Robert B. Parker: Spenser

By Manchester (N.H.) Library [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0) or CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Was ist eigentlich so toll an Serien, frage ich mich, denn ich schaue mir keine an. Das ist ein hinreichender Grund, keine eigene Antwort auf diese meine Frage formulieren zu können. Andererseits bin ich durchaus Serienjunkie, allerdings geht es dabei um literarische Serien. Gut, ich wäre bereit, hier einen etwas erweiterten Literaturbegriff zu gestehen, denn meist geht es bei den Serienautoren dann doch um Krimis.

Das Tolle an diesen Serien ist, für mich zumindest, die Vertrautheit mit dem Personal, mit literarischen Figuren, denen man wie alten Bekannten begegnet, die eine neue Geschichte zu erzählen haben. Wie bei anderen Bekannten, die gerade etwas erlebt haben, hat es wenig Sinn, aus dem eigenen Alltag zu plaudern, sie hören eh nicht zu.

Außerdem entlastet es natürlich ganz erheblich, wenn man Autoren gefunden hat, die einen Nerv treffen, statt auf die Nerven zu gehen. Deshalb ist es eine große, nicht akzeptable Schweinerei, wenn solche Menschen sterben. Auch wenn sie nach ihrem Tod offenbar weiterhin aktiv bleiben, wie das bei Robert B. Parker der Fall zu sein scheint. Die Krimi-Couch berichtet jedenfalls über ihn: „1956 heiratete er Joan Hall; die Ehe, aus der zwei Söhne hervorging, hält trotz diverser Schwierigkeiten (die Eingang in Parkers Romanwerk fanden) bis heute.“

Vermutlich ist das Wort Schwierigkeiten angemessen, wenn man weiß, dass Parker 2010 starb. Okay, vielleicht sollte die Crimi-Couch auch einfach nur alle paar Jahre ihre Einträge überprüfen. Aber Parker, dessen Werk der schwarzen Serie des amerikanischen Kriminalromans nacheiferte, darf ohnehin noch nicht gehen, jedenfalls nicht so ganz, denn so, wie er hinterlassene Manuskripte Chandlers vollendete, so vervollständigte seine Agentin seinen letzten Roman und – noch besser – seine Angehörigen gaben die Fortsetzung der von Parker begonnen Reihen in Auftrag. Eine Idee, die mir nicht so recht gefallen will. Einen unvollendeten Roman zum Abschluss zu bringen, gut, akzeptiert, aber neue Romane um bekannte Helden zu schreiben, nein, eher nicht. Das klingt nach Fanfiction. Nach der Familie Picasso, die bei einem Kunstmaler ein paar neue Picassos in Auftrag gibt. Dabei war Parker Fachmann, er hatte studiert, was er tat, hatte sogar über die schwarze Serie promoviert.

Spenser ist die Figur, mit der Parker bekannt wurde und an der er festhielt. Kann man so einen Kerl mögen? Einen Ex-Boxer und Ex-Polizisten, der sich immer wieder der Hilfe ausgewiesener Gangster bedient und der mit dem Berufskiller Hawk befreundet ist? Diese Freundschaft, wie die Beziehung zu Susan Silverman, einer Psychoanalytikerin, zieht sich durch die Romane, die ansonsten geprägt sind von immer wohlbegründeter, aber eiskalt vollzogener Gewalt. Aber da ist etwas in diesen Romanen, ein souveräner Umgang mit der Sprache, ein Humor, der…ja, dann doch wieder an Chandler erinnert. Es sind keine Edelsteine, die Parker lieferte, aber wenn man genauer hinschaut, dann funkelt vieles in seiner schwarzen Serie.*

*Ach so, Anlass für diesen Beitrag war der Roman „Drei Kugeln für Hawk“, ein Titel, der klassische Schundliteratur verspricht. Dann doch lieber gleich vier Fäuste für ein Halleluja.

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4 Gedanken zu “Robert B. Parker: Spenser

  1. Auch ich lese manches „serienmäßig“ und dies aus den oben beschriebenen Gründen. Man weiß vorher so ungefähr, worauf man sich einlässt. Leider stelle ich auch fest, dass der Trend zur Serie (und das gilt besonders für die Krimi-Serie) bei einigen Autoren dazu führt, dass sie mehr schreiben als ihrem Image guttut. Bei der zwölften Folge mit Kommissar Soundso ist das Reservoir an Ideen aufgebraucht. Es sind nicht viele Schriftsteller, die eine Figur auf so langen Strecken wirklich am Leben erhalten können.

    Aber noch etwas zu den Fernsehserien, die ich mir schon deshalb nicht anschaue, weil ich überhaupt nicht fernsehe: Trotzdem kam ich kürzlich darauf, dass diese Serien in gewisser Weise eine Lücke schließen, die durch das enorme Anwachsen des Buchmarktes entstanden ist, nämlich die des „gemeinsamen Freundeskreises“. Früher verband dieser Freundeskreis alle literaturinteressierten Menschen. Man konnte sich mit Wildfremden über das Personal der Bücher unterhalten, die jeder einfach gelesen haben musste. Aber welche Bücher wären das heute? Wird es irgendwann einen Kanon heutiger Literatur geben? – Die Fernsehserien, von denen jeder, der fernsieht, mindestens mal eine, wenn nicht mehrere Folgen gesehen hat, schaffen wieder diesen Kreis gemeinsamer „Bekannter“, ohne dass man sich gleich aufs politische Glatteis begeben muss.

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    • Du hat natürich Recht. Bücher unterliegen Moden und sind für den sofortigen Konsum gedacht. Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran… oder so ähnlich hieß das doch mal in einem Popsong. Weil das öffentlich-rechtliche Fernsehen aus welchen Gründen auch immer nicht den Nutzungsgewohnheiten junger Konsumenten entspricht, übernehmen Netflix und Amazon.

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  2. Serien werden heutzutage erst durch Staffeln schön. So jedenfalls Bettys Diagnose aus dem ZDF-Krankenhaus, und die Wiki sagt, daß das Gesamtgewese in Film und Fernseh vom geordneten Ablauf im Militär entliehen ist. – Kurz: Wir bewegen uns da auf einer Lindenstraße, von der es keine Abfahrt gibt …

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