Friesland (3): Angekommen

Eigenes Foto

Leeuwarden ist 2018 nicht nur die Hauptstadt der Provinz Friesland, sondern, wie schon an anderer Stelle geschrieben, Kulturhauptstadt Europas. Eine kleine Hauptstadt mit knapp 110.000 Einwohnern, aber eine Stadt, die auch ohne die Veranstaltungen, die 2018 über das Jahr verteilt für eine Menge Leben sorgen werden, bemerkenswert ist. Wohin? fragten mich manche, als wir unsere Tour planten. Die Stadt liegt etwa 270 Kilometer nordwestlich von Warendorf und harrt offenbar noch ihrer Entdeckung durch die deutschen Reisenden. Nein, es liegt wohl nicht am Fries, das dort gesprochen wird, einer Sprache, die auch für Niederländer weitgehend unverständlich ist. oersethelp.nl bietet sogar ein Übersetzungsprogramm Nederlands – Frysk und umgekehrt.

Bûter, brea, en griene tsiis; wa’t dat net sizze kin, is gjin oprjochte Fries.

Boter, roggebrood, en groene kaas, wie dat niet kan zeggen, is geen oprechte Fries.

Und zur Sicherheit die deutsche Übersetzung: Butter, Roggenbrot und grüner Käse, wer das nicht sagen kann, ist kein aufrechter Friese. Und so klingt es.

Vor gut 500 Jahren gab es einen Aufstand der Friesen gegen die niederländischen Besatzer und der kleine Vers soll geholfen haben, Niederländer zu erkennen und..äh… also kein Niederländisch zu können, war jedenfalls früher eindeutig ein Vorteil, wenn man nach Friesland kam.

Grüner Käse ist übrigens keineswegs unbedingt grün, es gibt wohl kein einheitliches Rezept. Einst soll er durch hinzugefügten Petersiliensaft wirklich grün gewesen sein. Heute darf es auch mal der Friese Nagelkaas sein, ein Hartkäse, der mit Nelken und Kümmel zubereitet wird. Leeuwarden, das ungefähr Leowarden ausgesprochen wird, heißt übrigens auf Friesisch Ljouwert.

Eigens Foto

Frei übersetzt steht auf dieser Metallplatte, einer von vielen, die in Leeuwarden in das Straßenpflaster eingelassen sind:

Friesland

Nicht in meinen Dörfern und meinen elf Städten,
nicht in meinen Seen und meinen Herrlichkeiten,
bin ich am meisten ich selbst, sondern in meiner Sprache:
dem Instrument, durch das ich Atem hole.

Ed. Hoornik

Teil 4

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8 Gedanken zu “Friesland (3): Angekommen

    • iepen mienskip, so lautet das Motto der Kulturhauptstadt, was so viel wie offene Gemeinschaft heißt, aber von keinem Fremden verstanden wird. Eine Minderheitensprache schafft Identifikation, grenzt aber natürlich auch aus.

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    • Die Beleuchtung der Stadt war ungewöhnlich. Keine Ahnung, ob und wann die weihnachtlich wirkenden Lichter wieder in den Schrank zurück dürfen, aber bei Dunkelheit haben sie, wie auch die dezent ausgeleuchteten Grachtenbrücken schon ihren Reiz.

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  1. Da ist dir schon mal ein stimmungsvolles Foto gelungen, Kompliment! So hat auch ein winterlicher Besuch seinen Reiz. In den letzten Tagen muss ich ob der Kälte öfter an Leeuwarden und die elf steden denken und hoffe, dass mal wieder die elfstedentocht über die zugefrorenen Kanäle stattfinden kann. Aber angesichts der Klimaerwärmung könnte die von 1997 die letzte gewesen sein.

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  2. Pingback: Friesland (2): Unterwegs | Manfred Voita

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