Grenzerfahrungen

Grafschaft Bentheim, Foto: Manfred Voita

Wir doch nicht. Alle anderen, klar, aber wir doch nicht.

Ostermontag. Ein ganzer Tag liegt hinter dem Land, ein vergeudeter Tag, einer, an dem man nicht einkaufen konnte. Jedenfalls nicht in Deutschland. Wir sind auf dem Weg in die Grafschaft Bentheim, Familienbesuch. Ob wir über Holland fahren, fragt meine Frau. Klar, immer gern mal. Und wenn wir schon da sind, könnten wir auch noch ein paar Kleinigkeiten mitbringen, also die Sachen, die man nun wirklich nicht dringend braucht.

Völlig naiv fahren wir über die Grenze, also fast, denn der Stau beginnt schon kurz vor der Grenze. Ganz Deutschland muss nach Denekamp oder irgendeinem anderen beliebigen Grenzort. Dabei ist es noch nicht einmal lange her, dass wir in einen vergleichbare Schlamassel geraten sind. Nur ging es da um Winterswijk und Bredevoort. Egal, wenden kann man hier eh nicht mehr, also weiter.

Gleich hinter der Grenze liegt der Supermarkt, der vermutlich immer auf hat und der sich auf den feiertäglichen Ansturm vorbereitet hat, indem rasch noch ein paar Zelte und zusätzliche Stände am Straßenrand aufgebaut wurden. Medikament und Fisch, also was man so am Straßenrand erwartet hätte. Der Parkplatz ist rappelvoll.

Wir fahren da nicht hin. Wir kennen uns hier aus. Wir fahren ein paar Kilometer weiter, zu einem etwas abgelegen Geschäft. Das natürlich genauso voll ist. Komisch, vor vielen Jahren war das doch noch ein Geheimtipp. Der Laden hat einen gewissen Charme. So ähnlich haben Aldi-Läden in den sechziger Jahren ausgesehen. Verzicht auf jede Form von ansprechender Warenpräsentation, dafür ist alles billig. Hier ist Geiz nicht geil, hier wird er gelebt. Hier versteht man intuitiv, warum ein Laden in den Niederlanden Winkel heißt. Ein unglaublich alter Mann sitzt an der Kasse, nimmt unser Geld und hat tatsächlich für jeden Kunden auch noch ein freundliches Wort.

Krentebollen, Koffie, Koekjes, nicht mal eine ordentliche Tasche voll. Dafür ein langer Umweg, zurück über die Dörfer, damit wir nicht im Stau stehen. Zwei Umleitungen, die uns garantiert länger aufhalten, als es der Stau gekonnt hätte.

Und was lernen wir daraus? Nichts, natürlich.

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18 Gedanken zu “Grenzerfahrungen

  1. Hmmmm…. Krentebollen…. 🙂
    Ich kenne das auch: schon in der Zeit, als ich vielleicht gerade 15 war, lockte es mich immer wieder, „mal rüber nach Holland“ zu fahren, einfach nur für das Gefühl, in einem anderen Land zu sein. Also bin ich oft von Gelsenkirchen nach Winterwijk getrampt und genoß das Erlebnis des Grenzübertritts, der anderen Waren in den Winkeltjes (Läden), die andere fremde Sprache dort – und: en Zakje Friet met lekker Fritessaus zu essen.
    Ab und zu passiert es auch noch heute noch, dass wir, wie Du, spontan rüberfahren, um eigentlich nichts zu kaufen, was wir unbedingt brauchen.
    Aber es muss irgendwie sein.
    Tot de volgende keer 😉

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  2. Und was kauft man inzwischen Besonderes in Holland? Wenn wir früher rübergefahren sind nach Nieuweschans oder gleich weiter nach Groningen, hatten wir bei der Rücktour immer Vla im Gepäck, Karamellkekse und halfsware Shag, von dem wir lange dachten, er sei halbschwarz.

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  3. Mir scheint, heutzutage gibt es keinen Grund mehr, nach Holland zum Einkaufen zu fahren. Außer: Man hält es zu Hause nicht aus. Und/oder: Man hält zwei Tage hintereinander ohne Einkaufen nicht aus. ——- Wir waren übrigens Ostermontag auch in Holland. Und haben auch was gekauft, Sektgläser. Sind uns halt so über den Weg gelaufen. Von Stau allerdings keine Spur rings um Aachen.

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