Der Satz im Silbensee

Von WolfD59 – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37643605

Dass unsere Sprache lebt, ist so selbstverständlich, dass kaum jemand dieser Aussage widersprechen wird. Wobei ich persönlich noch nicht gesehen habe, dass bei einer nicht fachgerechten Silbentrennung Blut ausgetreten wäre oder Klammern nur von Medizinern bei mindestens  örtlicher Betäubung gesetzt würden.  Bußgelder wegen grob fahrlässiger Adjektivverwendung oder Überschreitung der maximalen Satzlänge sind mir auch noch nicht untergekommen. Ebenson weiß ich nichts über einer Assoziationskettenpflicht im Winter.

Dennoch: Die Sprache lebt, wie ich erst in den letzten Tagen wieder feststellen konnte/durfte/musste. Drei besonders schöne Wortschöpfungen, die mir persönlich zu Ohren kamen,  möchte ich hiermit auswildern, antreten lassen im großen Ringen der sprachenlichen Evolution, verbunden mit der Hoffung, ihnen nie wieder zu begegnen. Und hier sind sie:

ausgeklüngelt

abgekatert

Gefahr im Vollzug

Wie gut, dass es das Internet gibt, sonst hätte ich mir nie die Mühe gemacht, mir diese Überschrift auszudenken. Wie doof, dass es das Internet gibt, sonst hätte ich das nie erfahren, dass es die Überschrift, auf die ich so stolz war, schon als Buchtitel gibt.

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17 Gedanken zu “Der Satz im Silbensee

  1. Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass alle Gedanken bereits gedacht wurden. Es ist also sicher verzeihlich sie ein weiteres Mal zu verwenden. Die Alternative, nicht mehr zu denken oder zu erdenken, ist keine.
    Ich las die Überschrift das erste mal und mag sie. Genauso wie die anderen Wortspiele.

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      • Der älteste Text der Menschheit, das Gilgamesch-Epos, habt an mit der Klage, dass je schon alle Geschichten erzählt seien. Wir aber kennen die Geschichten nicht, denn davor, alles immer und immer zu wiederholen, schützt das Vergessen und Versinken von Texten. Leider heißt es: Das Internet vergisst nichts. Vor allem zeigt es, dass viele Ideen kein Allleinstellungsmerkmal haben. Das Wortspiel: „Der Satz im Silbensee“ kann verschiedenen Menschen zu unterschiedlichen Zeiten einfallen. Wegen solcher Dopplungsgefahren kann man übrigens Titelschutz nach dem Markenrecht beantragen, bevor ein Buch überhaupt erscheint.
        ausgeklüngelt, abgekatert, Gefahr im Vollzug – sind schöne Wortprägungen, mir noch nicht begegnet.

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      • Wir neigen ja auch dazu, die Neuschöpfungen unserer Umwelt nicht als solche zu hören, sondern den Sinn zu erfassen und den Rest zu ignorieren. Es ist ganz spannend, wenn man tatsächlich mal hinhört. Bei Redensarten und Sprichwörtern ist eine Menge in Bewegung – denn es ist noch kein früher Vogel vom Himmel gefallen.

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  2. „Ausklüngeln“ leuchtet unmittelbar ein, und da das Wort ausgewildert wurde, ist es herrenlos und ich eigne es mir hiermit an. Dritte dürfen es jetzt nicht mehr lizenzfrei verwenden.

    „Abkatern“ wiederum eröffnet etliche Interpretations- bzw. Verwendungsmöglichkeiten, und da ich mit dem Alter immer denkfauler werde, hätte ich es gerne in seinem bevorzugten Bedeutungszusammenhalt erklärt.

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  3. Daß Du uns hier ein Wort unterjubeln willst, ist hoffentlich kein abgekartetes Spiel? Ich verweigere die Annahme, „abkatern“ kannst Du schön behalten. Zum Trost biete ich Dir ein anderes an: Vorhin wollte ich „heimlich“ schreiben, dann stand da aber plötzlich „heimloch“. Was soll das jetzt wieder bedeuten? Heimloch … heimloch … keine Ahnung, aber ganz geheuer ist es mir nicht. Du kannst es gerne haben.

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  4. Völlig abgekatert lese ich Ihren ausgeklüngelt amüsanten Text zu S(ch)ätzchen im Silbensee. Hier ist wohl Gefahr im Vollzug, vermeldet irgendeine meiner Hirnrinden und weißt mich auf Ihr großartiges und ziemlich altägyptisch anmutende Werk, in welchem der mächtige Vogel dem Spaßmacher zeigt, wo’s langgeht … 🙂

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  5. Das Wort ausgeklüngelt gefällt mir ganz gut. 🙂
    Das sollte man den Kölner Politikern mal empfehlen.

    Gefahr im Vollzug soll es ja gelegentlich auch geben,
    wenn man hört, was in unseren JVAs so abgeht. 😉

    abgekatert ist allerdings unterirdisch…

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