Tiefdruckgebiete

Eigenes Bild

Grau. Dahinter noch mehr grau. Aber das kann man nicht so gut sehen, weil zwischen dem Grau im Vordergrund und dem im Hintergrund so viel Bewegung ist. Wasser. Es schüttet, plästert, gießt. Noch viel mehr. Offenbar haben Menschen in unseren Breiten lange vor dem Fenster gestanden, unter einem Baum, einem Türvorsprung oder was auch immer sie geschützt haben mag, und dabei darüber nachgedacht, wie sie das, was da prasselt, nennen könnten.

Regen, nee, Mairegen bringt Segen und so, das passt nicht, wenn es richtig nass wird, wenn vom Himmel fällt, als würde es nie wieder aufhören. Wolkenbruch. Kann ich mir nicht vorstellen. Aus dem Naschkramfachgeschäft kenne ich Nussbruch. Es klappert an den Fenstern, knackt. Tropfen, die von irgendwelchen Überständen fallen, auf Metall treffen. Klack.

Es gurgelt, staut sich, dreht sich vor dem Abfluss auf der Straße, ein Bächlein, hoffentlich nicht bald ein Bach. Habe ich Gummistiefel im Haus? Früher war das ja anders. Da wartete ich darauf, dass es ein wenig nachließ, nur etwas, damit ich raus konnte, rein in diese eingeweichte, durchgespülte Welt, in der es noch tropfte, immer in den Nacken natürlich. Pfützen überspringen, kleine Rinnsale aufstauen, Stöckchen schwimmen lassen. Dem Nachbarn zuschauen, der zwei Rinder in diesen merkwürdigen Kasten zerrt. Dann zwei Hühner. Komisch.

Jetzt lässt es nach, nur noch ein paar Tropfen. Die Alltagsgeräusche kehren zurück, Hühner in der Nähe, die jetzt vermutlich auf die Suche nach Regenwürmern gehen. Keine Ahnung, warum die Regenwürmer heißen. Im Norden – und damit meine ich Ostfriesland – gab es diese Tage, okay, die wird es hier auch so geben, aber wirklich sehen und erinnern kann man nur, was man als Kind erlebt hat, behaupte ich jetzt einfach so, an denen dann die Sonne durchkam, plötzlich, der Himmel wie gewaschen, das Land tropfnass und ein wenig Wärme auf der Haut.

Nicht dran zu denken. Da hinten ist es immer noch grau.

7 Gedanken zu “Tiefdruckgebiete

  1. Vor kurzem war der berühmte Enniger Markt. Erster Tag Sonne, blauester Himmel, 29°. Zweiter Tag Dauerregen, grauester Himmel, Temperatursturz. Also alles wie oben beschrieben. Und aber natürlich die Kinder: Tolle Pfützen, Schuhwerk egal und Zunge raus den Regen auffangen. Tja, irgendwann werden die auch ’schlechtes‘ Wetter kennen …

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