Anfassen verboten

Von Cent9 – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26354898

Wieder einmal greife ich auf einen älteren Text zurück, der unbeachtet und vergessen in den Tiefen des Netzes schlummerte. Also, Fanfaren, Tusch und was sonst noch dazu gehört:

Anfassen verboten

Natürlich ist unser Haushalt perfekt organisiert. Finden wir. Oder eigentlich ich. Dazu muss ich für die jüngeren Leser dieses Blogs hinzufügen, dass mit dem Alter die Sehkraft nachlässt. Ansonsten wird natürlich alles besser. Wenn ich in den Spiegel schaue, rechnete ich jedenfalls immer ein wenig damit. Und es wurde besser – was wieder mit der nachlassenden Sehkraft zu tun hat. Ich schaue in den Spiegel, kaum Falten und gut rasiert. Jetzt könnte ich durch ein oder zwei tastende Handbewegungen die Stichhaltigkeit dieses Eindrucks überprüfen, aber bin ich denn der ungläubige Thomas? Sind wir nicht alle so erzogen, dass wir vertrauen und glauben können? Und so starte ich glatt in den Tag und komme unbeschadet wieder heim, weiß nicht, warum die Kollegen so kritisch gucken.

Und so perfekt ist auch unser Haushalt, blitzblank und staubfrei. Bis der Nachbar kommt, der setzt sich an den großen Esstisch, weigert sich, bei uns etwas zu essen oder zu trinken und – das ist der Auslöser für diesen Text – schiebt mit dem Zeigefinger (welcher Hand? mir doch egal, so pingelig bin ich da nicht) Krümel hin und her. Vielleicht merkt er selbst nicht, was er da tut, vielleicht fällt es ihm auch erst später auf, aber bis er kam, waren da keine Krümel. Ich hab da keine gesehen. Jedenfalls werde ich nächstes Mal, wenn wir den Nachbarn wieder erwarten, seine Ecke des Tischs abwischen. Dann müssen wir nur noch darauf achten, dass er sich auch auf den gleichen Stuhl setzt.

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8 Gedanken zu “Anfassen verboten

    • Die Grundsatzfrage lautet: Gibt es eine Realität jenseits meiner Wahrnehmung? Für mich gibt es die Krümel nicht, weil sie für mich unsichtbar sind. Für den Nachbarn sind sie möglicherweise auch unsichtbar, seine tastenden Finger aber lassen ihn fühlen, was sich den Augen entzieht.

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