Schwarze Listen

Von Anticommunist_Literature_1950s.tiff: anonymousderivative work:

Die EU hat sich dazu durchgerungen, eine schwarze Liste der Steueroasen zu veröffentlichen.  Der 17 Steueroasen, die nicht bereit sind, mit der EU zu kooperieren. Nicht der Steueroasen überhaupt. Das will keiner. Oder doch, schon, das wollen fast alle, nur die Steuerhinterzieher und die Politik hätten das nicht so gern. Es gibt auch eine graue Liste der 47 Länder, die kooperieren wollen und bei denen zu kontrollieren ist, ob sie sich ihren Versprechen gemäß verhalten. EU-Länder sind natürlich nicht auf einer der Listen, was nicht heißt, dass es innerhalb der EU keine Steueroasen gibt. Aber EU-Länder wissen selbstverständlich zu verhindern, dass sie in der EU an den Pranger gestellt werden.

Immerhin 92 Länder sollen von der EU überprüft worden sein. Offensichtlich, so wird von gewöhnlich gut unterrichteten Greisen erzählt, habe bereits diese Prüfung dazu geführt, dass sich Wohlverhalten ausgebreitet habe. Ich nehme an, dass das Gegenteil stimmt. Die Prüfungen haben so viel Gegendruck erzeugt, dass manche eben nicht auf die Listen kamen.

Schwarze Listen gab es immer wieder. Eine der bekanntesten Listen wurde in den fünfziger Jahren in Hollywood geführt, als Senator McCarthy überall antiamerikanische Untriebe witterte. Schauspielen, Regisseure, Drehbuchautoren. Künstler standen schon immer im Verdacht, nicht ganz linientreu zu sein. Thomas Mann, der Urtyp des bürgerlichen, wenn  nicht gar großbürgerlichen Schriftstellers, wurde als Apologet Stalins denunziert. Chaplin durfte nicht wieder einreisen, Hanns Eisler wurde des Landes verwiesen. Bert Brecht reiste selbst aus.

So muss man das machen, so funktioniert eine schwarze Liste. Druck machen, Konsequenzen ziehen. Nein, ich will hier nicht McCarthy rechtfertigen, der Mann war ein Kommunistenfresser, der irgendwann hinter jeder Abweichung von seinem Weltbild die Revolution vermutete.

Die schwarze Liste, die von der EU veröffentlich wurde, ist hingegen völlig folgenlos. Dazu gibt es gratis auch noch den Hinweis, dass die EU-Länder sich auf Sanktionen nicht einigen konnten.

Eigentlich wird hier ganz deutlich und in aller Öffentlichkeit einmal laut „Igitt!“ gesagt, aber nicht mal ein „Nicht wieder tun!“ angehängt.

Das ist doch mal ein Modell für unsere inländische Rechtsprechung. Wir verzichten auf Gerichte und hängen monatlich eine Liste der Städte aus, in denen besonders viele Verbrechen begangen wurden. Ich wäre gespannt auf die Wirkung.

3 Gedanken zu “Schwarze Listen

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