Kurzgeschichte: Morgengrau

Es war eine Schnapsidee gewesen, mit gepacktem Koffer und Kreditkarte zum Flughafen zu fahren und das nächstbeste Last-Minute-Angebot zu nutzen.

Als mich die Stewardess weckte um mir zu sagen, dass ich mich für den Landeanflug anschnallen müsse, hatte ich längst wieder vergessen, wohin der Flieger überhaupt ging. Die Getränke an Bord waren mit im Preis gewesen, halfen gegen Flugangst – und ich hatte eine Menge Angst!

Der Busfahrer, der den Transfer zum Hotel übernahm, sprach nicht, jedenfalls nicht mit uns Reisenden und als uns die deutschsprachige Reiseleitung im Hotel begrüßte, gab es Cocktails, all inclusive eben.

Ich hatte das Standardpaket gebucht, Sommer, Sonne, Meer, Unterkunft und Verpflegung, Getränke inklusive. An die folgenden Tage habe ich keine konkreten Erinnerungen, es war ja Urlaub. Dann wachte ich auf, es war heiß, es war hart und es war draußen. Keine Ahnung, wo ich war oder wie ich da hingekommen war. Filmriss. Und dann stand da noch ein Esel und starrte mich tieftraurig an.

Plötzlich wurde es laut. Ein zorniger Bauer, dann ein Uniformierter, ein Palaver, immer wieder Hände, die auf den Esel deuteten, dann auf mich. Ein Baum, ein Seil, eine Schlinge, jemand pfiff die Melodie aus „Spiel mir das Lied vom Tod“. Irgendwie hatte ich plötzlich mein Portemonnaie in der Hand und… ja, nun stehe ich hier vor dem Hotel und frage mich, wie ich mit meinem Esel da rein komme.

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8 Gedanken zu “Kurzgeschichte: Morgengrau

  1. Ich finde, jeder Tourist, der den Balkan bereist, sollte einen Esel kaufen und darauf die Heimreise antreten. Das würde das einheimische Eselzuchtgewerbe stärken, die umweltschädliche Vielfliegerei eindämmen, und der Tourist hätte genug Zeit, Land und Leute kennenzulernen. (Heilsam für solche wie dein Protagonist, der nicht mal weiß, wohin er fliegt.)

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