recht zu schätzen, was für ein Aufwand hinter einem Softwareprodukt steht.

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  4. Angenommen wir fahren schön auf der Autobahn, als plötzlich aus dem Off ein paar Monteure angeflogen kommen, uns an den Rand zwingen und das Auto umbauen. „Update, hihi!“ An diesen kuriosen Vorgang haben wir uns beim Rechner längst gewöhnt. Ich reagiere noch immer unwillig, wenn das was upgedatet wird, weil ich argwöhne, es geht es nur um die Rechtschreibkorrektur einer höchst selten auftretenden Fehlermeldung, deretwegen man mir den Rechner stilllegt. Die von dir geschildere Sorge vor dem Kontrollverlust ist ja nicht unbegründet. Im Netz findet sich Klage und bange Anfrage genug. Am Tollsten sind die Lösungsangebote von Nerds, die sich überhaupt nicht in die Hilflosigkeit normaler Nutzer einfühlen können.

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    • Übel sind auch die vermeintlichen Fachleute, die gern mal zu dem Ergebnis kommen, einfach mal alles neu zu installieren. Oder auf Google verweisen.
      Zu den Updates: Wir kaufen nur noch das Gerät. Die Software wird zunehmend zu einem Produkt, das man nur auf Zeit nutzt. Der Anbieter behält sich alle oder zumindest viele Rechte vor. Und ohne die Software ist das Gerät nichts wert. Man sollte auf die Linuxprodukte umsteigen. Sollte…

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  5. …….. bei Apple gibt es alle Betriebssystem-updates traditionell umsonst…… und das mit der Festplatte wäre mit dem integrierten festplattendienstprogramm kein Problem gewesen, vermutlich, vielleicht, unter Umständen …….

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