Friesland (5): Frau Zelle

Margaretha Geertruida Zelle? Nie gehört? Im Frühjahr des Jahres 1905 wurde aus der in Leeuwarden geborenen jungen Frau die exotische Tänzerin Mata Hari. Auch wenn sie mit ihren Auftritten europaweiten Ruhm erlangte, wäre sie wohl längst vergessen, doch ihr Tod sorgte dafür, dass sie Menschen bis heute beschäftigt. Sachbücher und Romane, Dokumentationen und Spielfilme widmen sich ihrer Geschichte, das Friese Museum in Leeuwarden zeigt gerade eine große Ausstellung.

Die Ausstellung fügt dem, was man über Mata Hari weiß, wenig hinzu. Was nicht heißen soll, dass die Ausstellung schlecht ist. Sie ist etwas für Leser, für Menschen, die sich die Zeit nehmen, dem Leben der Frau zu folgen, die als Margaretha Geertruida Zelle geboren wurde und als Mata Hari sterben musste. Es gibt viele Bilder und Zeitungsberichte über ihre Karriere als Tänzerin, es gibt Verhörprotokolle und Briefe, das Todesurteil und einige Gegenstände, die sich in ihrem Besitz befunden haben oder möglicherweise befunden haben könnten. Eigentlich interessieren mich die Details nicht sonderlich. Eine hübsche junge Frau trifft fatale Entscheidungen, eine gehörige Portion Naivität kommt sicher dazu, sie gerät in eine wirtschaftliche Notlage und auf die berühmte schiefe Bahn.

Heute wäre sie vermutlich Pornodarstellerin geworden, damals war die exotische Tänzerin mindestens so verrucht, aber sicher lukrativer und in manchen Kreisen eine Trophäe, mit der man sich gern zeigte. Bis dahin alles gut,  nein, alles schlecht, es ist schlimm, dass sie ihre Tochter nicht mehr sehen kann, dass sie tanzen muss, um leben zu können und sei es auch, um gut leben zu können, denn natürlich hat sie, wie jeder andere Mensch auch, einen Anspruch darauf, gut zu leben, nicht nur zu überleben. Sie hat gern getanzt, sie mochte Offiziere und hat ihre Affären, soweit man das von heute aus beurteilen kann, wohl auch ausgekostet.

Geld kam, Geld ging. Als der Krieg ausbrach, wurde es für sie wieder schwer, ihren Lebensstandard zu halten. In dieser Situation trat der deutsche Geheimdienst an sie heran und bot ihr Geld. Sie unterschrieb ihr Todesurteil eigentlich an dem Tag, an dem sie sich darauf einließ. Es wurde am am 15.10.1917 in Frankreich vollstreckt. Noch immer ist unklar, ob sie je irgendwelche wichtigen Informationen geliefert hat.

Schöne Frau, Sex, Spionage, Todesurteil. Ein Stoff für die Ewigkeit war geboren.

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8 Gedanken zu “Friesland (5): Frau Zelle

  1. Pingback: Friesland (4): Leeuwarden | Manfred Voita

    • In Leeuwarden hatte man lange Zeit Probleme damit, dass Mata Hari als bekannte Persönlichkeit der Stadt gelten und gewürdigt werden sollte. Politiker oder Fußballer, zur Not auch Literaten oder Maler, okay, aber eine halbseidene Spionin?

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      • Heute kann jeder seinen Herkunftsort vertreten, selbst der halbseidene Goethe dieses Frankfurt am Main oder Gesangswunder Mickie Krause Wettringen nebenan. Kurz: Ich halte es mit Jules: Lange hält man es nur kurz aus. Fast überall!

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