Schwarzweißfilm

By NASA; restored by Adam Cuerden [Public domain], via Wikimedia Commons

Nach dem zweiten Weltkrieg brach ein neuer Konflikt zwischen den Guten und den Bösen aus, der unter der Bezeichnung kalter Krieg läuft. In den späten fünfziger, frühen sechziger Jahren konkurrierten die UdSSR und die USA nicht nur um die Weltherrschaft, sondern auch um die Vorherrschaft im Weltraum. Die „Russen“ legten mit dem Sputnik und Laika, später dem Kosmonauten Juri Gagarin vor. Die Amerikaner mussten, einerseits weil sie sich aus dem All bedroht fühlten und andererseits aus Prestigegründen, so schnell wie möglich nachziehen und dann in Führung gehen.

Computer wurden nach 1945 wichtiger, waren allerdings noch hochsensible Röhrengeräte mit einem enormen Platzbedarf. Für den Einsatz in den Raumkapseln waren sie völlig ungeeignet, zunächst wurde die Zuverlässigkeit ihrer Berechnungen auch in Frage gestellt. Es brauchte menschliche Arbeitskraft, menschliche Intelligenz, um komplizierte Berechnungen durchzuführen. Es fanden sich Menschen, die genau die gesuchten Qualifikationen besaßen, die ihren Job erfolgreich erledigten, die Amerikaner brachten Menschen ins All und auf den Mond. Ende gut, alles gut.

Wieso schauen sich Menschen diese Geschichte im Kino an? Wir wissen doch, wie sie ausgeht. Gut, ich habe ein paar Details verschwiegen: Die Menschen, die für die NASA rechnen, sind Frauen. Aber Frauen beim Rechnen zu zeigen, Frauen beim Rechnen zuzuschauen ist nun auch nicht sonderlich spannend. Falls man nicht ganz allgemein gern Menschen beim Rechnen zuschaut. Ach ja, die Frauen waren auch noch African American, schwarze Frauen.

Hidden Figures, so heißt der Film, der ihre Geschichte erzählt, ein Film, der auf Tatsachen beruht, aber eben ein Hollywood-Film ist. Was fehlt uns für einen Hollywood-Film? Ein ordentliches Gemetzel, ein Rachefeldzug, eine Verfolgungsjagd. Also wirklich, nur weil diese Elemente in den meisten Filmen, die es bei uns ins Kino schaffen, regelmäßig abgearbeitet werden, muss Hollywood nicht darauf reduziert werden. Eine Liebesgeschichte, die muss allerdings sein.

Ich habe große Schwierigkeiten mit Filmen, die Geschichte erzählen und sich die Freiheit nehmen, die Geschichte aus dramaturgischen Gründen umzuschreiben. Die Macht der Bilder führt leicht dazu, dass später die eigentlichen Tatsachen in den Hintergrund rücken und die erzählte Geschichte zur scheinbar wahren Geschichte wird.

Hidden Figures dreht, soweit ich die Geschichte jetzt überprüft habe, auch an der Chronologie und passt Personen an. Trotzdem sitzt man im Kino und schüttelt den Kopf über den alltäglichen Rassismus, über die selbstverständliche Benachteiligung und freut sich, dass alles gut ausgeht. Was es im Film und in der Realität der Hauptpersonen auch tut. Nicht aber in der Wirklichkeit des Jahres 2017.

Rassismus ist nicht überwunden, nicht hier und nicht in den USA.

 

 

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4 Gedanken zu “Schwarzweißfilm

  1. Der Sputnikschock hat ja in den USA viel bewegt und manche Entwicklung angeregt bzw. beschleunigt. Dass er auch geignet war, gleich zwei Vorurteile zu widerlegen, dass nämlich Frauen und auch noch schwarze Frauen nicht rechnen könnten, ist offenbar die hübsch idealisierende Botschaft des Films.

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    • Anspruchsvolle Mathematik lässt sich in einem Spielfilm sicherlich nicht gut vermitteln, Diskriminierung schon. Insofern hat der Film schon eine Botschaft, die, verbundenen mit der nationalen Heldentat Mondlandung und beschränkt auf die Zeit bis zu dieser Mondlandung, heute nirgends aneckt. Trotzdem ist ein solcher Film allemal besser als ein weiterer Superhelden-Blutrausch-Action-Blockbuster.

      Gefällt 2 Personen

  2. Nach „Männer, die auf Ziegen starren“ ist es umso verständlicher, Frauen zu zeigen, die am Rechner rechnen, beziehungsweise an der Tafel. Da kann man die (fehlende) Gleichberechtigung und den Rassismus in einem Film erschlagen …

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