Piano, Italia

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_B_145_Bild-F013070-0010,_Walsum,_Unterricht_Gastarbeiter.jpg

Den italienischen Neubergleute werden im Unterricht Sitten und Gebräuche in Deutschland erläutert. Quelle: Bundesarchiv

Schon wieder Italien. Meinetwegen müsste das ja nicht sein, aber wir haben ja nun den Euro und die EU und da müssen wir uns kümmern. Die Italiener sind nämlich nicht glücklich mit uns. Wir natürlich auch nicht mit ihnen. Wieso haben die so ein schönes Land und schönes Wetter und wollen dann auch noch eine Regierung? Ach so, den Italienern gefällt nicht, wie wir über sie reden. Und vermutlich noch weniger, wie wir über sie denken. Da kam nämlich mit der Wahl und den Wahlsiegern plötzlich all das wieder hoch, was wir seit den fünfziger Jahren und den ersten Gastarbeitern mühsam zu unterdrücken gelernt haben.

Wollen wir Italien retten oder müssen wir gar Italien retten, ob wir wollen oder nicht? Können wir Italien überhaupt retten? Also ich weiß es nicht. Die deutsche Presse weiß es schon, also das wir nicht wollen, aber vermutlich müssen, weil die Italiener ja eh nie was gescheites hinkriegen. Also müssen wir Deutschen aufräumen, Sparkommissare sind gefragt. Wir könnten Schäuble schicken. Dann haben die Italiener bald auch kaputte Autobahnen, ein vergammelndes Militär und, ach ja, weniger Schulden. Sie importieren dann auch weniger aus Deutschland. Das kostet Arbeitsplätze. Hier.

Aber wozu darüber aufregen? Was mich mehr beschäftigt, das ist der Prozess, der dazu führt, wie in Italien eine Regierung gebildet werden soll. Eurokritisch? Mag ja noch gehen. Ein Deutschlandskeptiker als Minister? Also den ernennt der Staatspräsident schon mal nicht. Wieso wählen wir eigentlich das italienische Parlament nicht gleich selbst? Wir wissen doch, was gut für uns ist. Für die, wollte ich natürlich sagen. Öttinger mischt auch mit. Bezogen auf die negativen Reaktionen der Finanzmärkte sagt er: „Ich kann nur hoffen, dass dies im Wahlkampf eine Rolle spielt im Sinne eines Signals, Populisten von links und rechts nicht in die Regierungsverantwortung zu bringen“. Also passt auf, was die Märkte machen, bevor ihr eine Wahl trefft.

Aber da habe ich doch gleich einen Lösungsvorschlag. Wieso lassen wir die Märkte nicht gleich über die Regierungen abstimmen? Das geht auch sehr, nun, vielleicht nicht gerade demokratisch, aber doch im Sinne von Mehrheitsentscheidungen. Wer mitmachen möchte, erwirbt einfach Wertpapiere, am besten schon viele Wertpapiere, denn mit dem Kauf oder Verkauf einer VW-Aktie lässt sich natürlich kein italienischer Ministerpräsident bestellen oder verhindern.

Die Koppelung an die Kursentwicklung der Börse wäre simpel. Montags wird ein Kandidat benannt, steigt der DAX, dann ist er gewählt, fällt der DAX, kommt es am Dienstag mit einem neuen Kandidaten zu einem weiteren Versuch. Wird schon klappen und ist fairer, als es das preußische Dreiklassenwahlrecht je war. Da durften nur Männer ab 25 wählen, die nicht dem Staat zur Last fielen. Es wäre sogar übernational, denn Aktien darf ja jeder kaufen. Viel besser als das Televoting.

Marktkonforme Demokratie, ja, so könnte man das nennen. Oh, ein Problem bliebe da noch. Kann man irgendwie verhindern, dass die Italiener Aktien kaufen?

15 Gedanken zu “Piano, Italia

  1. Guter Beitrag, Manfred. Also regiert Frau Angela Merkel seit 2005 mit dem Segen „der Märkte“, oder was soll ihr Gerede von der „martkonformen Demokratie?“ Ich finde toll, dass Oettinger mal ausgeplaudert hat, wer in Europa eigentlich das Sagen hat. Die Italiener können mit ihren paar Kröten ruhig Aktien kaufen, gegen die Macht großer Hedgefonts oder der Fondsgesellschaft BlackRock mit
    einem Kapital von 6,29 Billionen US-Dollar (Stand: 31. Dezember 201) kommt keine Volkswirtschaft an.

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  2. Das Problem ist ja, das diese Italiener diesen Öttinger nicht verstehen und scheinbar keine Bock haben, endlich Deutsch zu lernen. Sonst würden sie die Lex Öttingeriensis schon verstehen. Lex mich am Arsch …

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  3. Seit wieviel Jahren wird Italien als bankrott und am Ende erklärt? Bestimmt schon seit 50 und wie ist es wirklich? Italien lebt und das noch besser als D, weil es eben lebt und nicht darauf schaut was D denkt. Bitte weiter so!

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  4. Es gibt ist in der Politik in Italien ein bisschen wie mit dem Verkehr. Da verstehen wir auch nicht, wie er funktioniert und wundern uns, dass er funktioniert.
    Ein guter Beitrag. Ich werde ihn vorlesen, wenn ich wieder gefragt werde, was da in Italien gerade passiert. Meine Freunde zwischen Verona und Neapel fragen mich das auch. Allerdings fragen die, wie das in Deutschland so funktioniert. Mit der Arroganz und dem Gefühl sowieso alles besser zu wissen und dabei einiges nicht auf die Reihe zu bekommen.

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    • Ja. Aber es ist die Politik der Parteien und Staaten Europas, die die Menschen oft genug ratlos und schlimmer noch hilflos zurücklässt. Populisten nutzen die Glaubwürdigkeitslücke.

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      • Vor etwas mehr als einem Jahr haben Juncker und seine Leute ein Weissbuch veröffentlicht, das fünf Szenarien enthält, wie sich die EU bis zum Jahr 2025 entwickelt haben könnte. Es reicht vom „Weiter wie bisher“ bis zu „viel mehr gemeinsames Handeln“. Ein Szenario hat Juncker allerdings weggelassen, dabei hatte er es selbst 2014 bei seinem Amtsantritt an die Wand gemalt. Damals sprach er von einer Kommission „der letzten Chance“. Entweder man bringe die europäischen Bürger näher an Europa, oder man werde scheitern. Muss das sechste Szenario also lauten: Alles geht den Bach runter?

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      • Letzte Chancen werden immer gern ausgerufen, um dann doch wieder nichts zu ändern, jedenfalls nichts in Bewegung zu bringen. Die europäische Idee als Friedensidee ist sicher überzeugend, als Währungsunion und Wirtschaftsunion, die zugleich die Abgrenzung zu Russland sichern soll, findet sie Zustimmung nur bei denen, die unmittelbar profitieren. Mir lassen allerdings die Konflikte zwischen den Mitgliedsstaaten nicht gerade viel Hoffnung auf Besserung, wenn die Union auseinanderfallen sollte.

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      • Vielleicht sollte man die Europäische Union doch auflösen. Bei einer möglichen Gründung einer EU2 würden die Beteiligten eine Gelegenheit bekommen, sich die Motive ihrer Mitgliedschaft genauer zu überlegen. Natürlich wären die Nein-Nationen die ersten, die gern noch einmal dabei wären. Andere würde man aufgrund schlechter Erfahrungen mit ihnen bei einem zweiten Versuch nicht wieder einladen.

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  5. Schőne beitrag .nicht vergessen das deutschland auch vor Fr.Merkel bis heute 7 oder 8 jahre gebraucht hat ,und einem mittelmäsig regierug zu haben .bin bissen andere meinug .italien wird wieder aufstehen allein .ich bin geburtiger italiener un lebe seid 80 jahre in berlin und gehen in die regel 2 bis 3 mal zu hause im jahre .kleine bs.in sommer muss ich zitrone und verchieden geműse aus andere länder weil di eu inponiert uns .und wir mussen locher machen und alle buddeln .ud damit geht fast um alles .ich war sehr gluck.das alle in europa sind ,in momen bin aber nicht mehr so sicher .trozdemm schöne artikel .grazie .

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