Auch Käse im Angebot: Wahlen in den Niederlanden

In den Niederlanden wird gewählt. Geert Wilders, Vorsitzender und einziges Mitglied der PVV (Partei für die Freiheit), geht mit einem Programm in diese Wahlen, das auf eine Seite passt. Ich versuch mich mal an einer Übersetzung:

Konzept Wahlprogramm Partei für die Freiheit 2017 – 2021

Niederlande wieder unser!

Millionen Niederländer haben genug von der Islamisierung unseres Landes. Genug von Massenimmigration und Asyl, Terror, Gewalt und Unsicherheit.

Hier ist unser Plan: Anstelle der Finanzierung der ganzen Welt und von Menschen, die wir hier nicht wollen, geben wir das Geld für den normalen Niederländer aus.

So wird die PVV das tun:

  1. Die Niederlande de-islamisieren
  • Null Asylsuchende zusätzlich und keine Immigranten mehr aus islamischen Ländern: Grenzen dicht
  • Aufhebung aller bereits gewährten Aufenthaltsgenehmigungen Asyl auf bestimmte Zeit, Schließung der Auffangeinrichtungen für Asylsuchende
  • Keine islamischen Kopftücher in öffentlichen Funktionen
  • Verbot islamischer Äußerungen, die gegen die öffentliche Ordnung verstoßen
  • Vorbeugehaft für radikale Moslems
  • Kriminellen mit doppelter Staatsbürgerschaft die niederländische Staatsangehörigkeit aberkennen und ausweisen
  • Syrienkämpfer nicht in die Niederlande zurückkehren lassen
  • Alle Moscheen und islamischen Schulen schließen, Koran verbieten
  1. Die Niederlande werden unabhängig. Also raus aus der EU
  2. Direkte Demokratie: Einführung eines bindenden Referendums, Bürger bekommen Macht
  3. Selbstbeteiligung an den Kosten im Pflegefall abschaffen
  4. Mieten runter
  5. Rentenalter auf 65 Jahre, ergänzende Pensionen indexieren
  6. Kein Geld mehr für Entwicklungshilfe, Windkraft, Kunst, Innovation, Rundfunk usw.
  7. Einsparungen bei der häuslichen Pflege und der Altenpflege rückgängig machen, mehr Personal an das Bett
  8. Deutlich mehr Geld für Verteidigung und Polizei
  9. Niedrigere Einkommenssteuern
  10. Halbierte Kfz-Steuer

Anschließend werden für die elf Posten noch die zusätzlichen Kosten bzw. Einsparungen benannt. Ergebnis: Plus/Minus Null.

Schön kurz, so ein Programm kann man lesen und verstehen. Alles ist einfach und alles ist möglich.

Ich denke, wir haben hier ein perfektes Beispiel für populistische Politik bzw. Versprechungen. Da wechseln sich Forderungen, die viele unterschreiben können (Mieten, Einkommenssteuern, Pflege) mit billigen Ressentiments ab, mit einfacher Fremdenfeindlichkeit, die vor allen internationalen Entwicklungen die Augen verschließt und verspricht, die heile Welt der fünfziger Jahre wieder herzustellen. Aber die waren ja auch nicht perfekt, da gab es ja die Einwanderung aus den ehemaligen niederländischen Kolonien. Vierziger… äh, nein, das war die deutsche Besatzung. Dreißiger… Krise. Ach, irgendwann damals, zu einer Zeit, an die sich keiner mehr erinnern kann, da war die Welt noch in Ordnung und genau so will die PVV sie zurück, nur besser natürlich, reicher und Welt, hör zu, scher dich in Zukunft um deine Angelegenheiten, wir brauchen dich nicht.

Wieso fällt mir auf einmal Nordkorea ein?

 

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12 Gedanken zu “Auch Käse im Angebot: Wahlen in den Niederlanden

  1. Diese Entislamisierung scheint mir schon praktisch unmöglich. Schließlich sind die meisten Menschen aus der ehemaligen Kolonie Indonesien Muslime und niederländische Staatsbürger. Will er die alle ausbürgern, gewachsene Familien auseinanderreißen? Da wird deutlich, welche Dramatik sich hinter diesen schlichten Ideen verbirgt.

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    • Es ist immer und überall die gleiche Nummer. Es braucht Schuldige, um die eigene missliche Lage erklären zu können und um auf jemanden böse sein zu können. In großen Teilen Asiens sind es wohl die Chinesen, in großen Teilen Europas sind es die Roma. Irgendwer ist dran. Und dann kann man doch keine Rücksicht nehmen. In den Niederlanden wird gerade gefordert, die doppelte Staatsbürgerschaft abzuschaffen. Peinliche Frage an den CDA-Vorsitzenden: Was wird mit Königin Maxima, die ja auch die argentinische Staatsbürgerschaft besitzt.

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  2. Wenn es noch heute so leicht ist, mit simplen Worten und Forderungen Mehrheiten zu schaffen, dann wird einem die deutsche Geschichte der Dreißigerjahre verständlicher. Ich betone: der Dreißigerjahre, nicht was dann in den Vierzigern daraus geworden ist.

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  3. Einfach. Einfach schrecklich, weil es vermutlich nicht allzu selten als patente Lösung erscheint. Natürlich nur, solange man nicht anfängt nachzudenken. Ich fürchte, dass viele aber nach Punkt fünf nicht mehr weiter lesen und schon mit dem NIcken beginnen. Und das nicht nur in den Niederlanden.

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  4. Hier zum Programmpunkt Fußball: Die Niederländische Nationalmannschaft hat bei inzwischen 773 Spielen 387 mal gewonnen und 171 mal unentschieden gespielt. Alle Niederlagen haben im Prinzip die Deutschen zugefügt. Ich denke, da hat der ehemalige Feyenoord-Trainer Ernst Happel mal wieder den Ball im Schuh gegen wildernden Geert: „Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag.“ 🙂

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