Gute Karten, schlechte Karten

von B. P. Schulberg Productions, Preferred Pictures (The New Zealand Film Archive) [Public domain], via Wikimedia Commons

„In welchen Film wollen wir denn?“ frage ich so in den Raum hinein.

Blöde Frage, denn natürlich weiß ich, in welchen Film wir wollen – nur nicht, wie er heißt. Und bei uns in der Kleinstadt werden zwar außen in den Glaskästen die Plakate der Filme ausgehängt, aber am Kassenhäuschen steht nichts, nur der Preis. Und manchmal der Zuschlag für Überlänge. Natürlich auch die Preise für die Erfrischungsgetränke und das Popcorn.

„Hidden Figures“ sagt der Mann im Kassenhäuschen.

Nein, es ist nicht so einfach, wie man jetzt denken könnte, es läuft nicht nur ein Film. Wir haben hier nämlich ein Kino mit zwei Sälen. Also Räumen eher. Das muss man schon wissen, um meine Verblüffung zu verstehen. Sieht man mir oder uns schon an, in welchen Film wir wollen – oder in welchen wir definitiv nicht gehören? Ich meine, ich bin dem Mann schon dankbar, denn den Namen des Films, in den wir nicht wollten, weiß ich auch nicht. Wozu auch? Wir wollen ja schließlich nicht rein.

Ein wenig fühle ich mich herausgehoben, als Teil einer Minderheit erkannt, die eher das Bildungsprogramm als den Grusel-Blockbuster zu schätzen weiß. „Im anderen Saal läuft Kong“, sagt der Kartenverkäufer, „den Titel merken sich die Leute.“ Und schon fällt der ganze Hochmut ins sich zusammen. Nein, man sieht mir nicht an, dass ich ein Freund des guten Films bin, Generation Faßbinder, Werner Herzog und Wim Wendern, nein, ich bin nur zu dämlich, um mir einen Titel wie Kong zu merken.

Zur Strafe kaufen wir dann Karten für Kong.

Advertisements

11 Gedanken zu “Gute Karten, schlechte Karten

  1. Lieber Herr Voita!

    Vielleicht sieht man Ihnen nicht an, dass Sie ein Freund des guten Films sind, aber an den Worten, die aus Ihrer Feder bzw. Tastatur fließen, ist eindeutig zu erkennen, dass Sie sich nicht permanent mit KingKong vor dem Affengehege unterhalten 🙂

    Herzliche Grüße
    Mallybeau

    Gefällt 2 Personen

  2. „Hidden Figures“ – habe ich, immer auf der Suche nach Filmen, die man sich als Fassbinder/Herzog/Wenders/Allen-Sozialisierter ansehen möchte, direkt mal gegoogelt. „Historische Fiktion“ steht da – welch eine schöne Wortkombination. Aber nichts für mich, als Historiker meine ich: Entweder Historie oder Fiktion. Historische Hollywood-Fiktion ist für mich eher so eine Art Grusel-Kino. Oder war es anders?

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s