Lesbare Stadt: Enschede

Und wieder ein Mauergedicht aus Enschede, gut, diesmal nicht tatsächlich auf einer Mauer.

Ich versuche mal eine Übersetzung, für Korrekturen bin ich dankbar!

Packerei

Ein gewöhnlicher Dienstagabend und

betrunken schreitet es heimwärts:

– die Zukunft –

lässt von sich hören

Wir kümmern uns auch um persönliche

Entwicklung

– meine Dame –

Auf dem Boden eines jeden Glases

ein Plan

 

und da ist wieder ein Wackelkontakt

Überprüfung Jacke und Schlips

 

Die Zukunft

bewegt sich wohl schwankend.

13 Gedanken zu “Lesbare Stadt: Enschede

      • Ich habe auch schon länger darüber nachgedacht. Schreiten ist ja das Verb zu Schritt, insofern stimmt die wörtliche Übersetzung. Im Deutschen werden Schritte gegangen. Gehen würde also auch passen. Im Stolzieren schwingt leider der Stolz mit.

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      • Das Stolzieren hat aber auch eine komische, weil übertriebene Seite. Gehen wäre mir zu neutral. Übrigens: Genau das ist der Reiz des Übersetzens, das Ringen um das eine richtige Wort, das, wie du schon geschrieben hast, durchaus nicht die wörtliche Übersetzung sein muss, sondern den Sinn des Textes transportieren kann.

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      • Ja. Ob wir jetzt Schreiten, Gehen, Stolzieren, Wanken, Tappen oder Torkeln bevorzugen, immer kann es passieren, dass wir eine Bedeutung in die Übersetzung hineinlegen, die im Original fehlt. Ich kann nicht beurteilen, welche Nuance dem Original nahekommt. Man müsste hier einen Niederländer mit Deutschkenntnissen zu Rate ziehen.

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      • Genau, man muss schon mit beiden Sprachen sehr vertraut sein, um einerseits den Text verstehen und andererseits in die andere Sprache übertragen zu können. Wenn ich nur an die ganzen idiomatischen Wendungen denke, die es zu kennen und zu beachten gilt. Was Luther, Goethe oder die Werbesprache bei uns fest verankert haben, ist ja auch für den Ausländer nicht leicht zu entschlüsseln. Ein schönes Beispiel, nein, eine Geschichte, die mir im Zusammenhang mit diesen kulturellen Differenzen einfällt, habe ich vor wenigen Wochen erlebt. Bei einer Beerdigung gab es Kuchen, den eine Niederländerin als ihren üblichen Geburtstagskuchen identifizierte. Natürlich konnte ich es nicht unterlassen, sie darauf hinzweisen, dass das zumindest in der Grafschaft Bentheim der klassische Beerdigungskuchen ist.

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      • Dass nicht mal Deutsch gleich Deutsch ist, mussten die DDR-Bürger nach der Wende zuerst lernen. Das Germanistische Institut der Universität Halle unterhielt noch in den 1990er Jahren einen Deutsch-Deutschen Übersetzerdienst für die in Westdeutschland gebräuchlichen Synonyme (sinnverwandten Wörter) für gängige ostdeutsche Wörter. Da konnte der irritierte Ostdeutsche anrufen und erfuhr, dass die Kaufhalle jetzt Supermarkt heißt und Bier nicht aus der Büchse getrunken wird, sondern aus der Dose. Der Übersetzerdienst übersetzte den Ostdeutschen laut Bericht in der SZ vom April 1994 die Kleidung mit Outfit und Arbeitstelle mit Job.
        Und, äh, was wars für ein Kuchen?

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  1. Gedichte in einer fremden Sprache zu verstehen bzw zu begreifen, fand ich immer schwierig.
    Im Italienischen, das ich fließend sprach, bin ich immer gescheitert. Die humorvollen gingen noch. Aber viel zweideutiges blieb mir auch nach Jahren noch verborgen.

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