Gartengast

Foto: Elfie Voita

Einer der schöneren Tage der Woche, nachmittags. Eine Tasse Kaffee auf der Terrasse. Also zwei Tassen, genaugenommen. Und Plätzchen. Selbstgebackene. Nicht von mir. Auf dem Kissen eine fette Fliege, die ich mit einem kurzen Klopfen auf das Kissen verscheuche. Nun sitzt sie auf dem Boden – und nur deshalb bemerken wir das grüne Insekt, das sich gerade zielstrebig – sage ich so, keine Ahnung, ob es ein Ziel hatte – am Tisch vorbei bewegt.

Wie an anderer Stelle schon berichtet, erhöht so ein Blog die Aufmerksamkeit auch für Kleinigkeiten, lässt uns genauer hinschauen und einfach mehr sehen. So auch diesmal, das grüne Wesen will allerdings nicht so recht fotografiert werden, ist richtig schnell, verdächtig schnell, fürchtet vielleicht die Identifizierung. Dann gelingt es doch, erst im Schatten, dann im Sonnenlicht. Und erst vergrößert auf dem Display zeigt sich, was für eine Schönheit wir da getroffen haben. Wie kräftig die Farbkontraste sind, wie filigran die Fühler. Aber man gibt sich ja nicht mitr einer flüchtigen Bekanntschaft zufrieden, will ja wissen, wen man da getroffen hat, wer da in der Nachbarschaft lebt. Käfer, denke ich, aber schon, als ich den Suchbegriff eingeben will, ist da eine andere Idee.

Wanze. Auf der Mauer, auf der Lauer. Nein, die sind mir nicht aus dem Haus vertraut, aus dem Bett womöglich. Wir sind auch nicht verwanzt. Nehme ich an. Oder verlaust. Hören vielleicht die Flöhe husten. Insekten mit einem Imageproblem. Keine süßen Käfer. Wer würde schon eine Glückswanze verschenken? Oder bei Feinkost Wanze kaufen? Einen VW-Wanze fahren wollen? Maiwanzen sammeln.

Trotzdem arbeite ich mich durch die Seiten, die sich mit Wanzen beschäftigen. Nicht ganz leicht, es gibt wirklich viele unterschiedliche Arten, aber schließlich habe ich unseren Besucher identifiziert:  die Wipfel-Stachelwanze (Acanthosoma haemorrhoidale).  Mit diesem Namen wird es leider nichts mit einer Karriere als Fotomodell.

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14 Gedanken zu “Gartengast

  1. Eingangs schilderst du ja das schöne Drumherum des Sommertags, bevor du den Blick auf die Wanze lenkst. Ich kann es kaum in Worte fassen, aber obwohl sich alle Augen auf die Wanze richten, die mit ihrer Farbenpracht zu faszinieren weiß, bin ich gedanklich noch immer beim Geschehen im Off des Bildes, wie ihr gemütlich da sitzt, Kaffee trinkt, eventuell Kekse tunkt, eine(r) die Wanze entdeckt, eine Kamera geholt wird, zwei Fotos gemacht werden. Was wurde gesprochen? Und wohin verschwand danach die Wanze?

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    • Die Wanze ist da, huscht in Panik über die Betonplatten. Panik unterstelle ich, bei uns bricht nur Hektik aus. Beide versuchen wir, das Insekt vor die Kamera zu bringen, stellen ihm Schuhe in den Weg, werden sogar handgreiflich. Die Kleine liegt verzweifelt strampelnd auf dem Rücken. Was für eine schöne gelbe Unterseite. Und so viele niedliche kleine zappelnde Beinchen. Sie schafft es, wendet sich und will wieder aus dem Bild. Schatten. Nein, das wird nichts mit deinen Bildern, da brauchen wir mehr Licht. Du wirfst den Schatten, also bitte mal zu Seite. Dann Sonne, viel zu hell, jetzt wirft sogar die Wanze einen Schatten. Eine Fotoserie. Mal schauen, ob was Brauchbares dabei ist. Übrigens ist jetzt der Kaffee kalt. Wo ist denn nun die Wanze? Schau doch mal, da klebt was grünes unter deinem Schuh.

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